Seitwärts bis Mitte Juni?
Nachdem ich am Montag aus der erstaunlichsten Stadt des Universums, Paris, zurückgekehrt bin, fällt mir wieder auf, wie schnell man den Kontakt zu dem aktuellen Geschehen an den Börsen verliert. Fünf Tage ohne Nachrichten und nur mit Tagesschlusskursen der Indizes, reichen aus, um das Gefühl zu entwickeln, sich erst einmal wieder einarbeiten zu müssen. Bei der Aufarbeitung der Nachrichten sind mir folgende Faktoren besonders aufgefallen:
Philly-Fed mit nur noch marginalem Anstieg
Der Philly-Fed, der bereits am Donnerstag veröffentlicht wurde, ist von zuvor -24,4 Punkten auf -22,6 Punkte leicht angestiegen. Analysten hatten mit einem deutlich stärkeren Anstieg auf -18 Punkte gerechnet. Dieser marginale Anstieg passt zu den anderen US-Konjunkturdaten, die sich in den letzten Wochen wieder leicht eingetrübt hatten.
Zwei Möglichkeiten
Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
1. Die US-Konjunkturdaten verschlechtern sich erneut auf breiter Linie. In diesem Fall müssen wir wieder mit stärker fallenden Kursen rechnen.
2. Die US-Konjunkturdaten stabilisieren sich lediglich und notieren auf niedrigem Niveau seitwärts. In diesem Fall werden auch die Börsen insgesamt seitwärts laufen.
Die weitere Entwicklung der US-Konjunkturdaten ist damit auf der Liste der kursentscheidenden Faktoren wieder weit nach oben gerutscht.
Atomtest in Nordkorea verunsichert asiatische Börsen
Desweiteren war zu lesen, dass die Atomtests in Nordkorea zu einigen Turbulenzen besonders an den asiatischen Börsen geführt haben. Sollte sich hier eine weitere Eskalation abzeichnen, wäre das natürlich zumindest kurzfristig Gift für die weltweiten Börsen. Da aber im Moment noch nicht von einer Destabilisierung der Region auszugehen ist, wird der Einfluss dieser politischen Faktoren wie gewohnt nur einen sehr kurzen Einfluss haben.
GM-Pleite
Relevanter wären da schon die Ereignisse im Zusammenhang mit einer möglichen Insolvenz von GM. Die Entscheidung über eine Pleite des Automobilkonzerns steht kurz bevor. Beobachter gehen nicht davon aus, dass die Gläubiger von GM einwilligen, Verbindlichkeiten in Höhe von 27 Mrd. Dollar zu erlassen und dafür im Gegenzug 10 % der Aktien zu erhalten. Das wäre faktisch mit der Insolvenz gleichzusetzen. GM wird voraussichtlich am Mittwoch bekannt geben, wie viele Gläubiger auf das Angebot eingegangen sind. Allerdings hat der Markt diese Insolvenz bereits eingepreist, man sieht es an der positiven Kursentwicklung in den USA.
Ich bleibe jedoch dabei, dass die weiteren, längerfristigen Auswirkungen einer GM-Insolvenz auf die US-Wirtschaft vom Markt zurzeit unterschätzt werden. Aber das wird die Zukunft zeigen.
DAX scheitert zunächst an der 5.000er Marke
Im Zuge dieser Nachrichten konnte der DAX die 5.000-Punkte-Marke zunächst nicht überwinden.
Das Target bei der 5.350er Marke konnte damit nicht erreicht werden. Es war eindeutig (wie im Prinzip bereits vermutet) zu weit entfernt. Das bedeutet auf der anderen Seite: Der DAX hat nicht „geliefert“, wie wir zu sagen pflegen. Das ist ein Zeichen von Schwäche. Und eben diese Schwäche ist ein erster Hinweis darauf, dass der bisherige Aufwärtstrend ins Stocken kommt. Damit wird die von uns favorisierte Seitwärtsbewegung im Bereich der 5.000er Marke um eine Faktor wahrscheinlicher.
Eine solche Seitwärtsbewegung wird sich wahrscheinlich zwischen ca. 4.650 und 5.350 Punkten ausbilden (siehe Prognose vom 18.05.09). Im Prinzip ist nun das nächste Ziel die obere Begrenzung. Ob es zuvor noch zu einem Test der unteren Begrenzung kommt, ist nicht vorherzusagen. Prognosen für den Kursverlauf innerhalb von Seitwärtsbewegungen sind fast unmöglich.
Nach der ersten, sehr frühen Auswertung unserer Daten zum nächsten Verfallstag wird uns die 5.000er Marke noch mindestens bis zum 19. Juni 2009 begleiten. Das würde bedeuten, dass wir quälende Wochen erleben. Hoffen wir also, dass ich mich täusche...
Viele Grüße
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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Das US-Verbrauchervertrauen des Conference Board ist im Mai auf 54,9 Punkte angestiegen. Analysten hatten lediglich mit 43,0 Punkten gerechnet. Der Index der Erwartungen stieg auf 72,3, der für die Einschätzung der aktuellen Lage auf 28,9 Punkte.
Man sollte niemals den Effekt von steigenden Börsenkurs auf die US-amerikanischen Verbraucher unterschätzen. Gerade der starke Anstieg der Erwartungshaltung ist beeindruckend. Wenn man sich jedoch das Diagramm genauer anschaut, wird deutlich, dass der Wert des Gesamtindex immer noch nicht das Tief aus dem Jahr 2003 von unten (!) erreicht hat.
Trotzdem reagierten die Börsen heftig auf diese Zahlen, die US-Indizes sind zwischen 2-3 % im Plus. Ein steigendes Verbrauchervertrauen ist ein wichtiger Hinweis auf das weitere Konsumverhalten der US-Bürger.