Noch ist nicht die Zeit fuer hohe Investitionsquoten

 
 
Noch ist nicht die Zeit für hohe Investitionsquoten
von Jochen Steffens
 
Zurzeit wird es den Anlegern nicht leicht gemacht. Die hohe Volatilität und die sprunghaften Kursbewegungen zermürben die Psyche. Noch vor wenigen Wochen war der Weltuntergang beschlossene Sache. Viele Anleger waren froh, verkauft zu haben. Jetzt überlegen die Ersten, ob wir nicht bereits das Tief des Crashs hinter uns haben. Auf der anderen Seite droht die Gefahr, dass es sich bei dem aktuellen Anstieg lediglich um eine Bärenmarktrally handelt. Eine solche kann jederzeit - gerne genau dann, wenn man die eigenen Long-Positionen erheblich ausgeweitet hat - in sich zusammenbrechen. Die Finanzmarktteilnehmer geraten somit aktuell unter einen extrem hohen emotionalen Stress, weil niemand wirklich sicher sagen kann, was zu tun ist. Das geht nicht nur Kleinanlegern so, auch im Kollegenkreis und bei institutionellen Anlegern erkennt man dieses Phänomen.
 
Einsteigen oder nicht?
 
Es ist aber auch zurzeit nicht leicht. Viele haben ihre Verluste aus 2008 noch gar nicht emotional verarbeitet und sehen sich nun mit zum Teil exorbitanten Kursgewinnen in Einzelaktien (auf Tagesbasis) konfrontiert. Das Gefühl, man hätte schon einen Teil der Verluste wieder ausgleichen können, wäre man nur rechtzeitig eingestiegen, zerstört bei manchen auch den letzten Rest Selbstvertrauen. Um es überspitzt auszudrücken: Bei einigen Anlegern entsteht das panische Gefühl, den Abwärtstrend voll mitgemacht zu haben und den Aufwärtstrend zu verpassen. Schlimmer geht es kaum.
 
Zurück auf den Boden der Tatsachen
 
Zunächst hilft hier, auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen, um sich vom Tagesgeschehen zu lösen. Nur so kann man den Bezugsrahmen erweitern, um das Gesamtbild zu betrachten: Auch wenn Einzelwerte im DAX seit dem Tief schon 50 bis 100 Prozent zugelegt haben, ist in diesen Aktien im Vergleich zum vorherigen Abwärtstrend noch nicht viel passiert. Dazu der Chart der Deutschen Bank:
  
 
 
Obwohl sich die Deutsche Bank vom Tief bei 15,38 Euro zum bisherigen Hoch bei 32,29 Euro um über 100 % zugelegt hat und damit eines der beachtlichsten Reversals im DAX ausgebildet hat, ist dieser Anstieg im Vergleich zum vorherigen Abwärtstrend noch nicht der Rede wert. Aus charttechnischer Sicht wurde bisher nicht einmal ein bullishes Signal ausgebildet! Die Deutsche Bank hat bisher lediglich den sehr bearishen Bruch unter das Tief aus dem Jahre 2003 bei 33 Euro von unten getestet. Erst wenn die Deutsche Bank diese Marke über mehrere Handelstage nachhaltig zurückerobern kann, würde sich das Chartbild aufhellen. Bei den meisten anderen DAX-Aktien ist das Reversal der letzten Tage im Vergleich zum vorherigen Abwärtstrend noch wesentlich unbedeutender.
 
Es geht hier einfach um die Relationen. Um das Hoch zu erreichen, müsste die Deutsche Bank vom Tief knapp 650 Prozent zulegen. Andere Aktien, so zum Beispiel die Commerzbank, mehr als 1000 Prozent. Und das ist das Typische an Bearmarketrallys: Es kommt zu unglaublichen Kursgewinnen, ohne dass nachhaltig bullishe Signale ausgebildet werden. Die Frage, ob Boden oder nicht, ist somit anhand der bisherigen Kursbewegung nicht abschließend zu klären.
 
Der falsche Anspruch
 
Natürlich könnte man auf die Idee kommen, dass ein wirklich guter Trader, Spekulant oder Investor dieses Tiefs hätte abgreifen können, um so große Gewinne zu machen. Nur, so funktioniert Börse nicht. Es ist ein schöner, aber trotzdem abwegiger Traum. Tatsächlich ist es ein Anfängerfehler, in einem solchen Crash jedes Mal die Tiefs einer Abwärtsbewegung mit relativ großen Positionen abfischen zu wollen.
 
Denn die Börse ist gerade in den impulsiven Abwärtsbewegungen eines starken Abwärtstrends wenig vorhersehbar. In diesen Situationen herrscht an den Märkten Panik. Und Panik ist ein unkontrollierbarer, fast chaotisch ablaufender Prozess. Wenn man hier ins fallende Messer greift, dann sollte man lediglich kleine Positionen investieren.
 
Das Problem: Hohe Volatilität vs. Absicherungsstrategien
 
Werden die Positionen zu groß, stellt sich die Frage, wo man diese absichert. Sie wussten am bisherigen Jahrestief nicht, ob der DAX nicht doch noch auf 3.500 Punkte zurückfällt, wie viele erwartet haben, oder auf 3.100 Punkte, oder sogar auf 2.100 Punkte, dem Tief aus dem Jahr 2003. Wie viel Verlust wollen Sie also, wenn Sie in eine Aktie einsteigen, auf das Gesamtportfolio zulassen? Angesichts der unglaublichen Volatilität von Einzelaktien, hier am Beispiel der Deutschen Bank, müssten Sie mindestens einen Stopp von 15-25 Prozent zulassen, um nicht direkt wieder ausgestoppt zu werden, falls Sie das Tief nicht perfekt treffen. Im schlechtesten Fall brauchen Sie dann nur wenige Male Pech zu haben und wären pleite. Ein solches Vorgehen ist natürlich vom Geldmanagement her inakzeptabel. 
 
Keine Chance
 
Sie können somit die Investitionsquote gar nicht so sehr erhöhen, da die Risiken für Ihr Portfolio zu groß sind. Und damit sind wir bei einem entscheidenden Punkt: So groß die prozentualen Gewinne in Einzelaktien, aber auch in den Indizes sind, aktuell ist einfach nicht die Zeit der großen Gewinne für die Gesamt-Portfolios. Man kann in diesem Markt eigentlich nur mit kleinen Positionen mitspielen. Die Investitionsquote im Gesamtdepot muss aufgrund des Chance/Risiko-Verhältnisses einfach vergleichsweise niedrig sein und bleiben. Und das ist auch der Grund, warum das meiste Geld nicht in solchen Situationen verdient wird, sondern in großen Trends. Auch wenn in Bezug dazu die prozentualen Kursbewegungen im Zeitvergleich wesentlich niedriger sind.
 
Emotional erpressen
 
Lassen Sie sich also nicht von solchen vermeintlichen Gewinnen emotional erpressen. Treten Sie ein wenig zurück und machen Sie sich bewusst, dass wir uns immer noch inmitten einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit 1929 befinden. Agieren Sie weiterhin vorsichtig. Noch kann Ihnen keiner wirklich sagen, ob wir gerade den Boden gesehen haben oder nicht. Beides ist möglich, da niemand weiß, ob nicht doch noch Faktoren auftauchen, die den Markt noch einmal deutlich in die Knie zwingen (z. B. Pleite von General Motors o.ä.).

Es ist ein Markt für Day-Trader. Aber auch sehr langfristig und antizyklisch orientierte Anleger können nun nach und nach vorsichtig gute Substanzwerte kaufen. Doch auch diese sollten aufpassen, dass sie ihre Investitionsquote nicht zu sehr erhöhen, denn sie müssen auf Stopps verzichten und somit unter Umständen auch größere Verluste über einen längeren Zeitraum aushalten können. Für alle anderen gilt: Bei Bestätigung der bullishen Signale vorsichtig die Investitionsquote erhöhen und auf jeden Fall Positionen gut absichern. In diesem Markt darf man im kurz- und mittelfristigen Tradingbereich nicht versuchen, Verluste auszusitzen.
  
Noch kurz zum Markt:
 
Der DAX hat heute seinen Abwärtstrend nach oben gebrochen. Allerdings zeigt sich bisher der Ausbruch wenig dynamisch, so dass man an der Qualität noch zweifeln muss. Die fehlende Dynamik hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Nach einem Anstieg von über 6 % in den US-Indizes war natürlich heute erst einmal mit einer Orientierungsphase in den US-Indizes zu rechnen. Aus diesem Grund hat der DAX auch gezögert, diesen Anstieg umzusetzen. Ein weiterer Aspekt ist, dass in dem Plan von US-Finanzminister Timothy Geithner immer noch eine entscheidende Komponente fehlt: Noch ist nicht geklärt, zu welchem Preis die Schrott-Wertpapiere von dem neu zu gründenden privat/öffentlichen Fonds aufgekauft werden sollen. Und die Antwort auf diese Frage hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg des Projekts.
 
Nasdaq100 an der oberen Begrenzung seiner Seitwärtsbewegung
 
Ein letzter Punkt ist charttechnischer Natur:

 

Das ist der Nasdaq100 Chart. Sie sehen, der Nasdaq100 ist nun wieder an der oberen Begrenzung der Seitwärtsbewegung angelangt. Da auch im Seitwärtstrend die Devise gilt: Der Trend ist dein Freund, wird natürlich im Bereich der oberen Begrenzung entsprechend Verkaufsdruck aufkommen. Die Gefahr, dass der Nasdaq100 an dieser Linie abprallt und entsprechend wieder in Richtung der bisherigen Tiefs läuft ist durchaus relevant. Da die untere Linie im März nicht ganz erreicht wurde, kann es zuvor auch gut zu einem kleinen Fehlausbruch kommen.
 
Sollte jedoch die 1.286er/1.300er Marke nachhaltig überwunden werden, bildet sich damit ein großer Doppelboden im Nasdaq100 aus, der zumindest auf Kurse bis ca. 1550 Punkten hinweisen würde.  
 
Viele Grüße

Jochen Steffens

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