Ifo-Geschaeftsklima-Index auf neuem Allzeittief

 
 
Ifo-Geschäftsklima-Index auf neuem Allzeittief
von Jochen Steffens
 
Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im März erneut zurückgegangen und erreicht mit 82,1 Punkten ein neues Allzeittief.
 
 
Quelle: www.ifo.de
 
Auf der anderen Seite erkennt man in dem Diagramm, dass sich die Erwartungskomponente (grüne Linie) bereits deutlich erholt. Sie stieg mittlerweile zum dritten Mal in Folge auf nunmehr 81,6 Punkte an. Allerdings wird die Aktuelle Lage (rote Linie) immer noch schlechter eingeschätzt als im Vormonat und erreicht nun mit einem Wert von 82,7 Punkten ebenfalls ein neues Allzeittief. Das ist der Grund, warum trotz der besseren Erwartungskomponente der Gesamtindex auf 82,1 Punkte zurückgegangen ist.   
 
Optimistisch trotz schlechter Lage
 
Die Zahlen zeigen, dass die Unternehmen bereits wieder optimistischer in die Zukunft schauen, aber die Krise offensichtlich immer deutlicher zu spüren bekommen. Allgemein sagt man, wenn der Gesamtindex drei Mal in Folge ansteigt, ist dies ein positives Zeichen für die wirtschaftliche Entwicklung. Das macht auch Sinn. Nur wenn auch die Einschätzung der aktuellen Lage anzieht, ist dies ein verlässliches Zeichen dafür, dass eine Rezession tatsächlich vorbei ist.
 
Börsen funktionieren anders

Wenn der Ifo-Index drei Mal hintereinander ansteigt, werden die Börsen die Entwicklung aber bereits vorweggenommen und zum Teil schon deutliche Kursgewinne hinter sich haben. Auf diese Zeichen kann man also als Trader nicht warten.
 
Wie Sie in dem obigen Chart sehen, springt nach einem scharfen Einbruch des Ifo-Index fast immer zunächst die Erwartungskomponente an, bevor der Index selbst ins Laufen kommt. Daraus kann man schließen, dass die Erwartungskomponente als Vorlaufindikator geeignet ist und damit für die Börsenentwicklung einen besseren Hinweisgeber darstellt.
 
Extremsituation
 
Mit anderen Worten: Der dreimalige Anstieg der Erwartungskomponente wäre normalerweise ein gutes Signal für eine Bodenbildung am Aktienmarkt. Ich muss leider „normalerweise“ schreiben. Wie man im Diagramm sehen kann, erleben wir zurzeit eine Extremsituation. Und ob dieser Anstieg der Erwartungskomponente angesichts der Dramatik der aktuellen Krise tatsächlich als Boden gesehen werden kann, ist zumindest diskussionswürdig.

Das ist jedoch das generelle Problem bei den Konjunkturdaten zurzeit. Diese sind in vielen Fällen derart extrem eingebrochen, dass die aktuelle Erholung zwar ein Hinweis sein kann, aber nicht unbedingt sein muss. Es bleibt abzuwarten, ob diese Erholung der Konjunkturdaten technisch bedingt ist – frei nach dem Motto, irgendwann können solche Indizes nicht noch schlechter werden - oder ob sie tatsächlich eine kommende konjunkturelle Erholung anzeigt.
 
Dieses Mal ist es keine gute Indikation
 
Für den Ifo-Index und die Börse bedeutet das: Tatsächlich müsste man also warten, bis sich auch die Einschätzung der aktuellen Lage nicht nur stabilisiert, sondern wieder deutlich aufhellt. Wenn sich alle drei Komponenten über mehrere Umfragen hinaus verbessern, wäre dies ein brauchbares Signal für eine Erholung der Wirtschaft. Aber auch in dieser Extremsituation wird die Börse einen großen Teil dieser Erholung vorweggenommen haben. Somit sind die Hinweise des Ifo-Index nur unter Vorbehalt zu gebrauchen.
 
Zum Schluss bleibt die Charttechnik

Mit anderen Worten: Zur Einschätzung der aktuellen Situation bleiben nur die Charts.
 
 
 
Wenn man sich den Nasdaq100 im Stundenchart anschaut, erkennt man, dass er so langsam anfängt, sich vor der oberen Begrenzung der Seitwärtsbewegung zu „ducken“. Der Aufwärtstrend rundet sich ab, die Anstiegsgeschwindigkeit lässt somit nach. Offenbar stößt die Euphorie hier auf Gegenwehr. Viele Anleger wollen an der oberen Grenze ihre Gewinne sichern, andere beginnen vielleicht schon, sich auf der Short-Seite zu positionieren.
 
Doch dieses „Ducken“ darf man noch nicht überbewerten. Noch haben die Bullen nicht verloren. Sie stürmen weiter, stoßen dabei lediglich auf immer größeren Widerstand. So einfach wollen die Bären diese große Bärenbastion unterhalb der 1.300 er Marke natürlich nicht aufgeben.
 
Wer hat die besseren Argumente
 
Es wird schlussendlich darauf ankommen, wer die besseren Waffen, sprich Argumente hat, und wer mehr „Kämpfer“ hinter sich vereinen kann. Bei dem Kriegsspiel Börse neigen die Akteure nämlich gerne dazu, einfach die Seiten zu wechseln. Aus ehemals überzeugten Bären können sehr schnell auch genauso überzeugte Bullen werden. Auf welche Seite gerade die kapitalstarken Akteure wechseln, hängt wiederum davon ab, welche Partei die besseren Argumente auf sich vereint.
 
Umgekehrt bedeutet das aber auch: Wenn diese Seitwärtsbewegung nachhaltig nach oben verlassen wird, ist dies ein vergleichsweise sicherer Hinweis darauf, dass die Bullen zurzeit einfach die besseren Argumente haben und diese hängen natürlich mit den billionenschweren Maßnahme zur Rettung des US-Finanzsystems und der US-Wirtschaft zusammen.
 
Und so hilft die Charttechnik oft dabei, herauszufinden, wo die großen Jungs sich aufhalten, bei den Bullen oder den Bären. Das einzige Problem an dem Börsengeschehen ist, dass jeden Tag beständig neue Nachrichten auf das Spielfeld rieseln und einige davon gerne mal gerade neu gebildete Kräfteverhältnisse wild durcheinander bringen. Aber gut, ansonsten wäre es auch nicht so spannend...

Viele Grüße
 
Ihr

Jochen Steffens

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Hausverkäufe ist in den USA im Februar auf 337.000 angestiegen. Analysten hatten mit einem Anstieg zwischen 300.000 bis 315.000 Hausverkäufen gerechnet, nach 322.000 Hausverkäufen zuvor.
Auch hier sehen wir nun einen deutlichen Anstieg. Das ist nun der zweite Hinweis auf eine Stabilisierung im Immobiliensektor. Aber es darf sich eben nicht nur um eine kleine Zwischenerholung handeln (siehe oben).
 
Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind im Februar um 3,4 % gestiegen. Analysten hatten hingegen mit einem Minus im Bereich von 2,5 % gerechnet, nach einem Minus von 5,2 % zuvor.

Auch hier eine Verbesserung. Insgesamt hellen sich damit die US-Konjunkturdaten weiter auf. Die frühen Anzeichen, die ich hier vor einigen Wochen bereits dargestellt hatte, verdichten sich damit immer mehr.

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