Boden oder Zwischenerholung?

 
 
Boden oder Zwischenerholung?
von Jochen Steffens
Das ist zurzeit die Frage aller Fragen: Ist das, was wir in den letzten Wochen an den Märkten sehen, bereits eine Bodenbildungsphase oder nur eine Zwischenerholung? Und trotz aller Analysen, kann sie zurzeit noch nicht eindeutig beantwortet werden. Fakt ist aber, dass wir uns auf einem sehr wichtigen Niveau befinden. Sollten die Tiefs der letzten Woche noch einmal nachhaltig unterschritten werden, ist eine weitere, unter Umständen auch massive Abwärtsbewegung möglich.
Zurzeit fehlen mir einfach die Zeichen der Stärke, dazu der S&P500-Future-Chart:
Man sieht, dass in den letzten 10 Handelstagen jeder Ausbruch über ein vorheriges Hoch (blaue Kreise) wieder nach unten abverkauft wurde. Die blauen Kreise stellen demnach alle falsche Ausbrüche (false breaks) dar. Eine derartige Häufung muss man einfach als Zeichen der Schwäche interpretieren. Die Bullen konnten bisher keine der Chancen nutzen.
Stressige Bodenbildungsphasen
Natürlich kann sich trotzdem gerade auf dem aktuellen Niveau ein Boden bilden. Bodenbildungsphasen sind grundsätzlich höchst stressig für die Anleger, da sie eigentlich immer erst sehr spät klare Signale liefern. Ein solches Signal wäre eine vollendete inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation im Dax (die ich in der letzten Woche hier vorgestellt habe). Doch hier fehlt immer noch der letzte entscheidende Faktor: Ein Anstieg über die Nackenlinie bei steigendem Umsatz: 
 
Im Moment franst die rechte Schulter ein wenig nach rechts aus, wie man sieht. Eigentlich hätte sich bereits vor drei Handelstagen (Donnerstag / Freitag letzter Woche) das Tief ausbilden müssen. Das wäre bullish gewesen. Jetzt wird es langsam kritisch für die inverse SKS.
Es kann zwar nach wie vor zu einem Bruch der Nackenlinie und damit zu einer Vollendung der Formation kommen (hier rote Linie), aber das müsste in den nächsten Tagen geschehen. Und generell gilt: Je weniger symmetrisch die Ausbildung einer SKS verläuft, desto geringer wird die Eintrittswahrscheinlichkeit nach Überwindung der Nackenlinie.
Sehr bearishe Variante
Ich kann aber das Chartbild auch ganz anders zeichnen:
Es könnte nämlich auch genauso gut zu einer weiteren Abwärtswelle kommen. Dann wäre das, was wir in den letzten Wochen gesehen haben keine inverse SKS, sondern nichts anderes als eine einfache Gegenbewegung in einem scharfen Abwärtstrend gewesen. Wenn die Tiefs also nachhaltig nach unten gebrochen werden, wird es sehr kritisch für den Dax. Charttechnisch wäre dann noch Potenzial bis runter auf die 2700-Punkte-Marke. Potenzial heißt nicht, dass er bis dahin auch wirklich fallen muss!
Wahrscheinlicher ist , dass bereits vorher zumindest eine schärfere Gegenreaktion einsetzen wird, zumal dann auch noch im S&P50 das Tief aus 2002/2003 als Unterstützung dient. Sollte das Potenzial allerdings gänzlich ausgenutzt werden, will ich lieber  nicht wissen, wo dann einzelne Aktien im Dax stehen werden. Wahrscheinlich könnten wir dann ehemals gewichtige Dax-Werte einstellig erwerben...Auch wenn das für sich genommen verlockend klingt, hoffen wir zum Wohle aller, dass es dazu nicht kommen wird.
Viele Grüße
Jochen Steffens
 
US-Wirtschaftsdaten
von Jochen Steffens
Die Erzeugerpreise sind im Oktober deutlicher als erwartet um 2,8 % zurückgegangen. Das ist der stärkste Rückgang aller Zeiten! Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 1,8% gerechnet. Hier sieht man (endlich) den erwarten starken Einfluss der sinkenden Energie- und Rohstoffpreise.
Die Kernrate (ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise) ist jedoch noch um 0,4% angestiegen. Analysten hatten mit einem Plus von nur 0,1% gerechnet. Wie erwartet, reagiert die Kernrate zeitversetzt.  
 
Es ist das, was ich vor Kurzem geschrieben habe: Die USA schliddert in eine handfeste Deflation. Ich bin gespannt, wie die Fed reagieren wird. Sicher ist aber, dass wir so schnell keine steigenden Zinsen mehr sehen werden. Das ist insoweit gut für den Markt.   

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