Wird der Anstieg des Ifo-Index zu optimistisch gesehen?
von Jochen Steffens
Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt den siebten Monat in Folge. Interessante Headlines sind dazu zu lesen: „Bundesregierung startet mit konjunkturellem Rückenwind.“ (Reuters Deutschland), „Deutschland auf dem Weg aus der Krise“ (Focus Online). „Erholung der Wirtschaft setzt sich fort“ (Bundesregierung / Pressemitteilung). „Gute Stimmung in deutscher Wirtschaft“ (derStandard.at), „Geschäftsklima: Ifo-Index signalisiert Hoffnung auf Erholung“ (Financial Times Deutschland).
Hört sich doch alles durchweg positiv an. Doch es gibt auch nicht ganz so positive Stimmen: „Ifo: Bald nur noch auf einem Zylinder?“, fragt zum Beispiel BoerseGo.de. Begründet wird dieses Fragezeichen wie folgt: „Das Ifo-Geschäftsklima ist im Oktober etwas gestiegen (von 91,3 auf 91,9), hat aber im zweiten Monat in Folge nicht mehr positiv überrascht.“
Aktuelle Lage hinkt hinterher
Schaut man sich den Chart an, wird einiges klarer:
Ein wichtiger Punkt ist, dass hauptsächlich die Erwartungskomponente (hier grün) für den Anstieg verantwortlich ist. Die Einschätzung der aktuellen Lage (hier rot) hinkt weiterhin dem Index hinterher, konnte sich jedoch seit meiner letzten Analyse des Ifo-Index hier im Steffens Daily zumindest erholen. Trotzdem notiert diese Komponente noch nahe den historischen Tiefs.
Was sich entfernt, findet wieder zueinander
Es kommt zwar immer wieder vor, dass die jeweiligen Komponenten sich unterschiedlich entwickeln, doch sie finden schließlich immer wieder zueinander. Da die Erwartungshaltung mittlerweile schon wieder bis in die Bereiche alter Hochs angestiegen ist, müsste es nun so langsam auch bei der Einschätzung der aktuellen Lage zu einem stärkeren Anstieg kommen. Andernfalls wird die Erwartungskomponente zurückgehen, nämlich dann, wenn sich die aktuelle Lage doch nicht so entwickelt, wie zuvor erwartet.
Noch keine Hinweise für die weitere Entwicklung der Börse
Noch sind im Ifo-Index jedoch keine klaren Signale für die Börse zu erkennen. Sie wissen, ich nutze auch den Ifo-Index gerne als Kontraindikator. Nach unten kann man eigentlich immer kaufen, wenn der Index die 90er Marke unterschreitet. Nach oben gibt es ein anderes Signal. Bei Hochs wird es immer gefährlich, wenn die Einschätzung der aktuellen Lage über der Erwartung liegt. Allerdings kann es, wie man von 2006 bis 2008 sieht, selbst dann noch etwas dauern, bis der Crash kommt.
Was nicht nach oben will, will nach unten?
Oder: Was passiert, wenn Targets nicht getroffen werden.
Der DAX hat seine Chance, sich an der blauen Trendgeraden nach oben zu hangeln, eindeutig nicht genutzt. Man sieht, wie er noch versuchte, das Target zu erreichen und dann scheiterte. Wenn so etwas passiert, muss man analysieren, was das bedeuten könnte. Es ist zunächst einmal ein Zeichen der Schwäche. Zu dem gleichen Schluss würde auch die klassische Charttechnik kommen, da die obere Begrenzung des Trendkanals nicht erreicht wurde. Diese Schwäche hängt, wie bereits geschrieben, damit zusammen, dass sehr viele Indizes mit wichtigen Widerständen kämpfen. Und dieser Kampf zieht sich offenbar länger hin. Bevor man also hier charttechnische Signale überinterpretiert, sollte man abwarten, ob diese Widerstände nachhaltig überwunden werden oder nicht.
Noch zwei Szenarien
Für den DAX bleiben die bereits vor einigen Tagen beschrieben Szenarien übrig:
Entweder der DAX hangelt sich nun entlang der grünen Mittellinie weiter nach oben, oder er fällt zur unteren Begrenzung des Trendkanals. Dort besteht dann die große Gefahr eines Trendbruchs, da die obere Begrenzung zuvor nicht erreicht werden konnte.
Seit einigen Tagen laufen die Indizes dabei seitwärts. Auch das kennen wir, siehe gelbe Rechtecke. Allerdings verläuft dieses Mal die Seitwärtsbewegung in einer Art Rounding. Solche Roundings bilden sich gerne bei Tops. Auch das also ein Gefahrensignal. Generell sind bei diesen engen Seitwärtsbeweungen solche Prognosen allerdings unzuverlässig.
Gute Zahlen werden verkauft
Was mich beunruhigt ist etwas ganz anderes: Gestern und heute haben viele Zahlen von US-Unternehmen über den Erwartungen gelegen haben, so zum Beispiel Microsoft, Amazon, Honeywell. Auch die Verkäufe bestehender Häuser überraschten positiv. Trotzdem sackten die US-Indizes ins Minus.
Wenn der Markt positive Nachrichten abverkauft, muss man IMMER hellhörig werden! Zwar wird dieser Kursrückgang damit begründet, dass die Unternehmen zuvor auch ihre eigenen Prognosen sehr tief angesetzt haben, aber das weiß man eigentlich auch schon länger.
Ein anderer Effekt macht mehr Sinn: Es gibt eine alte Börsenweisheit: Buy the rumors, sell the facts. (Kaufe die Gerüchte, verkaufe die Fakten). Wenn der Markt auf bessere Unternehmensnachrichten gesetzt hat, so sind sie nun Fakt geworden und Verkäufe könnten einsetzen. Für den Markt bedeutet das, er muss nun neue Themen finden, auf die er spekulieren kann. Es bleibt das Thema Liquidität und eine von manchen Analysten erwartete stärkere Erholung der US-Wirtschaft 2010.
Noch ist es also etwas früh, skeptisch zu werden. Noch sind die Aufwärtstrends in Ordnung. Aber es sollte zumindest ein kleines Warnglöckchen klingeln, wenn gute Nachrichten verkauft werden.
Viele Grüße
Jochen Steffens
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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser stieg um saisonbereinigt 9,4% auf einen Jahreswert von 5,57 Mio. Das ist der höchste Wert seit Juli 2007. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg von 5,5% auf 5,38 Mio. gerechnet, nach einem Minus von 2,9 % zuvor.
Allerdings ist dieser Wert von einer staatlichen Subvention für Erstkäufer gestützt worden. Diese Steuergutschrift über 8.000 Dollar für erstmalige Hauskäufer wird im nächsten Monat jedoch auslaufen.