Wann Trader Urlaub machen m?n
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Wann Trader Urlaub machen müssen
Wann Trader Urlaub machen müssen
von Jochen Steffens
Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Bis zum 22.06.10 werde ich mir zwei Wochen Urlaub gönnen. Da wir uns in einer sehr spannenden Börsenphase befinden, wird mein Trader-Kollege Bernd Raschkowski mich in diesen zwei Wochen vertreten. Bernd Raschkowski gehört zu den wenigen Tradern, die seit Jahren erfolgreich vom eigenverantwortlichen Traden leben. Ich weiß Sie also in guten Händen.
Urlaub als Trader
Gerade Trader und andere in der Finanzbranche neigen dazu, den Urlaub und die Erholung zu kurz kommen zu lassen. Ein fataler Fehler, der sich irgendwann rächt. Wir leistungsorientierten Menschen scheinen oft zu vergessen, dass wir einen Körper besitzen. Wir sind lebende Organismen, keine Hochleistungsmaschinen. Unser Körper ist natürlich in der Lage, eine längere Zeit alles Ungemach wie Stress, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel u.a. zu kompensieren. Es gibt jedoch irgendwann einen Zeitpunkt, an dem die Fähigkeit des Körpers, Stress zu kompensieren, erschöpft ist. Und dann wird es gefährlich. Der Mensch lebt dann von der Substanz, und das führt unweigerlich zu Krankheiten, die unter Umständen auch nachhaltigere Auswirkungen haben können. Ich schreibe das, weil die Finanzbranche zu den Branchen gehört, in denen die meisten Burn-Outs auftreten.
Traden ist nicht nur Traden
Menschen, die sich dafür entscheiden, als Trader ihr Geld zu verdienen und sich damit jeden Tag aufs Neue dem Existenzkampf an den Börsen auszusetzen, werden nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn sie einen adäquaten Ausgleich schaffen. So ungern es einige von Ihnen hören werden, aber eine der Voraussetzungen für langfristigen Erfolg an den Börse ist tatsächlich (zumindest ab einem gewissen Alter) eine gesunde Lebensweise, eine gute Ernährung, Sport (sehr geeignet zum Stressabbau) und eben der zeitliche Freiraum, in dem Erholung stattfinden kann. Spätestens wenn ein Trader das 30. Lebensjahr erreicht, sollte er diese Punkte bei der Alltagsplanung gewissenhaft einbeziehen.
Der Eigen-Beweis
Und das ist nicht nur Gerede. Testen Sie es einfach aus. Ich glaube, jeder Trader lernt sehr schnell, dass er mit emotionalen Problemen im Bauch, mit Stress im Rücken, wenn er kränklich ist oder am Vortag zu viel Alkohol getrunken hat, nicht gut tradet. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass Sie die größten Erfolge erzielen werden, wenn Sie fit, aktiv und gesund sind.
Wann ein Trader auf jeden Fall Urlaub machen muss
Darüber hinaus gibt es noch besondere Fälle, in denen Sie als Trader auf jeden Fall einen Urlaub einlegen müssen:
Wenn Sie in einer extrem guten Phase sehr viel Geld verdient haben, wird es Zeit, das Geld vom Tisch zu nehmen. Das ist natürlich sehr schwer umzusetzen. Warum sollte man, wenn man gerade einen richtig guten Lauf hat, aussteigen und eine Woche in Urlaub fahren? Doch diejenigen unter Ihnen, die schon länger traden, werden es kennen: Zunächst läuft es extrem gut, doch dann spielt die Psyche verrückt. Benebelt durch den Rausch des Erfolgs wird der Verstand beeinträchtigt. Das Ego überhöht sich, man fühlt sich unbesiegbar. Prompt wird das Risiko erhöht. Und schon entsteht eine Mischung, die prädestiniert dafür ist, große Verluste zu generieren. Wer die Party hingegen verlassen kann, wenn sie am schönsten ist, wird hingegen eine verdammt gute Zeit haben.
Mentale Blockade
Wenn Sie sich in einer extrem schlechten Phase befinden, wird es ebenfalls Zeit einen Urlaub einzulegen. Gerade in größeren Verlustserien kann es sehr hilfreich sein, auszusteigen und sich erst einmal zu besinnen. Zu groß ist ansonsten die Gefahr, mit Gewalt das Ruder rumreißen zu wollen. Diese Hau-Ruck-Aktionen enden meistens in einem noch größeren Desaster. Zudem wird die mentale Stärke erheblich unter den Verlusten gelitten haben, und die mentale Einstellung entscheidet nicht nur beim Sport über Erfolg oder Misserfolg.
Zu guter Letzt gibt es noch einen dritten Grund: Es ist einfach mal wieder Zeit, in Urlaub zu fahren. Das ist gerade bei mir der Fall. Zwei Wochen (fast) ohne Börse, Telefon, Internet...
DAX und der Vergleich mit dem Jahr 2004
Und damit will ich zum Abschluss noch einmal einen längerfristigen Ausblick wagen.

Hier sehen Sie den DAX seit dem Jahr 2000 und damit direkt zwei Crashs. Auffällig ist folgendes: Die jeweilige Erholung ist beim Bruch der blauen Abwärtstrendlinien zunächst in eine erste größere Konsolidierung übergegangen. Anschließend kam es zu einer Fortführung der Rally. Diese Konsolidierung an der Trendlinie teilt die gesamte Aufwärtsbewegung ungefähr in der Mitte. In beiden Fällen verjüngte sich zudem der Trendkanal (Keilformation / rote Linien). Beim Bruch der unteren Linie des roten Keils kam es zu einem schärferen Einbruch, dem eine Konsolidierung folgt. Die Entwicklung ist demnach fast identisch.
Im Jahr 2004 folgte eine abwärtsgerichtete Konsolidierung, die fast ein Jahr andauerte. Im aktuellen Chart scheint es bisher eine eher aufwärtsgerichtete zu sein, die erst sechs Monate anhält.
Eine andere Interpretation
Aufgrund der erheblichen Ähnlichkeit der beiden Entwicklungen ist damit zu rechnen, dass auch die aktuelle Konsolidierung noch eine Weile weiterlaufen wird. Viel interessanter ist jedoch eine andere Interpretation. Dieser Chartvergleich belegt, dass aus charttechnischer Sicht im DAX trotz aller Krisen und Horrorszenarien in der EU eigentlich noch überhaupt nichts angebrannt ist. Im Prinzip ist die Entwicklung zurzeit sogar leicht bullisher als 2004. Schon fast ein wenig verrückt, oder?
Viele Grüße
Jochen Steffens
