Ein Foto veraendert die Einschaetzung der Anleger

 
 
Ein Foto verändert die Einschätzung der Anleger
von Jochen Steffens

Ich habe heute eine Meldung gefunden, die mich an die Ära des Neuen Markts erinnerte. Zu dieser Zeit gab es in direkter Nachbarschaft meiner Wohnung in Köln genau drei Haupt- bzw. Nebensitze von Firmen des Neuen Marktes. Ich hatte mich etwas gewundert, dass es sich bei diesen Firmen offensichtlich um überraschend kleine Klitschen handelte, und diese Niederlassungen so gar nicht zu dem Hype um diese Firmen (und dem Börsenwert) passen wollten. Leider hat es mich damals zu wenig gewundert. Heute würde ich wahrscheinlich darauf setzen, dass sich die Firmenbewertungen irgendwann der Realität anpassen.

Ein ähnliches Erlebnis dürften nun Anleger der Firma „AsiaPac Capital Services“ gehabt haben.
Zunächst der Kursverlauf dieser Aktie:

 
Man sieht, dass sich die Aktie vom Dezember 2009 bis Februar 2020 mal eben verdoppelte. In dieser Zeit wurden viele positive Meldungen veröffentlicht. Unter anderem wurde vermeldet, dass sich Investoren aus China und Katar zu Kursen von bis zu 6 Euro beteiligen werden! Insgesamt soll dieses Geschäft einen Umfang von 20 Millionen Euro haben. Wenn man die Meldungen des Unternehmens liest, meint man, hier geht es um Großes.

Doch dann kam es zu einem massiven Kurseinbruch. Nein, Auslöser war nicht, dass der Deal geplatzt ist. Auch keine anderen schlechten Firmen-Nachrichten sind dafür verantwortlich. Auslöser war allem Anschein nach ein einfaches Foto, das durch das Netz wanderte. Das Foto von dem Firmensitz in Toronto. Die Adresse des besagten Firmensitzes findet sich auf der
Internetseite der Firma unter:

Sie lautet Toronto, Canada 557A Eglinton Ave West.

Nun ist wohl ein Anleger auf die Idee gekommen und hat diese Adresse bei Google Street View eingeben. Er fand folgendes Foto (ich hab es nachgeprüft, es stimmt):

Quelle: Google Street View.
 
Ich weiß nicht, ob sie es so gut wie im Original erkennen können, aber über einem thailändischen Imbiss hängt eine Fahne mit „AP“ und darüber befindet sich ein Banner auf dem der Name AsiaPac zu erkennen ist, wobei hier noch Cargo dahinter steht. Hintergrund ist, dass Firmeninhaber Samuel Lee eigentlich Spediteur ist (Umsatz nach eigenen Angaben ca. 300.000 Euro). Mit der 100 prozentigen Tochtergesellschaft  von AsiaPacCapital,  AsiaPac Minearal, wollte er nun als Bergbauunternehmen auf den Philippinen Grundstücke erwerben. Um die Schürflizenzen und die Grundstücke zu erwerben, müssen aber zunächst mehrere Millionen Euro aufgebracht werden. Und da bot es sich doch an, das Geld an den Börsen zu beschaffen.

Die Beteuerungen helfen nicht - seltsam

Doch dieses Foto veränderte die Situation. Da half auch ein offener Brief an die Aktionäre nichts mehr, in dem auf die Vermutung seitens des Unternehmens hingewiesen wird, dass der Aktienrückgang wahrscheinlich manipuliert sei. Auch der Hinweis, dass sich das Hauptbüro mit 300 Mitarbeitern in Manila befände, konnte die Anleger nicht mehr überzeugen.

Eine angeblich weit über 20 Mio. Euro schwere Firma in so einer runtergekommenen Bude über einem Imbiss, da verlor der letzte Anleger den Glauben. Kein Wunder also, dass der Kurs von 3 Euro auf 10 Cent in sich zusammenbrach. Denn zu groß ist die Gefahr, dass es sich auch bei dieser Firma um eine weitere Luftnummer im Bereich Minen und Bergbau handelt.

Was wäre aus dem Neuen Markt geworden?

Ich frage mich derweil, ob die Bilder diverser Firmen-„Zentralen“ vielleicht einige Anleger auch im Hype des Neuen Marktes zur Vernunft gebracht hätten. Aber Gier frisst Hirn, wie es so schön heißt.
 
Andererseits, und auch das muss gesagt werden, Microsoft wurde angeblich in einer Garage gegründet – ob also tatsächlich der Firmensitz etwas über die Zukunft eines Unternehmens aussagt? (Dieser letzte Absatz soll auf keinen Fall als versteckter oder offener Hinweis gewertet werden, die oben genannte AsiaPac zu kaufen!)

Und damit noch kurz zum DAX:

 

Dem DAX ist der Ausbruch aus der grünen Widerstandszone (die nicht ganz eindeutig festzulegen ist) zunächst nicht gelungen. Es ist nun mindestens mit einem Retest der mittleren roten Aufwärtstrendlinie zu rechnen. Möglicherweise kommt es sogar zu einem Rücksetzer an die 6.055er Marke, also dem Niveau der letzten Hochs.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Das Verbrauchervertrauen des Conference Board ist im März von zuvor 46,4 Punkte auf nunmehr 52,5 Punkte angestiegen. Analysten waren lediglich von einem Anstieg auf 51,0 Punkte ausgegangen. 
 

Auffällig ist, dass nun auch endlich die Einschätzung der aktuellen Situation von zuvor 21,7 auf jetzt 26 Punkte angezogen ist. Ein positives Zeichen, ohne Frage. Trotzdem ist die Situation noch weit von der Normalität entfernt.

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