Fed agiert hoechst vorsichtig

 
 
Fed agiert höchst vorsichtig
von Jochen Steffens
 
Viel hat die Fed nicht an ihrem Statement verändert. (Ich habe Ihnen das übersetzte Statement unten angehängt.) Zunächst bestätigt nun auch die Fed, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in den USA stabilisiert. Wichtiger ist jedoch die Aussage, dass die Fed den Ankauf von Anleihen im Umfang von 300 Mrd. Dollar bis Ende Oktober ausweiten will. Dann jedoch soll das Programm auslaufen. Auch eine Erhöhung scheint nicht geplant zu sein. Als Begründung für die Verlängerung wird angegeben, dass man das Zeitfenster bei unverändertem Volumen vergrößern, also die Käufe strecken und dabei allmählich verringern möchte. So soll ein für die Märkte möglichst störungsfreier Übergang gewährleistet werden, wenn das Programm schließlich ausläuft.
 
Erste Hinweise auf eine Änderung der Geldpolitik
 
Die Fed agiert vorsichtig. Sie zeigt damit, dass sie weiß, wie fragil die Situation auf den US-Märkten zurzeit noch ist.
Auf der anderen Seite, und das ist der für uns wichtige Aspekt, weist diese Aktion darauf hin, dass die Fed nun schon versucht, auf die positiven Veränderungen in der US-Wirtschaft zu reagieren. Sollten wir also weiter steigende Börsen sehen, müssen wir damit rechnen, dass die Fed zwar vorsichtig aber trotzdem beherzt weitere Maßnahmen zu Beschränkung der Liquidität vollziehen wird.
 
Wahrscheinlich wird sie dazu zunächst in den nächsten Statements den Ausblick für die US-Wirtschaft anheben, um dann in einem zweiten Schritt erste Zinsanhebungen vorzubereiten, die dann vielleicht schon Anfang 2010 beschlossen werden. Allerdings nur, wenn sich der wirtschaftliche Ausblick bis dahin weiter und deutlich verbessert. Und das ist alles andere als sicher.
 
Märkte kurz geschockt
 
Die Märkte gerieten heute nach der Veröffentlichung der US-Konjunkturdaten kurzfristig kräftig unter Druck. Auslöser dafür waren hauptsächlich deutlich schlechter als erwartete Einzelhandelsumsätze. Diese gingen wider Erwarten um 0,1 % zurück. Analysten hatten mit einem Anstieg von 0,8 % gerechnet, nach einem Plus von 0,8 % zuvor.
 
 
 
Gerade auch aufgrund der Abwrackprämie in den USA hatte man hier mehr erwartet. Doch der Anstieg bei den Autoverkäufen konnte den Rückgang in den anderen Bereichen nicht kompensieren. Ohne KFZ verringerte sich der Umsatz um 0,6 %! Hier war mit einem leichten Anstieg von 0,1 % gerechnet worden.
 
Natürlich sollte man einen einzelnen Ausrutscher nicht überbewerten. Aber es kann gut sein, dass sich bereits hier die Auswirkungen der hohen Arbeitslosigkeit in den USA zeigen. Also das, wovon ich hier seit Wochen schreibe. Der unerwartet starke Rückgang des Einzelhandelsumsatzes ist ein weiteres, ernst zunehmendes Warnzeichen in unserem Börsenpuzzle. Sollte sich bei den nächsten Zahlen diese Tendenz fortsetzen, wird es heikel.

US-Arbeitsmarktdaten trüben sich leicht ein
 
Und auch die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt scheint sich noch nicht wirklich zu entspannen. So stiegen auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wieder an. (Mehr dazu weiter unten, bei den US-Konjunkturdaten).
 
Der Markt scheint jedoch auch diese Zahlen zu ignorieren. Nach ersten Verlusten liefen die US-Indizes wieder ins Plus. Und auch das ist wieder so typisch. Die Liquidität und die Sorge, Performance zu verpassen, treiben die Investoren in die Aktien. Ich bin gespannt, wie weit der Markt das Thema Liquidität treiben wird...
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens


Das FOMC-Statement
 
„Die Informationen, die seit dem letzten FOMC-Treffen im Juni eingegangen sind, legen nahe, dass sich die wirtschaftliche Aktivität stabilisiert (zuvor: die Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Abschwungs abnimmt). Die Bedingungen auf den Finanzmärkten haben sich in den vergangenen Wochen weiter verbessert. Die Ausgaben der Haushalte zeigen weitere Anzeichen einer Stabilisierung, bleiben aber beschränkt durch anhaltende Arbeitsplatzverluste, ein schwaches Wachstum der Einkommen, geringere Immobilienvermögen und verschärfte Kreditbedingungen. Die Unternehmen verringern immer noch Investitionen und Beschäftigung, machen aber Fortschritte bei der Anpassung von Lagerbeständen und Umsätzen. Obwohl die wirtschaftliche Aktivität wahrscheinlich noch eine Zeitlang schwach bleiben wird, geht das Komitee weiterhin davon aus, dass die politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte und -institutionen, der fiskalische und monetäre Stimulus sowie die Marktkräfte zu einer allmählichen Wiederaufnahme eines nachhaltigen ökonomischen Wachstums in einem Umfeld der Preisstabilität beitragen werden.
 
„Die Preise von Energie- und anderen Rohstoffen sind in letzter Zeit angestiegen. Allerdings sollte der erhebliche Nachfragerückgang den Kostendruck dämpfen, und das Komitee erwartet daher, dass die Inflation für einige Zeit schwach bleiben wird.
 
Unter diesen Umständen wird die Federal Reserve Bank alle verfügbaren Instrumente einsetzten, um die wirtschaftliche Erholung zu fördern und die Preisstabilität aufrechtzuerhalten. Das Komitee wird die Zielbandbreite für die Leitzinsen bei 0 bis 0,25 % belassen und geht weiterhin davon aus, dass die ökonomischen Rahmenbedingungen wahrscheinlich das außergewöhnlich niedrige Niveau der Leitzinsen für einen längeren Zeitraum garantieren werden.
 
Wie bereits angekündigt, wird die Fed zur Unterstützung des Hypothekenkredit- und Wohnungsmarkt sowie zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der privaten Kreditmärkte hypothekenbesicherte Anleihen halbstaatlicher Agenturen im Wert von 1,25 Billionen Dollar sowie Schulden dieser Institutionen in Wert von 200 Milliarden Dollar bis zum Ende des Jahres aufkaufen. Darüberhinaus ist die die Fed dabei, langlaufende Staatsanleihen in einem Umfang von 300 Mrd. Dollar zu erwerben. Das Komitee wird weiterhin Zeitpunkt und Gesamtsumme seiner Käufe von Wertpapieren im Licht der sich entwickelnden ökonomischen Perspektiven und der Finanzmarktbedingungen bewerten. Die Fed wird die Größe und Zusammensetzung der ihrer Bilanz beobachten und Anpassungen an ihren Kredit- und Liquiditätsprogrammen wie vorgesehen vornehmen.“

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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist um 4.000 auf 558.000 gestiegen. Analysten hatten hingegen mit einem Rückgang um 5.000 gerechnet. Der Wert für den gleitenden Vierwochendurchschnitt sank auf 565.000.
 
 
 
Erneut ein leichter Anstieg. Zwar kann sich der US-Arbeitsmarkt wieder beruhigen. Doch tatsächlich müsste es schon zu einem Anstieg der Beschäftigung kommen, damit die Belastung für den US-Konsum nachlassen würde.
 
Die Lagerbestände in der US-Wirtschaft sind im Juni saisonbereinigt um 1,1% auf 1,35 Bill. USD zurückgegangen. Analysten hatten mit einem Rückgang um 0,8% gerechnet, nach einem Minus von 1,2% zuvor.
 

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