Die falsche Nachricht zur richtigen Zeit

 
 
Die falsche Nachricht zur richtigen Zeit
von Jochen Steffens
 
Es ist schon interessant, wie oft immer genau dann kursrelevante Nachrichten veröffentlicht werden, wenn die Indizes an wichtigen Marken stehen. Der Nasdaq100 ist an der oberen Widerstandslinie seiner Seitwärtsbewegung bei 1.287 / 1.300 abgeprallt.
 
 
 
Heute eröffnete der Nasdaq100 mit einem deutlichen Gap Down, nachdem zuvor schon die europäischen Indizes deutlich eingebrochen waren. Hintergrund: Die US-Regierung hat die bisherigen Sanierungspläne von General Motors (GM) und Chrysler für nicht ausreichend erachtet.
 
So sollen sich die Pläne auf zu optimistische Prognosen bei den Marktanteilen, Händlern und Preisen stützen. Auch seien notwendige Änderungen der Arbeitsverträge, die Reform der Fonds für die Gesundheitsvorsorge der Pensionäre und die Umschuldung bei den Anleihen nicht innerhalb der gesetzten Fristen umgesetzt worden. Insgesamt geht die von Präsident Barack Obama eingesetzte Auto-Arbeitsgruppe davon aus, dass mit den bisher vorgelegten Plänen keiner der beiden Autobauer überlebensfähig sei. Das war die Nachricht, welche die Märkte schockte.
 
Rick Wagoner muss gehen
 
Positiv hätten die Märkte eigentlich auf die Nachricht reagieren müssen, dass GM-Chef Rick Wagoner nun auf Druck Washingtons zurückgetreten ist. Die US-Regierung hatte den Rücktritt zur Bedingung für weitere Staatshilfen gemacht. Auch viele Analysten und etwa ein Viertel des GM-Direktoriums geben Wagoner eine erhebliche Mitschuld an der aktuellen Situation von General Motors. Nachfolger soll der ehemalige Finanzvorstand Fritz Henderson werden. Es kann jedoch sein, dass auch er nur als Übergangschef tätig wird. Anscheinend soll ein Großteil des GM-Führungsgremiums in den kommenden Monaten ausgetauscht werden.  
 
60 Tage Zeit
 
GM hat nun eine Finanzierungszusage für weitere 60 Tage erhalten. In dieser Zeit muss unter der neuen Führung ein neuer Sanierungsplan erarbeitet werden. Für die Börse ist diese Nachricht natürlich denkbar schlecht, sie hasst Unsicherheiten. Auf der anderen Seite kann es sich die US-Regierung in der aktuellen Situation nicht erlauben, GM pleite gehen zu lassen. Es hängen zu viele Arbeitsplätze davon ab. Weltweit beschäftigt GM 244.500 Arbeitnehmer. Doch natürlich würden viele andere Unternehmen, die direkt oder indirekt von GM abhängig sind, mit in den Strudel dieser Insolvenz gerissen. Es gibt Analysten, die davon ausgehen, dass weltweit sogar bis zu 2,5 Millionen Arbeitsplätze bei einer Pleite von GM gefährdet werden. Die US-Gewerkschaften sprechen sogar von 3 Millionen.
 
Ich weiß nicht, wie man diese Zahlen berechnet, aber es geht bei solchen Meldungen vielleicht mehr darum, die Dimensionen deutlich zu machen. Keine Frage ist natürlich, dass eine Insolvenz für die USA eine Katastrophe darstellen würde. Es wäre eine weitere Schockwelle für die US-Wirtschaft, deren Auswirkungen im ganzen Land zu spüren sein würden. Aus diesem Grund bin ich eigentlich auch relativ sicher, dass das nicht so schnell passieren wird. Es macht einfach keinen Sinn, Milliardenprogramme aufzulegen, um die US-Wirtschaft und die Arbeitsplätze zu sichern und dann hier zu versagen.
 
Chapter 11 keine Alternative
 
Auch Chapter 11 (Kapitel 11 des amerikanischen Konkursrechts, das dem Unternehmen unter strengen Auflagen und Aufsicht des Insolvenzgerichts eine Sanierung ermöglicht) wäre für GM  gefährlich. Wer kauft schon ein Auto von einer Firma, die vielleicht bald nicht mehr existiert. Zu groß ist die Sorge, dass der Service eingestellt wird und es keine Ersatzteile mehr gibt. Bereits jetzt bricht der Absatz weltweit massiv ein. Die Frage ist auch, ob GM angesichts der Milliardenverluste, die das Unternehmen generiert, eine vernünftige Anschlussfinanzierung erhalten wird. Die Banken haben zurzeit genug mit ihren eigenen Problemen zu tun, die Kreditvergabe ist immer noch angeschlagen. Demnach könnte GM in Chapter 7 rutschen, sprich liquidiert werden.
 
Wir müssen also davon ausgehen, dass Staat und GM sich entweder noch einigen werden oder die US-Regierung so lange auf Zeit, bis die US-Finanzmärkte die Insolvenz eines Autobauers vertragen können. Vielleicht ist auch genau dieser Umstand ein Grund dafür, dass GM Chef Wagoner gehen muss. Es kann sein, dass er sich darüber bewusst war, dass das Unternehmen zu groß ist, um in der aktuellen Wirtschaftskrise fallen gelassen zu werden und diese Karte zu oft ausgespielt hat, wer weiß.
 
Charttechnik immer wieder verblüffend
 
Wie gesagt, ich finde es immer wieder interessant, dass solche Nachrichten gerne genau dann auftauchen, wenn die Indizes vor wichtigen Widerständen/Unterstützungen stehen. Natürlich könnte man hier an Verschwörungen, Manipulation und Absicht glauben, aber seltsamerweise passiert das auch mit Nachrichten, die niemand hätte vorhersehen können (Naturkatastrophen, etc.) – ansonsten müsste man sicherlich paranoid werden.
 
Warum das aber so ist, kann ich Ihnen leider selbst nach vielen Jahren täglicher Beschäftigung mit Charts nicht erklären. Aber ich habe bereits so viele überzeugende Strukturen in den Charts entdecken können, dass ich daraus eine eigene Chart-Methode, die Target-Trend-Methode, entwickelt habe (das Buch dazu wird Mitte dieses Jahres erscheinen). Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass es eine Zyklik, eine beeindruckende Struktur im Chaos der Börsen gibt. Aber wer weiß, vielleicht haben die Mathematiker recht und auch das ist nur der alltägliche Wahnsinn des Zufalls...

Viele Grüße
 
Jochen Steffens

Frühlingserwachen an den Börsen?
von Torsten Ewert
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
in den letzten drei Wochen haben sich die Kurse von ihren Jahrestiefs kräftig erholt. Das ist erfreulich, nicht zuletzt auch für das Depot der Leser meiner „Stockstreet Investment Strategie“. Im Gegensatz zu den großen Indizes, die seit Anfang des Jahres immer noch zum Teil deutlich im Minus notieren, bewegen wir uns hier inzwischen wieder im positiven Bereich...
 
Ist das die Wende?
 
Und weil passend dazu sich nun auch wieder die ersten Sonnenstrahlen seit langer Zeit blicken lassen, werden die Analysten wieder etwas fröhlicher. Und so hören Sie häufiger Kommentare über den „Boden an den Börsen“, das (langsame) „Ende der Rezession“ usw. Auch die Kursziele geraten wieder etwas mutiger.
 
Doch genau wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, sind auch drei Wochen Kursgewinne nach 14 Monaten Crash eigentlich noch kein Grund für überschäumenden Optimismus. Über die diversen Belastungsfaktoren, die immer noch in der Wirtschaft lauern haben, wir an dieser Stelle schon wiedergeholt gesprochen. Da aber natürlich völlig unklar ist, ob und wenn ja, wann diese sich bemerkbar machen, wollen wir uns zur Abwechslung mal wieder an die Charts halten.
 
Die Target-Analyse liefert mögliche neuralgische Punkte in den Charts
 
Leser unserer Börsendienste wissen, dass wir bei Stockstreet exklusiv die von Jochen Steffens entwickelte Target-Trend-Methode einsetzen. Damit lassen sich sehr frühzeitig mögliche neuralgische Punkte in den Charts identifizieren.
 
Das heißt natürlich nicht, dass es wirklich dazu kommen muss – dazu ist Börse einfach zu unberechenbar. Aber wir erhalten mit dieser Methode auch Hinweise, wann ein solches Szenario hinfällig wird. Wenn Sie allerdings die Beiträge von Jochen Steffens in den letzten Jahren regelmäßig verfolgt haben, werden Ihnen viele Beispiele begegnet sein, in denen die Prognosen doch verblüffend treffsicher waren...
 
DAX im Oktober bei 5.500 Punkten?
 
Beginnen wir mit dem DAX. Im nachfolgenden Chart erkennen Sie, dass unser Leitindex momentan in einem relativ schmalen, flachen Abwärtstrend gefangen ist (dicke blaue Linien). Trotz der Kursgewinne seit dem Märztief scheint er nun an einem ersten kleinen Target (gelb) aus der Mittellinie dieses Trends (gestrichelt) und der schwarzen steilen Abwärtslinie zu scheitern.
 
 
Das ist keinesfalls bullish, denn solch steile Trendlinien haben normalerweiser nicht lange Bestand. Dreht der DAX also hier zum vierten Mal nachhaltig nach Süden, können die letzten drei Wochen schnell für die Katz gewesen sein...
 
Daher ist das bevorzugte Szenario, dass im Bereich der roten Unterstützungszone bei 4.000 Punkten kurzfristig eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends erfolgt. Dann sollte die aktuelle Überverkauftsituation im DAX nach dem jüngsten Anstieg hinreichend abgebaut sein.
 
Gelingt in diesem Zuge auch das Überwinden der rot und grün gestrichelten Mittellinien, kommen die obere blaue Linie bei etwa 4.700 bzw. auch das grüne Target bei 5.000 Punkten in Reichweite. Und dann könnten wir uns ernsthaft über das jetzt noch verwegen erscheinende blaue Target im Oktober bei knapp 5.500 Punkten unterhalten...
 
Bärenmarkt-Rally
 
Doch selbst dieses scheinbar ambitioniert klingende Ziel ist im Kontext des Kursverfalls seit Ende 2007 noch kein Grund zum Jubeln. Denn knapp oberhalb von 5.300 Punkten verläuft gerade die 38%-Erholung des 2008er Crashs. Das heißt, selbst bis zu einem Level von etwa 5.850 Punkten (= 50%-Erholung) reden wir eigentlich immer noch von einer Bärenmarkt-Rally, die der Ausgangspunkt für erneute Kursverluste sein kann.
 
Daher wäre vermutlich ein kurzfristiges neues Tief für die Börse das mittelfristig bessere Szenario. Fiele der DAX zum Beispiel auf das untere blaue Target knapp unterhalb von 3.500 Punkten, würden sicherlich viele Marktteilnehmer endgültig kapitulieren und in Panik verfallen. In diesem Fall würde dann sicherlich eine breite Umverteilung in die starken Hände langfristiger Investoren vorgenommen erfolgen, was dann die Kurse nach unten viel besser absicht.
 
Doch dieses Szenario ist momentan noch relativ unwahrscheinlich. Noch weniger müssen wir derzeit befürchten, dass der DAX bis auf 2.600 oder 2.500 Punkte einbricht (rotes Target). Andererseits besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der DAX von der 5.000er Marke einfach nach unten abprallt und so eine breite Seitwärtsbewegung ausbildet. Dann steht er im Oktober vielleicht nicht viel anders als heute (rechtes gelbes Target).
 
Intermarket-Betrachtung: Der NASDAQ 100
 
Diese Einschätzung wird auch durch eine Intermarket-Betrachtung am NASDAQ 100 gestützt. Dieser gehört derzeit mit zu den stärksten Indizes. Das lässt sich häufig in Crashphasen beobachten, weshalb dem NASDAQ 100 auch eine gewisse Vorläuferrolle zugeschrieben wird.
 
 
 
Im Gegensatz zum DAX hat der US-Technologieindex schon einige wichtige Hürden genommen. So befindet er sich in einer klaren Seitwärtsbewegung (blau). Allerdings macht er – ebenso wie der DAX an seinem gelben Target – derzeit Anstalten, hier zurückzufallen. Auch das ist nach drei Wochen Kursanstieg aber noch nicht sonderlich beunruhigend.
 
Parallelen zum DAX-Szenario
 
Sie erkennen aber im NASDAQ100-Chart auch deutliche Parallelen zum oben dargelegten DAX-Szenario. Auch hier haben wir auf der Oberseite ein sportliches Ziel bei 1.600 Punkten. Selbst bei Erreichen des dortigen Targets oder gar der etwas höher gelegenen Widerstände aus Rest-Gap (grau und dem Tief vom Frühjahr 2008 bei knapp 1.670 Punkten wäre der NASDAQ 100 noch nicht aus dem Schneider. denn auch dort bewegt er sich dann immer noch im Bereich seiner 50%-Erholung, das heißt der Bärenmarkt ist bis dahin formal immer noch intakt.
 
Und auch der NASDAQ 100 hat ein Target unter seinen letzten Tiefs. Auch hier hätte wieder ein Erreichen des dortigen Kursniveaus einen gewissen Charme aus langfristiger Sicht einer langfristigen Erholung. Denn der NASDAQ 100 würde damit nicht nur seine bisherigen Tiefs unterschreiten, sondern zusätzlich die psychologisch sehr wichtige Marke von 1.000 Punkten. Damit wäre auch im Hinblick auf das Sentiment dort unten vermutlich endgültig die Luft raus.
 
Quartalssaison und Bewertung im Blick
 
Momentan stehen also beide Indizes – und mit ihnen natürlich auch viel andere – etwas auf der Kippe zwischen Hopp oder Top. Es ist nun gut möglich, dass die Entscheidung auf der fundamentalen Seite fällt. Denn ab nächste Woche beginnt wieder die Berichtssaison zum ersten Quartal.
 
Noch sind die Schätzungen der Analysten relativ optimistisch. Dafür besteht aber eigentlich kein Anlass, wenn wir die jüngsten Zahlen zu Auftragseingängen, Industrieproduktion usw. heranziehen. Außerdem haben sich viele Unternehmen am Anfang des Jahres noch mit Prognosen für 2009 zurückgehalten. Hier erwarten die Anleger nun etwas mehr Informationen.
 
Zwar sind einige Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft wie das Ifo-Geschäftsklima, der ZEW-Index oder der Early-Bird-Frühindikator etwas gestiegen, auch der wichtige ISM-Einkaufsmanager-Index in den USA hat sich von seinen Tiefs erholt. Doch alle Indikatoren kommen von relativ niedrigen Niveaus.
 
Jetzt kommt es auf die Maßstäbe an
 
Daher wird es in der Bewertung durch die Marktteilnehmer darauf ankommen, mit welchen Maßstäben sie messen. Wird schlicht eine gewisse Verbesserung gegenüber den jüngst doch sehr trüben Ausblicken honoriert, könnte das die Börsen weiter beflügeln. Hängt die Mehrheit der Analysten aber immer noch an der Erwartung, dass in absehbarer Zeit die Ergebnisse der Vorkrisenzeit erreicht werden können, sind dagegen Enttäuschungen vorprogrammiert.
 
Wahrscheinlich wird es wie immer sein: der eine sagt so, der andere so. Das spricht für einen weiterhin recht volatilen Verlauf in der nächsten Zeit. Auch das wäre nicht die schlechteste Lösung für die Märkte. Denn auch ein volatiles Hin und Her ist meist mit einer Umverteilung von den zittrigen in die starken Hände verbunden. Und damit werden dann tatsächlich unsere Targets auf der Oberseite immer wahrscheinlicher...
 
Mit besten Grüßen
 
Torsten Ewert

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