Das bullishste aller Szenarien

 
 
Das bullishste aller Szenarien
von Jochen Steffens
 
Ich hatte es gestern schon geschrieben: Die Indizes stehen an sehr wichtigen Widerständen und nun beginnt die Schlacht zwischen Bullen und Bären.

Gestern konnte man dies sehr schön an den US-Börsen sehen. So startete zum Beispiel der Nasdaq100 im Plus, kletterte auf 1.260 Punkte, nur um dann um über 4 % auf 1.205 Punkte einzubrechen. Schlussendlich erholte er sich doch noch und schloss dann leicht im Plus. Es entstand somit eine große Kerze mit kleinem Körper. Eindrucksvoller kann man die Schlacht nicht darstellen.  Sie werden zurzeit überall mit Horrormeldungen von Wirtschaft und Börse konfrontiert, und aus diesem Grund möchte ich heute mal die andere, die bullishe Seite betrachten.
 
Die große Bodenformation mit vielen Möglichkeiten
 
Gerade im Nasdaq100 wird es nun sehr spannend. Während die anderen Indizes noch in diversen Abwärtstrends gefangen sind oder diese gerade brechen, ist der Nasdaq100 gerade dabei, eine große und bedeutende Bodenformation auszubilden.
 
 
 Zunächst einmal sehen wir hier einen möglichen Doppelboden, eine große W-Formation. Generell sollte allerdings bei einem Doppelboden der erste Boden etwas runder verlaufen als der zweite, was hier nicht der Fall ist. Man könnte hier aber auch einen Tripple-Bottom annehmen, dessen 2. Boden nicht das Niveau der beiden anderen erreicht. Zu guter Letzt ist auch eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) möglich, die zwei Köpfe besitzt (SKKS). Will man es ganz genau nehmen, muss man auch noch das Rechteck als mögliche Bodenformation aufzählen, obwohl Rechtecke in den meisten Fällen Fortsetzungsformationen sind.
 
Interessanterweise sind diese Formationen in dem obigen Chart alle noch möglich, und auch diese Häufung ist bei großen Bodenformationen nicht selten.
 
Uns braucht dabei eigentlich nicht sonderlich zu interessieren, um was es sich nun handelt. In diesem sehr deutlichen Fall sind die Feinheiten der jeweiligen Formation nicht erheblich. Wichtiger ist, was passiert, wenn der Nasdaq100 diese Formationen vollendet und wann genau das der Fall ist. Denn nur dann werden starke bullishe Signale ausgebildet.
 
Die zwei bullishsten Szenarien
 
Und damit zu den zwei bullishsten Szenarien, oben rot und schwarz eingezeichnet.
 
1.       Wenn der Nasdaq100 an der 1.287-Punkte-Marke abprallt, anschließend im Bereich der 1.180 Punkte Marke wieder nach oben dreht und dann die 1.287er Marke nachhaltig nach oben überwindet, ist der Doppelboden / Trippelboden vollendet (siehe schwarz gestrichelte Linie). Das Kursziel aus dieser Formation liegt bei 1.600-1.650 Punkten.
 
2.       Sollte der Nasdaq100 die 1.290–Punkte-Marke direkt überwinden, kann es sein, dass er anschließend an der 1.382er Marke scheitert und ebenfalls wieder in Richtung 1.180 Punkte abtaucht. Sollte er dann anschließend die 1.386er Marke überwinden, wäre eine inverse SKKS vollendet, die extrem bullish wäre. Das Kursziel dieser Formation läge bei 1.900 Punkten.
 
Analysten auf dem falschen Fuß erwischt
 
Sollte der letztere Fall eintreten wären, wohl Anleger, wie Analysten, Banken und Institutionelle grausam überrascht. Dieses Szenario ist der blinde Fleck, den fast niemand auf dem Radar hat. Es ist das Szenario, das nicht zur allgemeinen Untergangsstimmung passt. Und wir wissen, der Markt liebt solche Überraschungen.
 
Aber, ich will das noch einmal deutlich sagen, diese Szenarien werden nur dann aktiviert, wenn der Nasdaq100 besagte Widerstandslinien sehr nachhaltig überwinden kann und die Kurse sich vorher ähnlich den hier eingezeichneten Kursprognosen verhalten! Ansonsten kann sich das Bild auch sehr schnell wieder erheblich eintrüben!
 
Schwachstellen
 
Auch bei dieser Analyse muss man sich fragen, wo die Schwachstellen liegen. Kommen wir also zu den Punkten, die mir nicht gefallen: Diese Formationen sind extrem auffällig, weil sie so symmetrisch sind. Jedem halbwegs versierten Charttechniker werden sie ins Auge stechen. Derart deutliche Formationen sind weniger zuverlässig, als Formationen, die nur dem geübten Chartisten auffallen. Der mögliche Doppelboden wurde zudem nicht idealtypisch ausgebildet und auch bei der inversen SKKS kann man Kleinigkeiten bemängeln. Doch das sind eigentlich nur Nebensächlichkeiten.
 
Wesentlich entscheidender ist, dass die anderen Charts keine ähnlich markanten Bodenformationen ausbilden. Zwar gibt es kleinere, mögliche Bodenansätze, und bei einigen Indizes stehen die steilen Abwärtstrends davor, nachhaltig gebrochen zu werden, aber diese Signale haben bei weitem nicht die Signifikanz, wie die oben genannten. Und dieser Umstand lässt mich zweifeln, ob es im Nasdaq100 zu einer Vollendung kommen wird. Normalerweise sollten solche eindeutigen Bodenformationen auch in den anderen Charts wiederzufinden sein.
 
Wichtige Tage
  
Trotz der Kritik wird klar, warum die nächsten Tage und Wochen von derart entscheidender Bedeutung sind. Hier werden möglicherweise die Grundlagen für einen überraschend steilen Kursanstieg gelegt. Stellen Sie sich dazu vor, es käme tatsächlich zu einem derart impulsiven Aufwärtstrend im Nasdaq100, wie ich ihn oben eingezeichnet habe. Ich mache mit Ihnen eine Wette, dass 95 % aller Spekulanten diesen Anstieg komplett unterinvestiert, wenn nicht sogar ohne eine einzige Position miterleben werden.
 
Zu früh ausgestiegen
 
Die einen, weil sie auf eine Konsolidierung warten werden, um einzusteigen. Die anderen, weil sie zu früh ausgestiegen sind. Schon jetzt höre ich von Kollegen verzweifelte Geschichten, die man mit folgendem Satz zusammenfassen kann: „Oh Gott, was bin ich für ein Depp. Ich bin da und da zu diesen und jenen Kursen eingestiegen. Ich hatte einen wirklich tiefliegenden und guten Einstiegskurs und was hab ich Idiot gemacht? Ich habe die Position ein paar Tage später wieder verkauft, mit kleinem Gewinn – und jetzt laufen mir die Kurse davon.“
 
Was glauben Sie, was für Geschichten kommen, wenn der Nasdaq100 derart stark ansteigen würde? Ich glaube, dieses Szenario wäre der größte Schmerz für die meisten Anleger.
 
Sie sehen, auch wenn dieses Szenario selbst für meine Ohren noch völlig unglaubwürdig klingt, so muss man sich doch auf eine solche Möglichkeit einstellen, um nicht nachher völlig verzweifelt zu sein. Wir haben es oft genug erlebt, dass an den Börsen das Unmögliche passiert.
 
Voll investiert?
 
Es geht dabei, wie ich am Dienstag schon schrieb, nicht darum, diesen Anstieg vollkommen investiert mitzumachen. Das wird niemandem gelingen, der ein halbwegs vernünftiges Geldmanagement betreibt. Dazu sind einfach noch zu viele Unwägbarkeiten im Markt. Aber man sollte schon den einen oder anderen Trade mitmachen und dabei hoffen, dass die Volatilität in diesem Anstieg nicht allzu groß ist, da man ansonsten wahrscheinlich gerne mal ausgestoppt wird.
 
Der Boden der Realität
 
Und zum Schluss, um auf den Boden der Realität zurückzukommen: Man merkt dem Markt, besonders dem Nasdaq100, bereits jetzt an, wie schwer er sich zurzeit mit diesem großen Widerstand tut, obwohl noch etwas Luft bis dahin ist. Sollte er an diesem scheitern und wieder zur unteren Linie der Seitwärtsbewegung laufen, sind all diese Bullenträume zunächst einmal wieder hinfällig. Auch diese Möglichkeit sollte man nicht aus den Augen verlieren. Zurzeit ist der Markt nach dem Anstieg der letzten Tage auch schon wieder im überkauften Bereich. Solche Bullenszenarien werden auch gerne immer dann aus den Schubladen geholt, wenn der Markt bereits dabei ist, ein Zwischenhoch auszubilden. Auch das ist mir bewusst. Also, seien Sie auf alles gefasst, auch auf das Unmögliche...

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist saisonbereinigt um 8.000 auf 652.000 gestiegen. Analysten hatten einen Anstieg um 9.000 erwartet, nach 644.000 zuvor.

Wieder hat sich der Einbruch in der letzten Woche durch die neuen Zahlen etwas relativiert. Trotzdem kann man sagen, die Zahlen stabilisieren sich auf hohem Niveau. Der Arbeitsmarkt reagiert natürlich erst zeitversetzt auf eine mögliche Erholung der US-Wirtschaft. Allerdings sollte man eine solche dann auch daran erkennen, dass nicht mehr so viele Menschen entlassen werden. Hier ist also zurzeit noch wenig herauszulesen.

 

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