Ein Diamant zu Weihnachten?

 
 
Ein Diamant zu Weihnachten?
von Jochen Steffens
 
Ein Auszug aus dem Statement der Fed:
„Die Informationen, die seit dem letzten FOMC-Treffen im November eingegangen sind, legen nahe, dass sich die wirtschaftliche Aktivität weiter belebt und dass  sich die Talfahrt auf dem Arbeitsmarkt weiter verlangsamt.. Auf dem Immobilienmarkt sind in den letzten Monaten erste Zeichen der Verbesserung zu erkennen. Die Ausgaben der Haushalte scheinen moderat zu wachsen, auch wenn sie durch einen schwachen Arbeitsmarkt, ein moderates Einkommenswachstum, geringeres Immobilienvermögen und verschärfte Kreditbedingungen belastet sind. Die Unternehmen verringern zwar immer noch Investitionen, dies aber auf einem niedrigeren Niveau, bleiben jedoch immer noch abgeneigt, Stellen zu schaffen. Die Fortschritte bei der Anpassung von Lagerbeständen und Umsätzen gehen indes weiter. Die Bedingungen an den Finanzmärkten beginnen das wirtschaftliche Wachstum zu unterstützen. Obwohl die wirtschaftliche Aktivität wahrscheinlich noch eine Zeitlang schwach bleiben wird, geht das Komitee davon aus, dass die politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte und -institutionen, der fiskalische und monetäre Stimulus sowie die Marktkräfte dazu beitragen, eine Stärkung des ökonomischen Wachstums, sowie eine schrittweises Rückkehr zu höheren Niveaus der Kapazitätsauslastung in einem Umfeld der Preisstabilität fördern.
 
Der erhebliche Nachfragerückgang sollte weiterhin den Kostendruck dämpfen, und die langfristigen Inflationserwartungen stabilisieren, das Komitee erwartet daher, dass die Inflation für einige Zeit schwach bleiben wird.“
 
Interpretationen und Spekulationen um das Fed-Statement
 
Deutlich ist zu erkennen, wie die Fed beginnt, die verbesserten Rahmenbedingungen vorsichtig in das Statement zu integrieren. Die Verbesserungen auf dem Immobilienmarkt, die Verlangsamung des Arbeitsplatzabbaus, aber auch die positive Auswirkung der widererstarkten Finanzmärkte auf die US-Wirtschaft fließen ein. Und trotzdem, wie erwartet, kein einziger Hinweis auf eine baldige Zinserhöhung. Das führt dazu, dass einige Analysten sogar davon ausgehen, die Fed werde die Zinsen erste Ende des nächsten Jahres anheben.
 
Eine andere Interpretation
 
Man kann die zunehmenden Hinweise auf eine verbesserte Situation der US-Wirtschaft allerdings auch als einen langsamen Schritt in Richtung Zinserhöhungen interpretieren. Ein „gesundes“ Wirtschaftswachstum ist schließlich eine der Voraussetzungen für Zinserhöhungen.
 
Hinzu kommt, dass die Erzeugerpreise steigen. Wenn sich dieser Trend fortsetzen sollte, wird das dazu führen, dass etwas zeitversetzt auch die Verbraucherpreise anziehen. Spätestens dann sollte die Fed reagieren. Natürlich hat sie in diesem Statement zum Thema Inflation nichts an dem bisherigen Wortlaut verändert. Wie ich gestern bereits geschrieben habe, wird sie zum Jahresende bei dünnen Umsätzen keine Verunsicherungen in den Markt bringen wollen. Sollten aber weitere Inflationsindikationen anspringen, bin ich fast sicher, dass wir bei der nächsten Fed-Leitzinssitzung auch zum Thema Inflation erste vorsichtige Veränderungen sehen werden.
 
Inwieweit die aktuelle Marktschwäche bereits mit solchen Gedanken zu tun hat, kann ich kaum beurteilen. Zumal noch der dreifache Verfallstag, der am Freitag stattfindet, seinen Einfluss ausübt. Aber auch schlechtere Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA führten zu weiteren Kursrückgängen. Zu den Einzelheiten der neuesten Daten zur US-Wirtschaft später mehr unter „US-Konjunkturdaten“.
 
Ein Diamant zu Weihnachten?
 
Ich habe in den letzten Tagen bereits mehrere Mails zu der Frage erhalten, ob sich in den US-Indizes zurzeit ein „Diamant“ ausbildet. Ein Diamant ist eine Topformation, die in aktiven Märkten auftreten. Er ist in der ersten Phase ein Hinweis auf eine Verunsicherung. Es bildet sich ein nach rechts offenes Dreieck, eine „Broadening Formation“, die immer ein Hinweis auf Unsicherheit ist. In der zweiten Phase ist sie ein Hinweis auf eine Erschöpfung der Bullen aber auch einer Art Kapitulation des Marktes, was sich an sinkenden Umsätzen erkennen lässt. In dieser Phase bildet sich ein normales Dreieck unter sinkenden Umsätzen. Es kommt dann letzten Endes darauf an, welche der Linien des rechten Teils nachhaltig gebrochen wird. Wenn die Kurse nach oben aus dem Diamanten herausgehen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Bullen wieder zuversichtlicher werden. Bricht die untere Dreieckslinie, haben die Bären gewonnen.
 
Diamanten bilden sich am Ende primärer Aufwärtstrends. Sie können aber auch nach einem stärkeren Anstieg eine längere Konsolidierungsphase einleiten.
 
 
Wie Sie hier im Chart sehen, ergibt sich aus diesen Dreiecken eine Formation, die entfernt an einen Diamanten erinnert, daher der Name.
 
Doch wie immer kommt es nicht nur auf das Aussehen an, sondern auch auf die Umsatzentwicklung. Eigentlich sollte zum Diamant hin ein deutlicher Umsatzanstieg erkennbar sein. Es gab zwar einen kleinen Umsatzanstieg, aber dieser endete bereits Ende Oktober. Auch ist der Gesamtumsatz nicht mit dem Umsatz von März bis Mai zu vergleichen. Man kann hier also nicht vom Ende einer „Übertreibungsphase“ reden. Das ist ein erster Kritikpunkt.
 
Noch ist er nicht fertig, der Diamant
 
Hinzu kommt, dass sich dieser „Diamant“ bisher noch nicht regelgerecht ausgebildet hat. Es fehlt noch die absolut notwendige zweite Hälfte. Es muss also nun zu mehreren Fluktuationen kommen, die sich immer mehr verengen und so ein klares, nach links offenes Dreieck erkennbar werden lassen. Wie Sie als Leser des Steffens Daily sicherlich wissen, haben Formationen, die noch nicht vollendet sind, wenig Einfluss. Man kann trefflich spekulieren, analysieren und debattieren, muss aber doch abwarten, ob sie sich überhaupt ausbilden.
 
Seltene Diamanten
 
Diamanten sind schon im echten Leben selten und deswegen so teuer. Aber auch in der Charttechnik ist ein Diamant eine extrem seltene Formation. Im Dow Jones kann sich diese Formation zwar noch ausbilden, aber selbst wenn das geschieht, bestehen aufgrund der Umsatzentwicklung zumindest Zweifel.
 
Daraus lässt sich im Umkehrschluss jedoch nicht schließen, dass es kein Top ist! Zurzeit sehen wir im Dow Jones bisher nichts weiter als eine ganz normale Konsolidierung. Was daraus in den nächsten Tagen und Wochen wird, ein Diamant oder ein einfaches Rechteck oder eine SKS oder anderes, ist aus charttechnischer Sicht jetzt noch nicht zu erkennen.
Trotzdem sollte man natürlich die Augen offen halten. Die Märkte reagieren immer sensibler auf das Thema Zinserhöhungen, die Stimmung in den USA ist ziemlich bullish. Die Gefahren auf der Long-Seite wachsen demnach. Ich bin jedoch viel gespannter, wie sich die ersten Wochen im neuen Jahr entwickeln. Denn das kann ein Hinweis darauf sein, wie sich die institutionellen Anleger für 2010 positionieren werden.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens 

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe sind um 7.000 auf 480.000 gestiegen. Analysten hatten hingegen mit einem Rückgang auf 465.000 gerechnet.
 
 
Das ist nun der zweite Anstieg in Folge. Es wird also spannend, wie weit doch das Weihnachtsgeschäft den Arbeitsmarkt positiv beeinflusst hat. Der Markt reagierte jedenfalls deutlich enttäuscht.
 
Der Index der Frühindikatoren stieg im November um 0,9 %. Das ist nun der achte Anstieg in Folge. Analysten hatten mit einer Zunahme um lediglich 0,7% gerechnet. Dieser Anstieg ist ein Hinweis darauf, dass sich das US-Wirtschaftswachstum 2010 weiter verbessern wird.
 
Der Philly-Fed-Index ist im Dezember auf plus 20,4 Punkten gestiegen, nach einem Plus von 16,7 Punkten zuvor. Analysten hatten hingegen einen Indexrückgang auf plus 16,4 erwartet. Der Philly-Fed-Index weist damit weiterhin auf einen Expansion des verarbeitenden Gewerbes in der Region Philadelphia hin.
 
 
Wir sehen hier eine ähnliche Entwicklung wie in 2003-2004. Hier ist also durchaus noch Spielraum nach oben. Inwieweit der Philly-Fed als Hinweis auf die Entwicklung des ISM-Index gesehen werden kann, ist dabei allerdings fraglich.

Sharewise Sentiment
von Jochen Steffens
 
 
Die Bullenquote ist nach 64 % (revidert) auf nun 57 % gesunken. Der Anstieg bis gestern wurde also mit einer gewissen Skepsis bebleitet. Das ist zumindest für einen Jahresschluss günstig. Insgesamt weist die bullishe Stimmung (besonders aber die in den USA) darauf hin, dass die Luft dünner wird.
 

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