Die Angst vor guten Konjunkturdaten?

 
 
Die Angst vor guten Konjunkturdaten?
von Jochen Steffens
 
Morgen, am Freitag, den 27.09.08 wird kein Steffens Daily erscheinen, da ich zu einer Hochzeit eingeladen bin. Den nächsten Steffens-Daily erhalten Sie am Montag den 31.08.09.
 
Jetzt wird es an den Märkten interessant. Doch zunächst zum S&P500: Gestern bildete sich nun schon die dritte Tageskerze in Folge, die als Umkehrkerze gewertet werden kann:
 
 
Das geht nun schon in die Richtung einer extrem seltenen Formation, der bearischen Tri-Stars (negative drei Sterne). Diese hat eine sehr hohe Prognosequalität als Umkehrformation, wenn sie regelgerecht gebildet wird. Allerdings hätte sich dazu ein Gap von der ersten zur mittleren Kerze hin ausbilden müssen, dem ein Gap von der mittleren Kerze zur letzten Kerze folgt. Mit anderen Worten, die mittlere der drei Kerzen müsste eine Art Island Reversal ausbilden, also deutlich höher als die anderen notieren. Das sähe dann wie folgt aus:
 
 
Aber auch so bilden die Kerzen im S&P500 (und im Dow Jones) ein klares Warnzeichen, insbesondere wenn sie an so einem wichtigen Kreuzwiderstand entstehen (siehe Steffens Daily von gestern). Dafür müsste allerdings,  um den bearishen Charakter zu bestätigen, die 1.020er Marke nach unten nachhaltig gebrochen werden.  Erst wenn eine lange rote Kerze folgt, wird eine Trendumkehr wahrscheinlicher.
 
Gute US-Konjunkturdaten werden abverkauft?
 
Wesentlich interessanter ist jedoch, dass die vielen guten Konjunkturdaten in den letzten Tagen eben nicht zu einer weiteren, dynamischen Rallye geführt haben. Stattdessen zeigen sich die Amis gerade gegen Ende der Handelszeit eher schwach. Auch das ist immer ein Warnzeichen.
 
Bloß nicht ins Trudeln geraten
 
Es gibt einen möglichen Grund, der diese scheinbar unlogische Reaktion der Märkte erklärt. Sollte sich die US-Wirtschaft tatsächlich deutlicher erholen, steigt sofort die Gefahr, dass die Fed die Zinsen anhebt, um ein Übersteuern der Liquidität zu verhindern. Das wäre zumindest ein vernünftiges Vorgehen. Andernfalls würde sofort wieder eine neue Blase geschaffen, deren Zusammenbruch wahrscheinlich noch dramatischere Folgen für die Weltwirtschaft hätte.
 
Man kann sich das wie ein Auto vorstellen, dass ins Schleudern geraten ist. Man lenkt hektisch gegen, es schleudert in die andere Richtung, wieder wird gegengelenkt und es schleudert zurück. Sehr schnell geht die Kontrolle verloren.
 
Der Crack-Up-Boom
 
Die Fed muss also schon sehr früh und vor allem dieses Mal maßvoll gegensteuern, um eine Katastrophe zu verhindern. Würde sie das nicht tun, wäre die Folge wahrscheinlich tatsächlich ein „Crack-Up-Boom“, den zum Beispiel mein Kollege Ralf Flierl u.a. befürchten.
Der Begriff Crack-Up-Boom wird u.a. auch mit „Katastrophenhausse“ übersetzt. Dieses Szenario wurde von Ludwig von Mises zum ersten Mal erwähnt. Wenn Finanz- und Realwirtschaft auseinanderdriften, und Notenbank und Politik alles tun, um eine Konjunkturschwäche durch Eingriffe in die Wirtschaft zu dämpfen,  kommt es zu einem Punkt, an dem die Inflation außer Kontrolle gerät. Die Bürger verlieren daraufhin das Vertrauen in die Papierwährung und investieren das Geld in Sachwerte. Es werden dabei alle Sachwerte gekauft, Rohstoffe, Gold, Silber, Schmuck, Immobilien, Autos, Elektrogeräte, Lebensmittel und natürlich auch Aktien, so dass dieser Kaufdruck die Preise, bzw. die Kurse, das heißt die Inflation, explodieren lässt. Die Folge eines solchen „Crack-Up-Booms“ ist somit unweigerlich eine Währungsreform.
 
Meines Erachtens wird die Fed alles tun, um dieses Szenario zu verhindern. Aber gut, wir werden sehen, wie die Fed reagiert. Meine Hand würde ich nicht dafür ins Feuer legen.
 
Die Angst vor dem Ende der Liquiditätshausse
 
Zurück zum Markt: Sollte die Rallye tatsächlich hauptsächlich liquiditätsgetrieben sein, wovon ich ausgehe, wären Zinserhöhungen natürlich das Schlimmste, was der Rallye passieren kann. Es kann also sein, dass erste Anleger bei guten Daten aus der Wirtschaft kalte Füße kriegen und verkaufen. Sie befürchten, dass die Fed andeutet, die Zinsen zu senken. Die Folge davon könnte ein stark einbrechender Markt sein.
 
Oh, normale Zeiten, wie vermisse ich euch
 
In normalen Zeiten, von denen wir ohne jede Frage weit entfernt sind, reagiert der Markt allerdings auf Zinserhöhungen nach einem Zinstief erst einmal  kaum bis positiv. Er wertet diese Zinserhöhungen als Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft stabilisiert. Und das wiederum belegt lediglich, dass man die Anleger mit ihrer bullishen Anlageentscheidung richtig gelegen haben. Warum also verkaufen? Erst wenn die Zinsen in Richtung 5 % laufen, wird es für den Markt kritisch.

Da wir jedoch auch aufgrund der extremen Arbeitslosenquote in den USA in Gefahr laufen, einen Double-Dip, also ein zweites Eintauchen in eine Rezession zu erleben, kann es sein, dass dieses Mal Zinserhöhungen lediglich als Hinweis auf ein Versiegen der Liquidität gewertet werden und eben nicht auf einen neuen nachhaltigen und vor allem gesunden Boom der US-Wirtschaft. Noch kritischer wird es, wenn die Zinserhöhungen erst in Folge von deutlich anziehenden Inflationsgefahren kommen. Dann nämlich könnten sie als „verzweifelter“ Versuch verstanden werden, eine Inflation zu bekämpfen.
 
Die Fed hat es nicht leicht zurzeit – keine Frage.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens 

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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist um 10.000 auf 570.000 zurückgegangen. Analysten hatten mit einem Rückgang um 11.000 gerechnet.  Der Wert für den gleitenden Vierwochendurchschnitt sank auf 566.250.
 
 
Die Erstanträge bleiben auf hohem Niveau. Das ist weiterhin kein gutes Zeichen. Wenn nun auch noch die Börsen fallen sollten, würde auch das Verbrauchervertrauen wieder einknicken. Unabhängig davon, was die Börsen machen, bin ich gespannt, wie die Konsumentwicklung im vierten Quartal ausfallen wird.
 
Der Rückgang des US-Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartals auf -1,0 % verlangsamt. Analysten hatten mit einem schlechteren Wert gerechnet.
 
 

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