Sind Sie boersensuechtig?

 
 
Sind Sie börsensüchtig?
von Jochen Steffens
 
Zunächst zur Börse:
 
Noch ist das bearishe Umkehrsignal, das sich am Freitag im DAX an dem wichtigen Widerstand bei 4.067 Punkten ausbildete, nicht bestätigt. Dazu müsste das Tagestief (bei 3.936 Punkten) dieser Kerze nach unten gebrochen werden. Aber auch heute prallte der DAX wieder an diesem Widerstand ab. Doch unser Augenmerk muss sich nun auf den Verfallstag richten. Dieser wird die Kurse in dieser Woche beeinflussen. Aufgrund des starken Einbruchs wird in den nächsten Tagen alles um die jeweiligen Positionierungen gehen. Nach wie vor ist damit zu rechnen, dass der DAX am Freitag über der 4.000-Punkte-Marke notiert. Kurzfristig kann es auch noch zu Kursrücksetzern kommen. Das eigentliche Kursziel bleibt aber, wie schon vor zwei Wochen geschrieben, bei 4.200 Punkten. Zu weiteren Chartanalyse im größeren Zusammenhang möchte ich auf den Text meines Kollegen Torsten Ewert im Anschluss verweisen.
 
Spiel- und Börsensucht
 
Nachdem seit einigen Jahren ein Poker-Boom durch Deutschland zieht, mehren sich nun auch die Internetseiten zum Thema Glücksspielsucht. Für Börsianer sind die Wahrscheinlichkeiten, die sich im Casino, aber auch beim Poker ergeben, im Prinzip nicht ausreichend, so dass hier eigentlich wenige Gefahren bestehen sollten, das Metier zu wechseln. Es macht keinen Sinn, die schlechteren Wahrscheinlichkeiten zu wählen. Oder, um es ganz hart auszudrücken: Wenn man mit der Börse keinen Erfolg hat, wird man es bei den anderen Glückspielen erst Recht nicht haben.
 
Aber keine Frage, auch die Beschäftigung mit der Börse selbst, gerade im Daytrading-Bereich, sind stark suchtgefährdend. Auf der Internetseite http://www.spielen-mit-verantwortung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fand ich einige Fragen, die, sofern man sie mit „Ja“ beantwortet, schon einen Hinweis auf eine mögliche Spielsucht geben können und die Börsensucht gehört eindeutig in den Bereich Glücksspielsucht.
 
Dort heißt es(Zitat):Wenn Sie Fragen mit „ja“ beantwortet haben, sollten Sie sich bewusst werden, dass Ihr Glücksspielverhalten kritisch oder sogar problematisch sein könnte!“
 
Die Fragen: 
  • Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Glücksspiel gedanklich sehr viel, z.B. um neue Gewinnstrategien zu überlegen oder Geldbeschaffung zu planen?
  • Haben Sie schon versucht, Ihr Glücksspielen einzuschränken oder zu kontrollieren und das als schwer empfunden?
  • Hat Ihr Glücksspielen schon zu Problemen in der Beziehung zu nahe stehenden Menschen geführt?
  • Haben Sie schon häufiger oder länger als vorher gespielt, um dieselbe Erregung zu erleben wie vorher?
  • Haben Sie Ihr Glücksspielen gegenüber anderen Menschen verheimlicht oder versucht, es zu verheimlichen?
  • Waren Sie jemals unruhig oder gereizt, wenn Sie nicht oder weniger gespielt haben?
  • Haben Sie wegen Spielschulden immer häufiger gespielt, weil Sie hofften, Ihre Verluste wieder zurück zu gewinnen?
  • Haben Sie schon etwas Illegales getan, um Geld für Ihr Glücksspielen zu haben?
  • Haben andere Personen schon Ihre Spielschulden bezahlt, weil Sie wegen Ihrer finanziellen Lage verzweifelt waren?
Ich fand schon interessant, dass ich gerade für die Zeit, als ich mit dem Traden anfing, einige dieser Fragen durchaus mit „Ja“ hätte beantworten können. Heute hat sich vieles relativiert. Doch auf der anderen Seite ist es natürlich auch schwierig „Faszination“ von „Sucht“ zu unterscheiden.
 
Unterschied zwischen Sucht und Leidenschaft

Und ich denke, hier liegt das eigentliche Problem der „Sucht“. Zur Sucht werden Leidenschaften meines Erachtens dann, wenn sie „schädlich“ werden. Sobald also die „Sucht“ zu sozialen oder körperlichen Schwierigkeiten führt, wird es kritisch. Bis dahin bleibt es einfach eine Leidenschaft.
 
Das bedeutet, wenn die Beschäftigung mit der Börse zu finanziellen Schwierigkeiten führt, oder die Rücklagen auffrisst, muss man natürlich aufpassen. Wenn die sozialen Kontakte nicht nur vorrübergehend, sondern andauernd Schaden nehmen, sollte man ebenfalls sehr vorsichtig werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Menschen, die sich dieser Sozialisation entziehen, werden in den meisten Fällen „komisch“, sprich sie werden in zunehmendem Maße mit psychischen Störungen zu kämpfen haben. Das darf nicht passieren. Und ich glaube, dass diese Gefahr gerade unter Börsianern sehr weit verbreitet ist. So kenne ich Trader, die nie wieder hinter ihrem Computer hervorgekommen sind und ein ziemlich einsames und unsoziales Leben führen.
 
Ganz schlimm ist es natürlich, wenn die Leidenschaft den Arbeitsplatz beeinträchtigt. Auch wenn die Börse das Familienleben stört oder sogar zerstört, wird es sehr kritisch. Gerade die letzten Fragen zeigen, wo es enden kann: Das finanzielle Ausnutzen von Freundschaften und Familienangehörigen, die finanzielle Verwahrlosung, Kriminalität.
 
Früh reagieren, bevor es zu spät ist
 
Das Problem ist dabei, wenn man bereits so weit gekommen ist, so tief im Sumpf der Sucht steckt, wird man ohne Hilfe nicht mehr aus diesem herauskommen. Gerade als Trader sollte man also sehr vorsichtig sein, wenn solche Gefahrenzeichen zu erkennen sind. Hier gilt tatsächlich: Lieber früher als später reagieren. Auf der oben genannten Seite findet man so zum Beispiel ein Beratungstelefon und einen weitergehenden Selbsttest.
 
Ohne Leidenschaft keinen Erfolg
 
Andererseits: Ohne Leidenschaft geht es einfach nicht. Wer Day-Trader werden will, muss einen ungeheuren Durchhaltewillen haben, sehr, sehr viel Zeit und Geld opfern und auf die eine oder andere Art eine gewisse Börsenverrücktheit besitzen. Wo hier also die Grenze zwischen notwendigem Wahnsinn und zerstörerischer Sucht verläuft, ist somit schlussendlich kaum zu beantworten. Doch wie in vielen anderen Bereichen ist es auch hier hilfreich, ein Bewusstsein für die möglichen Gefahren zu schaffen. Poker, Casinos und Spielautomaten sind als massive Suchtfaktoren bereits durchaus bekannt und viele Menschen nähern sich diesen Themen daher mit erhöhter Vorsicht.
 
Börse als Glücksspiel?
 
Bei der Börse ist es immer noch anders. Die Börse gilt nicht als Glücksspiel, sondern als eine gesellschaftsfähige Anlageform. Wobei das von der jeweiligen Situation abhängt: In Krisen mutiert die Börse in den Medien zum Glücksspiel, in Boomphasen aber hingegen zur begehrten und zukunftsträchtigen Anlagemöglichkeit - je nachdem, wie viel Geld die schreibende Zunft verloren oder gewonnen hat. Und genau hier verbirgt sich auch eine Besonderheit und damit der entscheidende Unterschied zum gemeinen Glücksspiel.  
 
Boom oder Doom
 
So lange die Menschen zum Beispiel in starken Boomphasen an den Börsen Gewinne machen, werden sie sich natürlich nicht als „süchtig“ bezeichnen. In diesen Phasen haben sie alles richtig gemacht und sind die Helden einer jeden Party.
 
Erst wenn diese Gewinne wegbrechen und das finanzielle Chaos droht, wird so manchem Trader bewusst, dass er einfach nicht die Finger vom Markt lassen kann und sich sein Tun und damit auch die Verluste seiner Kontrolle entziehen. In dieser Zeit, wenn die Leidenschaft existentiell wird, tauchen all die Suchtfaktoren auf. Die Betroffenen versuchen mit aller Macht und letztlich auch mit noch höherem Risiko ihre Verluste zurück zu holen. Schulden werden gemacht, um doch noch alles wieder in Ordnung zu bringen. Freundschaften zerbrechen, die Verluste werden verheimlicht etc., etc.
 
Aus diesem Grund ist es gerade in Krisenphasen wichtig, immer wieder frühzeitig auf diese Gefahren hinzuweisen. Lassen Sie es niemals so weit kommen. Eine der wichtigsten Eigenschaften eines guten Traders ist es, seine Verluste unter Kontrolle zu halten. Niemals sollte man in schwachen Phasen sein Risiko erheblich vergrößern, um Verluste auszugleichen. Das funktioniert nicht. Hier gewinnt der, der warten kann, bis sich wieder gute Signale ergeben. Und Geduld ist eines der besten Hinweise darauf, dass aus Leidenschaft noch keine Sucht geworden ist...
  

Viele Grüße
 
Jochen Steffens
 

Der DAX, die Targets und die Vorsicht am Aktienmarkt
von Torsten Ewert 
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
am Freitag erhielten die Leser der Stockstreet Investment Strategie eine Sonderausgabe mit unseren Perlen, das heißt den Aktien, die wir in der Redaktion langfristig als Kaufkandidaten sehen.
 
Seien Sie noch vorsichtig mit Ihren Engagements!
 
Es hat allerdings seine Gründe, warum wir diese Aktien im Rahmen dieser Sonderausgabe vorgestellt haben und nicht in unser normales Depot aufnehmen. Auch diese Gründe – aus fundamentaler, bewertungsmäßiger und charttechnischer Sicht – hatten wir natürlich unseren Lesern bereits ausführlich erläutert.
 
Wir sehen nämlich  immer noch eine Reihe offener Punkte, die sich entweder noch zu echten Problemen auswachsen können (Osteuropa-Schwäche, Straucheln einiger Euro-Länder) oder die ihre Wirksamkeit noch nachweisen müssen (Bankenrettung, Konjunkturprogramme).
 
An dieser Stelle möchte ich nur einen charttechnischen Aspekt herausgreifen, der sich aus der von uns exklusiv verwendeten Target-Trend-Methode ergibt. Vor einiger Zeit hatte Ihnen Jochen Steffens bereits seine verrückte DAX-Prognose vorgestellt. Ich möchte dies aus langfristiger charttechnische Sicht noch etwas ergänzen.
 
Der DAX und seiner Unterstützungen
 
 
 
Der DAX hat sich in der vergangenen Woche von der Unterkante seines breit gefassten Abwärtstrends (rot) wieder etwas nach oben abgesetzt. Dabei ist er in die Zone zwischen 4.000 und 4.200 Punkten (blau) eingedrungen. Nachdem der DAX unter die 4.000-Punkte-Marke gefallen ist, fungiert dieser Bereich nun als Widerstand. Folgerichtig fiel der DAX dort zunächst erst einmal etwas zurück.
 
Anhand des Charts sehen Sie, dass ein Hochlauf bis etwa 4.500 Punkte bereits die Überwindung etlicher Widerstände erfordert: Neben der schon genannten breiten Widerstandszone müssen auch die steile Abwärtstrendlinie (blau) und die Mittellinie des roten Kanals (gestrichelt) überwunden werden.
 
Ob es Chancen auf diesen Verlauf gibt, wird sich spätestens an dem oberen blauen Target entscheiden. Dort muss er durch, am besten sogar vorher schon vorbei.
 
Auf der anderen Seite lauern nach unten hin noch einige wichtige Targets, die bei einem erneuten Rückfall ihre Wirkung entfalten könnten. Halt geben dem DAX dabei die inzwischen recht dicht gestaffelten Unterstützungen. Von der ersten (roten) hat er sich bereits wieder abstoßen können. Doch wenn der 4.000er/4.200er Bereich weiterhin den Kurs deckelt, sind 3.500 Punkte oder weniger keine Utopie mehr.
 
Die Relevanz der Targets
 
Auf den ersten Blick scheint das Target auf der grünen Unterstützungszone bedeutsamer zu sein als das auf der gelben. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass natürlich die allermeisten Elemente, die zur Ermittlung dieser Targets führen in diesem Chart nicht zu sehen sind – es wäre einfach zu unübersichtlich. Aber tatsächlich ergibt sich auch aus der Target-Trend-Methode eine größere Relevanz für dieses Target.
 
Dennoch ist das kleinere Target etwas Besonderes. Es hat nämlich insbesondere in der langfristigen Betrachtung eine spezielle Bedeutung (siehe nächster Chart).
 
 
Quelle: MarketMaker
 
Eine mögliche Aufwärtstrendlinie, die durch die Verbindung der Tiefs von 1982 und 2003 entsteht, geht nämlich genau durch dieses Target. Und auch die Unterstützungszone, in der dieses Target liegt, reicht noch weiter zurück, nämlich bis 1997.
 
Fehlausbrüche und Intermarket-Beziehungen
 
Heißt das nun, dass das große Target in der grünen Zone nun nicht mehr von Bedeutung ist? Nein, es kann nur eine ganz andere Relevanz erfahren. Betrachten wir dazu die langfristige Situation im S&P 500:
 
 
Quelle: MarketMaker
 
Die langfristige Aufwärtstrendlinie im S&P 500 kennen Sie ja bereits. Momentan macht der US-Leitindex nun Anstalten, vor dieser Linie, an der schwach geneigten roten Abwärtslinie zu drehen, ohne den Langfristtrend zu bestätigen.
 
Theoretisch hat der Index aber bis etwa Mitte des Jahres Zeit, das eingezeichnete Target doch noch zu treffen. Der DAX würde dieser Abwärtsbewegung dann sicherlich folgen. Vorausgesetzt, der S&P dreht dann an dem Target, könnte sich im DAX im Juli/August ein Fehlausbruch nach unten an der dortigen Aufwärtslinie ergeben. Dabei wäre das Target in der grünen Zone das bevorzugte Kursziel.
 
Das Worst-Case-Szenario
 
Im schlechtesten Fall (Worst Case) fällt der S&P aber erst zum Jahresende bzw. Anfang 2010 an den Abwärtstrend oder – noch fataler – an die eingezeichnete Unterstützung bei 600 Punkten zurück, bevor es wieder aufwärts geht. Speziell im letzteren Fall käme es dann auch hier zu einem (fehlerhaften) Bruch des Trends.
 
Dann kann der DAX in einer Art vorauseilendem Gehorsam durchaus auch das oben gezeigte Target knapp oberhalb von 2.500 Punkten erreichen. Das entspricht übrigens exakt dem Szenario, dass Jochen Steffens Ihnen letztens hier vorgestellt hat.
 
Diesen Fall (dass der DAX abweichend von den US-Indizes ein neues markantes Tief ausbildet) hatten wir übrigens auch 2003. Auch in früheren Korrekturen neigte der DAX in der Endphase häufig gegenüber dem US-Markt zur Schwäche.
 
Bis zum Jahresende abwärts?
 
Nun sieht das für Sie vielleicht so aus, als ob es geradezu vorprogrammiert ist, dass die Märkte bis zum Jahresende abwärts laufen. Das sicherlich nicht so. Aber die Indizes müssen eben schon einige Hürden nehmen: im DAX die 4.000/4.200er Zone, im S&P die 800-Punkte-Linie.
 
Doch in der Tat gibt es bisher keine Anzeichen, dass die Märkte in den nächsten Monaten entscheidende Marken überwinden können. So hätte der S&P 500 vor weiteren Ambitionen zum Beispiel erst einmal die Marke von 940 Punkten zu knacken (gestrichelte rote Linie im Chart). Und bis dahin würde er bereits fast 25 % Kurssteigerung erzielt haben. In der letzten Zeit hat der Index nicht erkennen lassen, dass dazu quasi aus dem Stand in der Lage ist.
 
Unter anderem genau aus diesem Grund haben wir den Lesern der Stockstreet Investment Strategie empfohlen, sich mit Investments in unsere Perlen Zeit zu lassen und Geduld zu üben...
 
Mit besten Grüßen
 
Torsten Ewert
 
PS: Wenn Sie sich allerdings jetzt schon in eine gute Startposition bringen wollen für die Zeit, wenn die Märkte wieder drehen, dann sichern Sie sich das kostenlosen Probeabo der Stockstreet Investment Strategie. Klicken Sie dazu hier.

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