Hilft Obama eine juristische Lösung?


Hilft Obama eine juristische Lösung?
US-Konjunkturdaten



Hilft Obama eine juristische Lösung?
von Jochen Steffens

Wichtiger Hinweis: Ich bin bis Anfang August im Urlaub. Sie erhalten in dieser Zeit wie gewohnt montags den Text von Torsten Ewert und am Ende der Woche einen Text unseres Teams, in dem unsere Trader einen kurzen Überblick über die Ereignisse der Woche geben.

Eine juristische Lösung?

Ich schrieb doch, den amerikanischen Politikern wird etwas einfallen: Zwei führende Senatoren, der demokratische Mehrheitsführer Harry Reis und der republikanische Minderheitsführer Mitch McConnell arbeiten an einem juristischen Ausweg für Präsident Barack Obama. Es könnte sein, dass die beiden Parteien so versuchen, aus ihrem selbst herbeigeführten Dilemma herauszukommen. Durch juristische Kunstgriffe wollen sie wohl den festgefahrenen Streit beenden, ohne jeweils ihr Gesicht zu verlieren. Offensichtlich ist allen Beteiligten klar, dass es nicht zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen darf. Die Wahrscheinlichkeit für eine rechtzeitige Lösung des Konflikts steigt damit.

Ratinagenturen erhöhen Druck auf die USA

Mittlerweile erhöhen auch die Ratingagenturen den Druck. Nach Moody‘s drohte nun auch Standard & Poor‘s mit einer Herabstufung der USA innerhalb der kommenden Wochen.

Niedrige Zinslast der USA

Einen interessanten Aspekt zu diesem Thema hat der amerikanische Vermögensverwalter Ken Fisher ins Spiel gebracht: Die halbe Welt redet über die hohe Verschuldung der USA, aber nach seinen Recherchen ist die Zinslast, welche die US-Regierung zurzeit zu tragen hat, die niedrigste seit 15 Jahren! Verrückt, oder?

Ich habe diese Behauptung nicht überprüft, aber sie klingt angesichts der extrem niedrigen Zinsen plausibel. So gesehen, hätten die USA trotz stark steigender Schulden zumindest kein Problem mit den aktuellen Zinszahlungen. Das klingt eigentlich beruhigend.

Das Problem ist nur: Was geschieht, wenn die Zinsen steigen? Dann würde auch die Zinslast dramatisch ansteigen.

Und die Zinsen werden steigen, wenn es zu einer Herabstufung kommt. Also muss die USA alles tun, um eine solche Herabstufung zu verhindern. Aber die Zinsen werden auch steigen, wenn es tatsächlich zu einer nachhaltigen Inflation in den USA kommt. Also kann die USA keine Inflation gebrauchen (entgegen der Meinung einiger Analysten, die davon ausgehen, dass sich die USA über eine Inflation entschulden will).

Inflation, wohin gehst du?

Das Eigenartige dabei ist: Zurzeit haben die USA auch kein Inflationsproblem. Das Wirtschaftswachstum ist sehr schwach, Preissteigerungen werden demnach nur über steigenden Energie- und Rohstoffpreise importiert. Eine höhere Nachfrage, die den Produzenten Preiserhöhungen ermöglicht, ist nicht zu erkennen. Und so sinken, wie gestern bereits beschrieben, die  US-Erzeugerpreise. Zwar steigt die Kernrate noch, aber diese läuft gerne etwas hinterher.

Verbraucherpreise sinken stärker als erwartet

Aber auch die US-Verbraucherpreise sind, wie heute gemeldet, im Juni um 0,2 Prozent gefallen. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,1 Prozent gerechnet.

Wir sehen hier die direkten Folgen des schwächer werdenden Wirtschaftswachstums. Sollte es sich bei diesen Zahlen nicht nur um Ausreißer handeln, würde diese Entwicklung der Fed einen zeitlichen Spielraum bei der Anhebung der Leitzinsen geben. Das heißt, es könnte sein, dass diese doch erst im kommenden Jahr steigen werden.

Deflation?

Und damit stellt sich sofort wieder die Frage, ob statt der allgemein erwarteten Inflation den USA trotz der enormen Geldmengenausweitung und trotz Aufkauf eigener Staatsanleihen durch die Fed erneut eine Deflation drohen. Wie hier mehrfach ausführlich geschrieben, gibt es Ähnlichkeiten zu der Situation in Japan nach dem dortigen Immobilien-/Aktiencrash Anfang der 90er Jahre. Die Fed wird jedoch alles tun, um eine solche Deflationsspirale, wie wir sie in Japan gesehen haben, zu vermeiden.

Keine Finanzmarktkrise

Und aus dieser Sicht darf es ebenfalls nicht zu der Zahlungsunfähigkeit kommen. Das könnte nicht nur kurzfristig zu Problemen führen, sondern auch langfristig die Gefahr einer solchen Deflationsspirale um ein Vielfaches erhöhen. Sollten nämlich noch mehr Kredite platzen, vielleicht sogar weltweit, würden die Probleme der vergangenen Finanzmarktkrise erneut aufleben. Und einer der Folgen dieser Kreditmarktkrise war eben die Deflation.

Der Markt bleibt zuversichtlich

Sie sehen, wie dramatisch in allen Bereichen eine Zahlungsunfähigkeit mit Herabstufungen durch die Ratingagenturen wäre. Und so verwundert es nicht, dass in den USA alles getan wird, um diese Szenarien zu vermeiden. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es also dazu auch nicht kommen, das wäre nicht zu verantworten.

Der Markt sieht es ähnlich und diese Zuversicht erkennen Sie heute auch wieder an der positiven Entwicklung der US-Märkte.

Fazit

Die jüngsten Zahlen zur Inflation in den USA weisen darauf hin, dass die Zinsen in den USA noch längere Zeit niedrig bleiben können. Wenn also das Problem mit der Schuldengrenze aus dem Markt ist, könnten die Kurse wieder steigen. Und was geschieht, können Sie auch daran erkennen, auf welcher Seite die Indizes aus ihren Seitwärtsbewegungen ausbrechen.

Viele Grüße

Jochen Steffens




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan ist im Juli unerwartet stark von zuvor 71,8 Punkte auf 63,8 Punkte eingebrochen. Das ist das niedrigste Niveau seit mehr als zwei Jahren. Analysten hatten zuvor mit einem Anstieg auf 72,5 Punkte gerechnet.

Die politischen Querelen in den USA, der Rückgang des US-Wirtschaftswachstums und sicherlich auch die Krise in Europa gehen nicht spurlos an den US-Verbrauchern vorbei. Die Stimmung sinkt deutlich. Dafür halten sich die Märkte aber noch erstaunlich gut, wenn auch diese Zahlen dazu führten, dass nun auch die US-Indizes zunächst ins Minus rutschten.




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