Eine unschoene Entwicklung

 
 
Eine unschöne Entwicklung
von Jochen Steffens
 
Im Prinzip kann man sagen, dass wir bald seit einem Monat mit der 5.000-Punkte-Marke kämpfen. Ich hatte Sie gewarnt, eine derart psychologisch wichtige Marke wird der Markt nicht einfach mal eben überwinden können. Wie schon gesagt, ich fürchte, dass wir uns mindestens bis zum Verfallstag am 19. Juni noch mit dieser Marke beschäftigen werden.
 
 
Der heutige Versuch die 5.000er Marke zu nehmen, scheiterte letzten Endes an der Veröffentlichung des Chicagoer Einkaufsmanagerindex.
 
Dieser ist im Mai entgegen den Erwartungen von 40,1 auf 34,9 Punkte regelrecht eingebrochen. Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg auf 42,0 Punkte gerechnet.
 
 
Ausbruch bestätigt sich nicht
 
Damit hat sich der Ausbruch, den wir im April gesehen haben, nicht bestätigt. Auch diese Zahl bestätigt nun das, was ich hier bereits seit einigen Wochen schreibe: Einige US-Konjunkturdaten (besonders die Daten vom US-Immobilienmarkt und die harten Industriedaten) verschlechtern sich bereits wieder. Ob und wann der Markt darauf reagiert, ist nicht zu sagen. Zudem bleiben der Unterindex "bezahlte Preise" (rote Linie) auf niedrigem Niveau, was ein Hinweis auf deflationären Tendenzen ist.
 
Der Markt wird diese schlechten Zahlen noch nicht in nachhaltigere Kursverluste umsetzen. Die Anleger werden erst einmal abwarten, wie die ISM-Indizes, die am Montag, den 01.06.09 (verarbeitendes Gewerbe) und am Mittwoch, den 02.06.09 (Dienstleistungsindex) veröffentlicht werden, ausfallen.
 
Wenig sinnvoller Indikator
 
Allgemein gilt der Chicagoer-Einkaufsmanagerindex als Hinweisgeber für den ISM-Index. Doch Glauben kann man immer viel. Bei stockstreet.de neigen wir hingegen dazu, solche Thesen nachzuprüfen. Wenn Sie sich die Entwicklung der beiden Indizes in den letzten Jahren ansehen, erkennen Sie schnell, dass die Aussagekraft gering ist:
 
 
 
Eindeutig zu erkennen ist, dass der Chicagoer Einkaufsmangerindex eine höhere Schwankungsfreudigkeit aufweist. Das ist logisch, da er im Vergleich zum ISM-Index lediglich ein regionaler Indikator ist. Aber eine Prognosequalität für den ISM-Index ist in den letzten 3 Jahren nicht wirklich zu erkennen.
 
Wichtigstes Ereignis der nächsten Woche: ISM-Index
 
Sollte sich in den ISM-Indizes eine ähnlich starke Eintrübung wie im Chicagoer Einkaufsmanagerindex zeigen, gehe ich von deutlicheren Kursverlusten in den US-Indizes aus, die wie gewohnt auch den DAX betreffen werden. Kurse bis runter auf 4.650 Punkte wären denkbar.

Allerdings vermute ich, dass beim ISM-Index der Abschlag noch nicht so deutlich ausfallen wird. Wie man im obigen Diagramm sehen kann, läuft er insgesamt etwas gemächlicher. Zudem ist es immer noch möglich, dass wir trotz des Einbruchs beim Chicagoer-Einkaufsmanager-Index, bei den ISM-Indizes einen Anstieg sehen.
 
Zuversichtliche Prognosen
 
Von einem solchen Anstieg gehen die Analysten aus. Sie rechnen damit, dass der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes im Mai wieder auf über 42 Punkte ansteigt. Allgemein sagt man, dass erst Werte über 50 Punkte eine wirtschaftliche Expansion anzeigen. Fakt ist aber, dass bereits dann, wenn der ISM-Index längere Zeit über 41,2 Punkten notiert, Wachstum möglich ist. So gesehen, ist die Veröffentlichung in der nächsten Woche natürlich tatsächlich von großem Interesse.

Steigt der ISM-Index über 41,2 Punkte, würde das den bisherigen Anstieg der US-Indizes aus Sicht der Analysten bestätigen. Es wäre ein erster Hinweis der Einkaufsmanagerindizes auf eine Stabilisierung der US-Wirtschaft. Eine deutliche Verbesserung im ISM-Index könnte somit zu weiteren Kursgewinnen in den Indizes führen. Der nächste wichtige Widertand im DAX liegt zunächst bei 5.200 Punkten, der eigentliche bei 5,350 Punkten. Es erwartet uns also eine spannende Woche.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens 
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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2009 mit einem Minus von 5,7% weniger geschrumpft als in der ersten Schätzung veröffentlicht. Analysten hatten allerdings mit einem Minus von nur 5,5 % gerechnet. Die erste Schätzung hatte ein Minus von 6,1% ergeben.
 
Das Verbraucherstimmungsindex der Universität Michigan ist im Mai nach den Ergebnissen der zweiten Umfrage auf 68,7 Punkte gestiegen. Die erste Befragung hatte ein Stand von 67,9 ergeben, nach 65,1 Punkten im April. Analysten hatten mit einer Bestätigung der ersten Veröffentlichung gerechnet.

Insgesamt etwas besser Daten, die allerdings vom Chicagoer Einkaufsmanagerindex überschattet wurden. Ich gehe davon aus, dass der Markt nun darauf tradet, dass sich der ISM-Index am Montag wie erwartet entwickelt, doch insgesamt uneinheitlich bleibt.

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