DAX zwischen Aufwaerts- und Seitwaertstrend

 
  
DAX zwischen Aufwärts- und Seitwärtstrend
von Jochen Steffens
 
Aus meiner Erkältung, von der ich im letzten  Steffens Daily geschrieben habe, ist dann ein handfester grippaler Infekt geworden, der sich überraschend hartnäckig zeigte. Allerdings ist das auch ein ungewöhnlicher Winter dieses Jahr. Ich habe, seit ich in Köln lebe, hier noch nie so viel Schnee gesehen. An solche Winter muss sich der gemeine Rheinländer wohl erst noch gewöhnen. Doch nun bin ich wieder gesund und es geht mit neuer Energie weiter. Vielen Dank übrigens für die Genesungswünsche und als Antwort auf eine besonders besorgte Mailanfrage: Nein, ich lebe noch...
 
Ein flacher Aufwärtstrend
 
Beginnen wir diese Woche mit einer Einordnung der charttechnischen Situation. Der DAX ist in eine Konsolidierungsphase übergegangen und hat damit die Warnzeichen bestätigt. Noch befindet er sich allerdings in einem flachen Aufwärtstrend, der seit August anhält. Dieser Trend ist auch der Grund dafür, dass die Abwärtsdynamik auf dem aktuellen Niveau derart nachgelassen hat:
 
 
Sie sehen, der DAX ist an der unteren Grenze des blauen Aufwärtstrendkanals angelangt und ist dort erst einmal an der unteren Trendline abgeprallt. Im Prinzip entscheidet sich an dieser Linie, ob der bereits sehr flache Aufwärtstrend fortgesetzt wird, oder der Markt nun endgültig in eine größere Seitwärtsbewegung übergeht. Eine mögliche Seitwärtsbewegung ist hier grün eingezeichnet. Die Entscheidung wird wahrscheinlich heute im Anschluss an die Veröffentlichung des ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes fallen. Sollte der blaue Aufwärtstrend verlassen werden, wäre dies ein herber Rückschlag für die Bullen. Es wäre der letzte Beweis dafür, dass die Trenddynamik ein Ende findet, und sich die hier in den letzten Wochen vorgestellten belastenden Faktoren durchsetzen.
 
Zinserhöhungszyklus
 
Einer der Hauptgründe für eine solche Seitwärtsbewegung ist, dass die Märkte so langsam einen Zinserhöhungszyklus einpreisen. Zwar hat die Fed die Zinsen auch bei der Sitzung in der letzten Woche auf dem Rekordtief von 0,00-0,25 % belassen, aber die Entscheidung fiel bereits nicht mehr einstimmig. Der Präsident der Federal Reserve Bank von Kansas City, Thomas Hoenig, votierte gegen den Beschluss. Nach seiner Ansicht habe sich die wirtschaftliche und finanzielle Situation in den USA so positiv verändert, dass dieses außergewöhnlich niedrige Zinsniveau nicht mehr auf lange Sicht gerechtfertigt sei.
 
Es scheint ein wenig so, als würde die Fed die Märkte sehr, sehr vorsichtig und schonend auf Zinserhöhungen im Sommer / Herbst vorbereiten. Vielleicht testet sie auch nur, wie der Markt reagiert.
 
ISM-Index
 
Der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes ist heute von zuvor 54,9 auf nunmehr 58,4 Punkte gestiegen. Das ist der höchste Wert seit August 2004. Auch dieser Wert ist ein Beleg für die überaus positive Stimmung in den USA. Wir befinden uns damit bereits wieder in einem derart „euphorischen“ Bereich, dass auch aus dieser Sicht eine nachhaltigere Fortführung der Rally erst einmal unwahrscheinlich ist.
 
 
Wie Sie im Vergleich des ISM-Index (blau) mit dem S&P500 (schwarz) sehen können, kommt es gerne, wenn der ISM-Index in den Bereich der 60-Punkte-Marke gelangt, zu Topbildungen oder längeren Konsolidierungen (siehe rote Kästen). (Hinweis: Selbst bei den kleinen Kästchen handelt es sich um mehrere Monate Konsolidierung.)
 
Timing-Problem
 
Leider ist der ISM-Index für ein genaues Timing nicht geeignet. Es wäre zum Beispiel vorstellbar, dass der Index aufgrund der extremen Situation (US-Leitzinsen bei 0,00 – 0,25 %) durchaus auch ein Rekordhoch ausbildet. In diesem Fall könnten auch die Börsen noch weiter steigen, bevor eine Konsolidierung einsetzt. Doch generell befinden wir uns schon in kritischen Bereich.
 
So wird es spannend, wie die amerikanischen Indizes nach der ersten Begeisterung im Zusammenhang mit dem über den Erwartungen positiven ISM-Index reagieren. Denn ein weiterer Punkt ist, dass dieser extreme Wert natürlich ebenfalls die Zinserhöhungssorgen anfeuern wird.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

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