Die Welt dreht sich schneller als normal


Die Welt dreht sich schneller als normal



Die Welt dreht sich schneller als normal
von Stockstreet-Team

Den gestrigen Beitragstitel (Die Ereignisse überschlagen sich) hätten wir kaum besser wählen und für heute gleich erneut verwenden können. Gestern noch berichteten wir an dieser Stelle, dass nun der Volksentscheid in Griechenland zunächst abgewartet wird, bevor die nächsten Hilfszahlungen geleistet werden. Bereits kurz darauf war die Welt schon wieder eine ganz andere.

Wie lange ist Papandreou noch im Amt?

Ministerpräsident Papandreou hat am Donnerstag Nachmittag der Bildung einer Übergangsregierung zugestimmt. Damit ist das von ihm geplante Referendum schon wieder vom Tisch, und Papandreou hat dem massiven Druck der internationalen Geldgeber nachgegeben. Allerdings besteht weiterhin Unklarheit darüber, wie lange der griechische Ministerpräsident noch im Amt sein wird. Denn die von ihm anvisierte Volksabstimmung erfolgt zwar nun nicht, sehr wohl aber die Vertrauensabstimmung im Parlament.

Es fanden bereits Gespräche mit der Opposition zur Bildung einer Übergangsregierung statt. Einige Minister sollen ihm dabei helfen, die Vertrauensabstimmung zu gewinnen. Im Gegenzug sei er zum Abgang bereit und wolle Platz für eine Koalitionsregierung machen.

Der Geldhahn bleibt vorerst zu

Der Geldhahn dürfte jedoch weiterhin geschlossen bleiben. Zuviel Unsicherheit besteht derzeit über die weitere Entwicklung in Griechenland. Hier müssen Worten wohl nun erst einmal Taten folgen in Form einer Umsetzung der weiteren Sparmaßnahmen.

Trichet-Nachfolger sorgt für den nächsten Paukenschlag

Für einen ähnlich überraschenden Paukenschlag sorgte auch der Nachfolger Jean-Claude Trichets. Kaum war Mario Draghi im Amt, schon senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins unerwartet von 1,5 auf 1,25 Prozent. Eigentlich wurde von nahezu allen Experten erst mit einer Zinssenkung auf der nächsten Sitzung im Dezember gerechnet.

Überwiegen die Konjunkturrisiken das Inflationsrisiko?

Der Schritt zeigt, wie beunruhigt die Währungshüter sind. Sie nehmen die Konjunkturrisiken, die von der Staatsschuldenkrise ausgehen, sehr ernst. Die nun erfolgte Zinssenkung soll die Kreditkosten verringern und könnte damit die Investitionstätigkeit der Unternehmen und den Privatkonsum ankurbeln. Allerdings steigt damit auch das Inflationsrisiko.

Doch die EZB hatte bereits zuvor stets beteuert, dass die Inflation von aktuell 3 % nur vorübergehender Natur ist und im Verlauf des Jahres 2012 die für die EZB wichtige Schwelle von 2 % wieder unterschritten wird.

Dämpfen sinkende Energiepreise den Inflationsdruck?

Die Notenbanken argumentieren, dass sich besonders die Energiekomponente für die starken Preisanstiege verantwortlich zeigt. Doch gerade vor dem Hintergrund der konjunkturellen Schwäche sollen sich die Preise in diesem Bereich wieder auf dem Rückzug befinden, was die Inflation eindämmen würde.

Dass die Energiepreise stark gestiegen sind, lässt sich nicht von der Hand weisen, denn importierte Energie war im September 2011 um 28,4 % teurer als im September 2010. Importiertes Rohöl war im Vergleich zu September 2010 um 35,1 % teurer und für Mineralölerzeugnisse musste binnen Jahresfrist 30,4 % mehr bezahlt werden. Die Erdgaspreise lagen um 19,8 % über denen des Vorjahresmonats.

Der Index der Einfuhrpreise lag im September um 6,9 % über dem Vorjahresstand. Ohne Erdöl und Mineralölerzeugnisse lag er im September 2011 hingegen “nur“ um 3,6 % über dem Stand von September 2010 (keine Veränderung gegenüber August 2011).

Die Aussagen der EZB erhalten vor diesem Hintergrund Gewicht. Doch da nun die Heizsaison beginnt, ist fraglich, ob die Notenbanken auch mit Ihrer Prognose für die Inflation in 2012 Recht behalten.

Mit den US-Arbeitsmarktdaten kehren die Konjunktursorgen zurück

Dem DAX war es egal – für ihn zählten nur die niedrigeren Leitzinsen und so legte er gestern einen Freudensprung hin. Dieser währte jedoch nicht lange, denn mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten legte der Index heute schon wieder den Rückwärtsgang ein.

Die private Arbeitsagentur ADP versprühte am Mittwoch noch Hoffnung. Die US-Privatwirtschaft schuf demnach im Oktober mehr neue Stellen als erwartet. Die Zahl der Jobs stieg um 110.000, während Analysten lediglich mit einem Plus von 101.000 gerechnet hatten. Doch die offiziellen Arbeitsmarktdaten fielen schlechter aus als erwartet. So stieg die Zahl der Beschäftigten (ohne Landwirtschaft) im Oktober nur um 80.000 während ein Anstieg um bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze einkalkuliert wurde.

SKS nimmt Formen an

Geht es mit dem Hin und Her zwischen 6.200 und 5.800 Punkten im DAX so weiter, dann könnte die gestern vorgestellte neue Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) doch noch Formen annehmen.


Die Gaps sind geschlossen. Vielleicht hat die Aufwärtsbewegung damit ihr Soll erfüllt?! Dennoch verbleibt uns zur Hoffnung immer noch die Kreuzunterstützung bei etwas 5.750 Punkten. Es bleibt also extrem spannend, sowohl in Griechenland als auch an den Aktienmärkten.

Ihr Stockstreet Team




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