Warum es kein QE3 geben wird


Warum es kein QE3 geben wird



Warum es kein QE3 geben wird
von Torsten Ewert

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sie wissen sicherlich, dass besonnene Ökonomen inzwischen die Notenbanken weltweit wegen ihrer anhaltend lockeren Geldpolitik kritisieren. In den USA lief Ende Juni nun das zweite Programm der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing) der Fed, genannt QE2, aus. Längst spekulieren Beobachter darüber, wann es zu einem weiteren solchen Programm kommt.

Warum QE3 scheinbar eine ausgemachte Sache ist

Interessanterweise geht es kaum noch darum, ob es dazu kommt, sondern scheinbar nur noch wann sowie um die Frage, ob es ein echtes QE3-Paket wird oder nur ein abgespecktes, nennen wir es QE2.5-Programm. Anlass dazu sind entsprechende Andeutungen von Notenbank-Chef Ben Bernanke.

Sowohl nach der jüngsten Fed-Sitzung im Juni als auch nach der routinemäßigen halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress in der vergangenen Woche behielt er sich entsprechende Maßnahmen vor, „wenn es die ökonomische Situation erfordere“. Daraus schließen die Beobachter offensichtlich, dass Bernanke quasi mit dem Finger am Abzug sitze und nur noch auf eine passende Gelegenheit warte, um erneut die Gelddruckmaschinen anzuwerfen.

Allerdings wurde in der vergangenen Woche ein aufschlussreiches Dokument durch die Fed veröffentlicht, das erhebliche Zweifel aufkommen lässt, ob sich die „Tauben“ (die Verfechter einer lockeren Geldpolitik) nochmals gegen die „Falken“ (die geldpolitischen Hardliner) durchsetzen können.

Dieses Dokument ist das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juni.

Die Fed bastelt allerdings an einer Ausstiegsstrategie

Nun gibt es zweifellos spannendere Lektüre als die offiziellen Verlautbarungen der US-Notenbank. Aber das aktuelle Protokoll, die sogenannten Minutes, hat es in sich.

Denn dort findet sich kaum ein Hinweis auf weitere Lockerungsprogramme! Zwar gibt es da die Anmerkung, dass im Falle eines neuerlichen Rückfalls in die Rezession weitere Maßnahmen notwendig werden könnten. Aber breiten Raum nimmt die Exit-Strategie der Fed ein, also eine Methodik, wie sich die US-Notenbank allmählich von ihrer lockeren Geldpolitik verabschieden kann.

Zudem finden sich in dem Papier mehrmals Formulierungen, wonach „einige“ Fed-Mitglieder aus verschiedenen Gründen einen schnelleren Ausstieg und sogar eine baldige Anhebung der Zinsen fordern.

Das Papier vermittelt den Eindruck, als würde es dem Fed-Chef sehr schwer fallen, erneut die Druckerpressen auf Hochtouren zu bringen...

Quantitative Easing – ein Rohrkrepierer

Dies ist umso erstaunlicher, als die Fed gleichzeitig eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche erkennen lässt und zudem mehrfach auf die derzeitige Unsicherheit ihrer ökonomischen Projektionen hinweist.

Hintergrund dieser offensichtlichen Diskrepanzen ist aber vermutlich der mangelhafte Erfolg der bisherigen Maßnahmen.

Vor dem Kongress fasste Bernanke freundlicherweise seine Ziele kurz zusammen. Danach sollten durch den Aufkauf von Staatsanleihen deren Preise (Kurse) nach oben getrieben werden, was gleichzeitig deren Rendite drückt. Diese niedrigen Renditen sollten die Marktteilnehmer veranlassen, in andere, attraktivere Anlageklassen zu investieren, z.B. Unternehmensanleihen, Hypotheken, aber auch Aktien.

Die höhere Nachfrage sollte auch dort Preise steigen bzw. die Renditen sinken lassen. Die niedrigeren Zinsen hätten noch genug Spielraum für auskömmliche Margen gelassen. Über diesen Mechanismus – so der Plan der Fed – sollte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf den Krisenmärkten (vor allem Kredite und  Immobilien) angeschoben und damit ein Wachstumsimpuls ausgelöst werden. Nebenbei sollte die erhöhte Nachfrage auch das allgemeine Preisniveau anheben und damit eine befürchtete Deflation verhindern.

Die Fed hat ihr Mandat nicht erfüllt

Außer dem zuletzt genannten Punkt und dem Kursanstieg bei Staatsanleihen wurde keines der Ziele erfüllt: Der Aktienmarkt pendelt unentschlossen vor sich hin, die Renditen für Unternehmensanleihen und Hypotheken sind teilweise sogar gestiegen. Der Immobilienmarkt liegt weiterhin brach: Die Preise sowohl für Wohn- als auch für Gewerbeimmobilien notieren nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung erneut auf oder sogar unter ihren Tiefstständen während der Krise. Die Verbraucherkredite sind zwar um 1,6 % gegenüber dem Krisentief gestiegen, aber zuvor um 5,8 % gefallen. Aber diese schwache Entwicklung ist angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit auch kaum verwunderlich...

Apropos Arbeitslosigkeit. Dass die Jobmaschine nicht zum Laufen kommt, ist ein Hauptgrund für die schleppende Erholung der US-Wirtschaft. Aber genau dieser Punkt, die Erhaltung bzw. Schaffung eines hohen Beschäftigungsstands ist neben der Sicherung der Preis- und Geldwertstabilität das zweite Mandat der US-Notenbank. Und genau hieran machen die Kritiker das Versagen der Fed fest.

Schauen wir uns dazu die Entwicklung der neu geschaffenen Stellen (Nonfarm Payrolls) im historischen Vergleich an:

US-Arbeitsmarkt 

Quellen: Bureau of Labor Statistics, National Bureau of Economic Research

Der Jobaufbau kommt einfach nicht in Fahrt

Sie erkennen, dass nach Rezessionen (graue Balken) der Arbeitsplatzaufbau erst mit einigen Monaten Verzögerung Fahrt aufnimmt (das blaue Gebirge klappt erst etwas später nach oben über die Nulllinie). Dann allerdings sollten – so eine Faustregel – rund 300.000 Jobs durchschnittlich pro Monat (durchgehende gestrichelte Linie) geschaffen werden, damit der Aufschwung auf gesunden Beinen steht.

Derzeit läuft der Jobaufbau seit 16 Monaten (im März 2010 war die Zahl der neu geschaffenen Stellen erstmals nach der Rezession wieder positiv). Seitdem wurden aber nur knapp 111.000 Jobs pro Monat neu vergeben (dicke rote Linie).

Allerdings muss man zu Bernankes Ehrenrettung sagen, dass auch in den beiden vorangegangenen Konjunkturzyklen die magische 300.000er Marke nicht annähernd erreicht wurde (siehe rote Linien 1992 / 93 und 2003 / 04). Dies gelang letztmalig nach der Double-Dip-Rezession 1982.

Die Fed-Kritiker sammeln Munition

Der einzige arbeitsmarktpolitische Erfolg der Fed liegt allenfalls in der Vermeidung des zögerlichen Beginns des Jobaufschwungs, wie er in den vorherigen beiden Zyklen zu erkennen war (gelbe Ellipsen). Das ist aber ein recht mageres Ergebnis, selbst wenn man berücksichtigt, dass die Krise – auch gemessen an dem Einbruch des Stellenangebotes 2008 – außerordentlich stark war. Denn gleichzeitig pumpte die Regierung zusätzlich über eine Billion (!) Dollar an Konjunkturhilfen in die Wirtschaft...

Die Fed-Kritiker – auch die internen – haben nun also ausreichend Munition, um weitere QE-Lockerungspakete unter Hinweis auf die bisherigen mageren Resultate zu verhindern. Dies würde auch den Republikanern in die Hand spielen. Schließlich sind im kommenden Jahr in den USA Wahlen. Und derzeit läuft alles darauf hinaus, dass diese auf wirtschaftspolitischem Feld entschieden werden.

Natürlich könnte man unter diesem Aspekt genauso argumentieren, dass Obama alles daransetzen wird, um die Wirtschaft zu stimulieren – notfalls auch mit Hilfe der Fed. Aber bisher hatte der Präsident kein glückliches Händchen mit seinen konjunkturellen Initiativen. Und durch die aktuelle Debatte um die Haushaltsgrenze ist er zusätzlich geschwächt. Und da auch der Fed-Chef zunehmend in der Kritik steht, sinken die Chancen rapide, dass es „ohne Not“ zu einem weiteren QE-Paket kommt.

Überrascht der Fed-Rückzug die Aktienmärkte?

Das ist für die Aktienmärkte von erheblicher Bedeutung, denn dort kursiert, wie eingangs gesagt, immer noch die Hoffnung auf weitere Schützenhilfe durch die Fed. Damit besteht von dieser Seite negatives Überraschungspotenzial, dass noch nicht vollständig eingepreist ist.

Allerdings ist schwer abzuschätzen, wann sich dies auf die Kurse auswirkt. Möglicherweise erst, wenn die Fed den Beginn von Zinserhöhungen signalisiert. Und dieser Zeitpunkt ist vielleicht gar nicht mehr so fern. Wie steht es doch so bezeichnend im Fed-Protokoll von vergangener Woche?

Der Rückzug aus der monetären Lockerung könnte früher beginnen als gegenwärtig von den Finanzmärkten erwartet.“

Das ist dann Ihre Strategie!

Werden Sie also nun deutlich vorsichtiger, vor allem wenn Sie noch eine relativ hohe Aktienquote halten! Charttechnisch muss nun beim nächsten Angriff auf die Hochs ein deutlicher Ausbruch nach oben erfolgen. Sonst droht ein stärkerer Rückfall, der weit unter die Unterkante der gegenwärtigen Seitwärtsbewegung führen kann.

Also sollten Sie Bestände schon deutlich reduziert haben, wenn der Ausbruch missglückt. Dann können Sie nach dem Rückfall – je nach Stand der Schuldenkrise bereits wieder mit neuen Käufen beginnen...

 

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert




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