Fed dreht den Geldhahn auf

 
Kurzer Hinweis: Da ich morgen geschäftlich unterwegs bin, erscheint der nächste Steffens-Daily am Montag, den 23.03.09.
 
 
Fed dreht den Geldhahn auf
von Jochen Steffens
 
Ja, die Fed ist doch immer wieder für Überraschungen gut. Ich hatte, wie ich am Dienstag geschrieben habe, Gerüchte gehört, dass die Fed den Aufkauf von langlaufenden Staatsanleihen in das Statement einbringen wird: Aber ehrlich gesagt, habe ich nicht geglaubt, dass das passiert und erst recht nicht in diesem Umfang. Ich dachte, es wäre eines dieser typischen Börsengerüchte, da es bei dieser Zinssitzung an „Zinssenkungsfantasien“ fehlte.
 
Doch tatsächlich: Die Fed will in den nächsten Monaten langlaufende Staatsanleihen in einem Umfang von 300 Mrd. Dollar kaufen. Darüber hinaus kündigte sie in ihrem Statement an, in diesem Jahr hypothekenbesicherte Anleihen im Umfang von 750 Mrd. Dollar zu erwerben, so dass die Gesamtsumme auf 1,25 Bil. Dollar ansteigt.
 
Deflationsmaßnahmen
 
Das für mich Überraschende ist, dass die Fed nun ganz deutlich in ihrem Statement auf die Deflationsgefahren hinweist:
 
„Angesichts der Wirtschaftskrise im In- und Ausland erwartet das Komitee, dass der Inflationsdruck gedämpft bleibt. Darüber hinaus erkennt das Komitee sogar ein gewisses Risiko, dass die Inflation eine Weile unter der Rate bleibt, die für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine längerfristige Preisstabilität erforderlich ist“.
 
Sie als Leser des Steffens-Daily wissen was das heißt. Die Maßnahmen der Fed machen nur aus dem Blickwinkel der Deflation Sinn. Die Gelddruckmaschine wird auf Turbo-Boost gestellt, um einer Deflation frühzeitig zu begegnen und somit nicht in einen deflationären Abwärtsstrudel zu geraten. Ein solcher war mitverantwortlich für die langanhaltende Rezession in Japan seit den 90er Jahren. Zwar hatte auch die japanische Notenbank massive geldpolitische Maßnahmen beschlossen, aber nach Ansicht vieler Experten nicht schnell genung und nicht in ausreichendem Maße. Wenn man sich die aktuellen Aktionen der Fed anschaut, wird deutlich, dass sie sich diesen Vorwurf nicht machen lassen will. Sie setzt wirklich alles daran, Deflation zu vermeiden. Oder wie Ben Bernanke zu diesem Thema sagt: „Make sure, it doesn’t happen here“ Tue alles, damit es nicht hier geschieht.
 
Und damit scheint sich auch zu bewahrheiten, was ich gestern zu den leicht anziehenden Verbraucher- und Produzentenpreisen sagte. Offenbar scheint die Fed ebenfalls darin noch keine Trendumkehr zu sehen, sondern nur eine Reaktion.
 
Zwischenfazit:
 
Die Fed will eine Deflation in Verbindung mit einer Rezession um jeden Preis verhindern. Zu diesem Zwecke werden direkt mehrere Hubschrauber gestartet. Ich weiß nicht, ob wir froh sein sollen, weil alles getan wird, um eine Weltwirtschaftskrise zu verhindern, oder ob wir traurig sein müssten, weil wir dabei sind zu beobachten, wie eine Nation, und zwar die USA, sich selbst demontiert. Sprich: schafft die USA es die Krise zu bewältigen oder wird alles nur noch schlimmer?
 
Ich lese, dass sehr viele meiner Kollegen bei der Antwort auf diese Frage unglaublich sicher sind. Sie scheinen zu wissen, was passieren wird. Ich hingegen glaube nicht, dass man sich sicher sein kann. Ich halte immer noch mehrere Szenarien für möglich. Darunter sogar auch das für viele abwegigste Szenario, dass diese Krise ganz plötzlich vorbei ist. Mir fehlen einfach weitere Informationen, zumal wir noch nicht einmal wissen, wie andere Staaten, Notenbanken, Währungssysteme agieren, beziehungsweise reagieren werden.
 
Abwertungswettlauf
 
Nachdem die Schweiz direkte Interventionen gegen den Schweizer Franken gestartet hatte, geht nun die USA gegen den Dollar vor. Zwar etwas eleganter, sozusagen indirekt, aber es hat den gleichen Effekt. Kaum merklich beginnt somit hinter den Kulissen der Hexentanz um die beste Positionierung in dieser Krise. Wie wird die EZB reagieren? Mit weiteren Zinssenkungen? Apropos Hexentanz: Der DAX hängt immer noch an der 4.000-Punkte-Marke. Es kann aber auch immer auch noch die 4.200er Marke werden, ich bin sehr gespannt auf morgen.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens
 
PS:  Im Anschluss die deutsche Übersetzung des FOMC.

Der Stockstreet Premium Trader
von Jochen Steffens und Michael Jansen
 
Sie suchen kurz- bis mittelfristige Trading-Chancen. Dann testen Sie jetzt ganze 30 Tage kostenfrei den Stockstreet Premium-Trader!
 
Profitieren Sie von präzisen Chartanalysen kombiniert mit fundamentalen Überlegungen abseits der Masse! Darüber hinaus haben Sie exklusiven Einblick in das Musterdepot von Jochen Steffens und Michael Jansen. Unsere Garantie: Alle Ein- und Ausstiegssignale erhalten Sie vorab per Email und auf Wunsch per SMS!
 
Lesen Sie hier, wie sich der Stockstreet-Premium-Trader in den letzten Jahren entwickelt hat und was Leser schreiben. Klicken Sie hier!
Sichern Sie sich jetzt Ihren persönlichen Gratis-Test! Klicken Sie dazu einfach hier…

Das FOMC-Statement:
 
Aus den seit der letzten FOMC-Sitzung eingegangenen Informationen wird ersichtlich, dass die Wirtschaft weiter schrumpft. Arbeitsplatzverluste, zurückgehende Aktien- und Immobilienvermögen und strenge Kreditkonditionen haben sich auf die Verbraucherstimmung und die Konsumentenausgaben belastend ausgewirkt. Schlechtere Umsatzprognosen und Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung haben die Unternehmen veranlasst, Investitionen zu kürzen und Lagerbestände abzubauen. Die US-Exporte sind eingebrochen, da einige der wichtigsten Handelspartner ebenfalls in eine Rezession abgerutscht sind. Trotz der  schwachen Aussichten für die nahe Zukunft erwartet der Ausschuss jedoch, dass die politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte und Finanzinstitutionen sowie die finanzpolitischen und geldwirtschaftlichen Stimulierungen zu einer allmählichen Erholung der US-Wirtschaft beitragen werden.
 
Angesichts der zunehmenden Wirtschaftsflaute im In- und Ausland erwartet das Komitee, dass der Inflationsdruck gedämpft bleibt. Darüber hinaus erkennt das Komitee sogar ein gewisses Risiko, dass die Inflation eine Weile unter der Rate bleibt, die für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine längerfristige Preisstabilität erforderlich ist.
 
Unter diesen Umständen wird die Fed alle verfügbaren Instrumente zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung der Preisstabilität einsetzen. Die Fed belässt die Leitzinsen in der Spanne zwischen 0 und ¼ Prozent und geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wahrscheinlich das außergewöhnlich niedrige Niveau der Leitzinsen für einen längeren Zeitraum garantieren werden.
 
Zur besseren Unterstützung des Hypothekenkredit- und Wohnungsmarkt hat der Ausschuss heute beschlossen, in diesem Jahr den Ankauf von hypothekenbesicherten Anleihen halbstaatlicher Agenturen um 750 Milliarden auf insgesamt 1,25 Billionen Dollar und den Ankauf von Schulden dieser Institutionen um 100 Milliarden Dollar auf insgesamt 200 Milliarden Dollar zu erhöhen. Außerdem plant die Fed den Ankauf von langlaufenden Staatsanleihen in einem Umfang von 300 Mrd. Dollar in den nächsten 6 Monaten, um die Bedingungen auf den privaten Kreditmärkten zu verbessern. Die Fed hat das „Term Asset-Backed Securities Loan Facility“-Programm gestartet, um die Vergabe von Krediten an Haushalte und kleinere Unternehmen zu erleichtern. Sie geht davon aus, dass dieses gegebenenfalls auch auf weitere Finanzanlagen ausgeweitet werden kann. Der Ausschuss wird weiterhin sorgfältig die Größe und Zusammensetzung der Bilanz der Federal Reserve in Bezug zur finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklung überwachen.
 
 Quelle engl. Originaltext: www.federalreserve.gov

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA ist um 12.000 auf 646.000 zurückgegangen. Der aussagekräftigere Vierwochendurchschnitt stieg auf 654.750 an.

 

Mittlerweile ist offensichtlich, dass der Aufwärtstrend zu Ende geht. Allerdings befinden sich die Erstanträge immer noch auch sehr hohem Niveau. Ein deutlicherer Hinweise wäre, wenn nun auch der Vierwochendurchschnitt wieder anfangen würde, zu sinken. Das muss abgewartet werden. 

Der Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft ist im Februar um 0,4% auf einen Stand von 98,5 gefallen. Analysten hatten mit einem Rückgang von 0,6% gerechnet.
 
Der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia berechnete Diffusionsindex für die allgemeine Wirtschaftstätigkeit (Philly Fed) ist im März auf minus 35,0 Punkte gestiegen. Analysten hatten mit einem Indexstand von minus 39,3 Punkten gerechnet, nach 41,3 Punkten zuvor.
  
 
Nach wie vor befinden wir uns auf sehr niedrigem Niveau. Man kann eine Stabilisierung erkennen, doch nach dem sehr schlechten Februrarwert, sollte man hier nicht zu viel hineininterpretieren. Auch hier muss erst eine klarere Richtung zu erkennen sein.

Teilen Sie unseren Service mit Ihren Freunden und Kollegen:

Steffens Daily Kurz-Info

Steffens Daily

Der Steffens Daily ist ein kostenloser Börsen-Newsletter von Stockstreet.de. Jochen Steffens und die Redakteure von Stockstreet informieren Sie täglich nach Börsenschluss über alle wichtigen Themen, die die Märkte bewegen.



Datenschutzhinweise anzeigen...


Der Steffens Daily blickt dabei immer hinter das Einerlei des Mainstream, der so oft falsch liegt, und informiert Sie über die wirklich wichtigen Entwicklungen an der Börse, lange bevor es andere tun.

Dieser Wissensvorsprung ist entscheidend für Ihren Börsenerfolg und natürlich für den Schutz Ihres Kapitals.

Wenn Sie von nun an immer rechtzeitig wissen wollen, wohin sich die Märkte bewegen und welche Anlage-Strategie im Moment die beste ist, tragen Sie sich gleich jetzt für den kostenlosen Börsen-Newsletter ein.

Die hohe Kunst des
(Day-) Tradens

Die hohe Kunst des (Day-) Tradens

von Jochen Steffens
und Torsten Ewert

Bestellen Sie jetzt das Buch
das Ihren Trading-Erfolg
revolutionieren wird.

Mehr dazu hier!