Reagiert der Aktienmarkt auf Arbeitsmarktdaten?

  
 
Reagiert der Aktienmarkt auf Arbeitsmarktdaten?
von Jochen Steffens
 
Am Freitag überraschten die Arbeitsmarktdaten positiv. Es wurden lediglich 11.000 Stellen abgebaut, während Analysten mit einem Abbau von 125.000 Stellen gerechnet hatten. Somit stellt sich die Frage, welche Auswirkungen dieser positive Arbeitsmarktbericht auf den weiteren Kursverlauf haben kann. Dazu lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit.
 
Die entscheidende Frage dabei lautet: Gibt es typische Reaktionen der Aktienmärkte, wenn nach einer längeren Phase des Stellenabbaus wieder neue Stellen geschaffen werden? 
 
 
Die senkrechten roten Linien kennzeichnen nach einer längeren Phase des Stellenabbaus (grau) den Übergang zum Stellenwachstum. Mit roten Rechtecken sind fallende Kursbewegungen in den darauf folgenden Monaten gekennzeichnet, mit grünen Rechtecken steigende Kurse (der Dow Jones ist als Monatschart dargestellt).
 
Ich hoffe, Sie können es erkennen, aber es tauchten in den letzten 50-60 Jahren nur zwei kleine Phasen auf, in denen es nach einem Wechsel vom Stellenabbau zum Stellenwachstum zu fallenden Kursen gekommen ist. In den anderen Fällen steigen die Kurse nach einem solchen Wechsel erst einmal mehrere Monate deutlich an.
 
Geht man rein nach der Wahrscheinlichkeit, spricht demnach vieles für weiter steigende Kurse, sobald der Stellenabbau in den USA beendet ist.
 
Ein nicht unbeachtlicher Schatten
 
Wie ich hier schon öfters dargestellt habe, ist die Zeit zwischen 1965 und 1982 mit der aktuellen Phase seit 1996 vergleichbar. Somit ist es etwas bedenklich, dass ausgerechnet 1975 die Kurse nach dem Wechsel am Arbeitsmarkt nicht stiegen, sondern erst einmal fünf bis sechs Monate konsolidierten. Zu sehr erinnert der 1974er Crash und die anschließende Erholung an die aktuelle Entwicklung. In beiden Fällen hatte es wenige Jahre zuvor schon einmal einen Crash gegeben: 1968 bist 1970 und 2000-2003. In beiden Fällen waren danach die Hochs wieder zurückerobert worden. Und in beiden Fällen führte der zweite Crash die Kurse trotzdem wieder auf ein Niveau zurück, das noch unter dem der ersten Crashs gelegen hat (vergleiche Chart oben).
 
 
Sowohl 1974/75 als auch 2008/2009 kam es zu einem massiven Stellenabbau (graue Kurve), der von dynamisch fallenden Aktienkursen begleitet war. Von den jeweiligen Tiefs kam es 1975 und 2009 im Dow Jones zu einer beachtlichen und höchst dynamischen V-Erholung. Die Frage, die sich dem geneigten Beobachter somit stellt ist, ob der Markt aufgrund dieser Ähnlichkeiten auch in der aktuellen Situation wie 1975 in eine Konsolidierung übergeht.
 
Ein Grund hierfür könnte sein, dass im Markt die Sorge wächst, die Fed werde die Zinsen anheben. Mittlerweile liest man auch bei anderen Kommentatoren, dass Zinssorgen den Markt belasten. Nach neun Monaten Rally ist zudem eine Konsolidierung mehr als überfällig.
 
Noch zu früh
 
Leider führt die Gesamtanalyse somit zu keinem befriedigenden Ergebnis. Das muss sie jedoch auch nicht. Denn noch ist es zu früh, schließlich sind die letzten Zahlen zwar überraschend positiv ausgefallen, aber es werden weiterhin Stellen abgebaut. Wie hier schon geschrieben, wird wohl auch das Weihnachtsgeschäft sein übriges zu diesen guten Arbeitsmarktdaten beigetragen haben.
 
Trotzdem bleibt diese Analyse interessant: Sollte es nämlich zu der überfälligen Konsolidierung wie 1975 kommen, bevor der Arbeitsmarkt dreht, könnte die Schaffung neuer Stellen in einigen Monaten der entscheidende Hinweis auf das Ende der Konsolidierung werden.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

Es tut sich was im Zocker-Depot
In der Zwischenzeit sind viele Optionsscheine wieder attraktiver bewertet. Endlich können wir wieder auf Strategien aus Zeiten vor dem Crash zurückkommen und nun auch wieder hochgehebelte Optionsscheine im Trading-Depot handeln.
Der heute neu vorgestellte Call hat sogar nur noch eine implizite Volatilität von knapp über 15 %! Hierdurch hat der Optionsschein ein sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Das heißt: Das Totalverlustrisiko besteht natürlich weiterhin, aber durch die geringe implizite Volatilität ist der Schein sehr günstig. Hoher Hebel zu niedrigem Preis! Und geht die Rally weiter, "rockt" der Schein.

GM: Die Zeit der „Spielchen“ ist vorbei
von Torsten Ewert
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
neben der Dubai-Krise wurden die Wirtschaftsschlagzeilen der vergangenen Woche von der Automobilindustrie bestimmt: Daimler will die C-Klasse nach Amerika verlagern, Peugeot/Citroën planen eine Kooperation mit Mitsubishi und Chinas Newcomer Geely möchte Volvo von Ford kaufen.
 
Paukenschlag bei General Motors
 
Der größte Paukenschlag war aber sicherlich am Dienstag der Rücktritt von GM-Chef Henderson, der nach nur acht Monaten aus dem Amt gedrängt wurde. In einem zweiten Rundumschlag wirbelte Verwaltungsratschef Whitacre am Freitag auch den Rest des Vorstands durcheinander, nachdem er zunächst selbst den Posten des Vorstandschefs übernommen hat.
 
Überraschend wurde dabei auch wieder die Automanager-Ikone Bob Lutz mit ins Boot geholt, nachdem dieser erst im Februar dieses Jahres vom Henderson-Vorgänger Rick Wagoner in den Ruhestand geschickt worden war.
 
Was bedeutet dieses Personal-Roulette nun für GM und damit auch für Opel? Offiziell heißt es zwar noch bei GM, dass Whitacre  nur übergangsweise auf dem Chefsessel sitze und man sich auf die Suche nach einem neuen Vorstandschef mache.
 
Der neue Besen
 
Daran sind aber inzwischen ernsthafte Zweifel angebracht. Nicht zuletzt Whitacre selbst hat noch vor einiger Zeit darüber lamentiert, dass gute externe Kandidaten durch die Vergütungsbeschränkungen der US-Regierung (die zu 60 % an GM beteiligt ist) schwer zu gewinnen sein werden.
 
Offenbar besteht auch Übereinstimmung im GM-Verwaltungsrat, dass ohnehin nur jemand, der nicht aus der Autoindustrie kommt, eine Chance hätte. Damit schielt man bei GM auf den erfolgreichen Turnaround bei Ford, den der Outsider Alan Mulally (früher Boeing) zustande gebracht hat.
 
Doch wenn das die Intention von Whitacre  ist, dann hat er in sich selbst schon den idealen Kandidaten gefunden: Als ehemaliger Chef des Telefongiganten AT & T hat er von Anfang an damit kokettiert, „keine Ahnung von Autos“ zu haben. Allerdings bestätigten GM-Insider inzwischen, dass sich Whitacre  in den fünf Monaten seiner Amtszeit bereits einen ungewöhnlich detaillierten Einblick in das GM-Reich verschafft hat. So hat er immer wieder unangekündigte Werksbesichtigungen unternommen und dabei Arbeiter und Angestellte aller Hierarchiestufen ins Kreuzverhör genommen.
 
Whitacre  ließ beim Rücktritt Hendersons verlauten, dass GM seine Restrukturierung schneller voranbringen müsse. Vermutlich sieht er sich selbst am geeignetsten dafür an und wird nun der sprichwörtliche eiserne Besen sein, der bei GM zu kehren beginnt.
 
Neue Herausforderungen für Opel
 
Dafür spricht auch seine öffentliche Einmischung in den Opel-Deal, vor allem aber die Vorstandsneuordnung vom Freitag. Denn ein neuer Vorstandschef, so er denn ernsthaft gesucht wird, würde mit Sicherheit neue Leute an seine Seite beordern. Kein erfahrener Manager ginge daher in so einer Situation das Risiko ein, durch unnötige Rochaden in der Führungsmannschaft Unternehmen, Mitarbeiter, Kunden und Öffentlichkeit zu verunsichern. Alle sind also gut beraten, wenn sie die „Übergangslösung“ Whitacre  bestenfalls als „Dauerprovisorium“ ansehen.
 
Das gilt insbesondere für Opel, die sich gemeinsam mit der Bundesregierung damit auf eine härtere Gangart einstellen können. Opel täte daher gut daran, neben der bisherigen Konfrontationshaltung gegenüber dem Mutterhaus einen Plan B zu erwägen. Denn mit Whitacre  an der Spitze ist ein Verkauf von Opel an Magna oder andere völlig illusorisch. Und ob eine Verweigerungshaltung gegen die ungeliebten Führungsfiguren bei GM strategisch weise wäre, ist zweifelhaft.
 
Denn abseits des Getöses um den neuen GM-Vorstand könnte ein Ereignis auf der anderen Seite der Welt zum Menetekel für Opel werden: Zeitgleich mit der Vorstandsumbildung in Detroit gab der GM-Verantwortliche für die internationalen Geschäfte, Nick Reilly (übrigens inzwischen in Personalunion auch Chef von Opel Europa), bekannt, dass GM und sein chinesischer Partner SAIC eine Zusammenarbeit mit dem Ziel beschlossen haben, für den indischen Markt kleine PKWs und Transporter zu entwickeln. Was zunächst wenig spektakulär klingt (schließlich konkurrieren GM/SAIC dabei zunächst gegen Tatas „Billigauto“ Nano), hat durchaus das Potenzial, GM auch weltweit voran zu bringen.
 
Der neue Opel-Konkurrent aus Asien?
 
Schließlich suchen die Amerikaner ja händeringend nach neuen Produkten, die kleiner, spritsparender und zukunftsweisend sind. Und gerade der asiatische Markt ist hierbei interessant, denn noch immer sehen Autostrategen dort einen gigantischen Markt. So lag zum Beispiel der Autoverkauf in China 2009 erstmals über dem bisher unangefochten führenden US-Markt!
 
Bisher sollte vor allem auch Opel aufgrund seiner Erfahrungen in den unteren Segmenten und mit modernen Antriebstechnologien dabei eine führende Rolle spielen. Nicht zuletzt deshalb hat GM Opel zunächst auch in Aussicht gestellt, mit dem Verbleib unter dem GM-Dach auch den US-Markt und eventuell auch den asiatischen Markt bedienen zu können.
 
Doch dies gilt nur, wenn Opel dabei auch innerhalb des Konzerns konkurrenzfähig ist. Daran gab es bisher keinen Zweifel, denn auch der größte Opel erscheint gegen die Spritschlucker anderer GM-Marken wie ein Heilsbringer für den US-Autobauer. Mit der Forcierung seines Asien-Engagements entsteht nun erstmals so etwas wie ein Konkurrent für die Rüsselsheimer im GM-Reich.
 
Whitacre  hat mit diesen überraschenden Schachzügen seine Stärken ausgespielt: die Machtposition des Weltkonzerns gegen die Bremser auf allen Seiten. Opel sollte nun seinerseits seine Stärken ausspielen: den vorhandenen Technologievorsprung gegen die Schwestermarken. Am besten klappt das wahrscheinlich, wenn die Europäer ihrerseits für eine Überraschung sorgen – indem sie den von Whitacre  gewünschten raschen Wandel des Konzerns nach besten Kräften anführen.
 
Das wird kein leichter Weg, aber die bisherigen Erfahrungen mit GM zeigen, dass die Alternativen noch schmerzhafter werden könnten.
 
 
Mit besten Grüßen
 
Torsten Ewert
 

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