Der DAX in Gold
von Jochen Steffens
Da der DAX immer noch an der 6.000-Punkte-Marke festhängt, bleibt Zeit für andere interessante Themen:
Ich hatte im vergangenen Oktober bereits den Dow Jones statt in Dollar in Gold dargestellt. Einfach um aufzuzeigen, wie sich der Dow Jones ohne den Dollarverfall entwickelt haben könnte. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich bereits nach so kurzer Zeit das Gleiche für den DAX tun würde. Doch aufgrund des Euro-Verfalls in den letzten Monaten liegt es nahe, einen mehr oder weniger objektiven Vergleichswert zu finden, und hier bietet sich Gold einfach an.
Zunächst ein kurzer Blick auf den DAX in Gold in der längerfristigen Entwicklung:
In blau ist die Entwicklung unseres alten DAX seit Januar 1998 dargestellt. Die schwarze Kurve zeigt die Entwicklung, wenn man den DAX in Gold umrechnet.
Der schwächere DAX
Zwei wichtige Punkte fallen auf: In Gold hat der DAX seine alten Hochs vom Jahr 2000 nicht wieder erreicht. Die Aufwärtsrally bis 2007 sieht wesentlich schwächer aus, als die des realen DAX.
Das macht sogar Sinn. Die niedrigen Zinsen und die enorme Geldmengenausweitung in den Jahren 2001-2005 führten auch im Euro zu einer Abwertung. Wenn aber aufgrund weltweiter Niedrigzinspolitik nahezu alle (nicht rohstoffgesicherten) Währungen gleichzeitig abwerten, wird man diese Effekte anhand der Wechselkurse nicht erkennen. Dazu muss man tatsächlich auf Rohstoffe oder eben Gold zurückgreifen.
Neue große Tiefs wurden ausgebildet
Der zweite interessante Punkt ist, dass beim DAX in Gold das Tief im Crash 2008/2009 sogar unter dem Tief des Jahres 2003 lag. Der reguläre DAX hingegen hat deutlich über den Tiefs aus dem Jahr 2003 gedreht. Angesichts der historischen Finanzmarktkrise erscheint der Chart des DAX in Gold fast ein wenig realistischer.
Die kurzfristige Situation
Doch das war der langfristige Blick, schauen wir uns jetzt die Charts im kurzfristigen Vergleich an:
Hier sehen wir den Aufwärtstrend des DAX seit dem Finanzmarkt-Crash in Gold (schwarz) und in Euro (blau). Natürlich war zu erwarten, dass mit der Abwertung des Euros Ende vergangenen Jahres die beiden Charts deutlich auseinanderlaufen. Während der reguläre DAX scheinbar immer neue Hochs ausbildet, kam es im Gold-DAX zu einem klar erkennbaren Abwärtstrend. Auch hier haben wir keine neuen Hochs gesehen – bisher. Und auch hier scheint mir der Kursverlauf angesichts der Probleme vieler Mitgliedsstaaten in der EU wesentlich realistischer.
Was ist der Schluss aus dem Vergleich
So schön das alles aussieht und so sehr dieser Vergleich das Bedürfnis des normalen Anlegers befriedigt, dass die Kurse das wiedergeben, was die Märkte belastet. Eine Frage bleibt: Welche Schlüsse können wir daraus ziehen? Und da wird es dann schon enger.
Gold war eine gute Anlage
Die erste Erkenntnis mag unbefriedigend sein, denn sie bezieht sich auf die Vergangenheit: Gold war in den letzten 10 Jahren eine gute Anlage, um sich gegen die weltweite Abwertung der Währungen durch die Geldmengenausweitung zu schützen.
Ein Merksatz für die weitere Zukunft
Aus jeder Erkenntnis über Entwicklungen der Vergangenheit erschließen sich auch Weisheiten oder Merksätze für die Zukunft: Immer wenn die Notenbanken die Zinsen massiv senken, empfiehlt es sich, vermehrt Rohstoffe zu kaufen - unter anderem natürlich auch Gold.
Eine interessante Betrachtung
Eine letzte, leichte, aber interessante Änderung des Blickwinkels entsteht, wenn man sich mit diesem Thema vertiefend beschäftigt:
Man hört in den letzten Tagen wieder häufiger, dass die EZB aufgrund der Probleme in den Mitgliedsstaaten der EU die Zinsen eventuell sogar deutlich länger auf diesem extrem niedrigen Niveau belassen wird als die USA.
Und aus diesem Blickwinkel macht die aktuelle Abwertung des Euros Sinn: Schließlich verliert von der Tendenz her immer die Währung gegenüber einer anderen an Wert, welche die niedrigeren Zinsen hat. Die aktuelle Abwertung hat also nur indirekt mit den Problemen der EU-Mitgliedstaaten zu tun. Indirekt insofern, als dass diese Probleme der PIIGS die EZB wie gesagt zwingen, die Niedrigzinspolitik viel länger beizubehalten, als sie eigentlich möchte. Und damit wird es immer wahrscheinlicher, dass die Zinsen im Euro-Raum bald niedriger sind, als die Leitzinsen der USA (wenn die FED die Zinsen anheben sollte).
Somit wäre wieder die Zinsdifferenz der „eigentliche“ Grund für die Schwäche des Euros zum Dollar (und zu anderen Währungen). Und dann passt alles wieder ins gewohnte Bild der Devisenmärkte…
Ein letztes Wort noch an den DAX:
Los, entscheide dich endlich….
Viele Grüße
Jochen Steffens
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