Kommt es zu einer starken Gegenbewegung?

 
 
Kommt es zu einer starken Gegenbewegung?
von Jochen Steffens
 
Da zurzeit fundamentale und wirtschaftliche Analysen kaum helfen, um den weiteren Verlauf der Börsen im kurz- und mittelfristigen Bereich zu bestimmen, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns weiter an die Charts zu halten. Nächste Woche werde ich, wenn die Börse es zulässt, auf das Thema „Deflation oder Inflation“ in den USA als Folge der Finanzmarktkrise eingehen.
 
Der Vergleich zwischen dem Kursverlauf im Jahr 2000 und jetzt
 
 
 
Noch einmal kurz: Sowohl im Jahr 2000 (unterer Chart) als auch aktuell kam es nach einer Seitwärtsbewegung (blaue Rechtecke) zu einer Keilformation. Als diese nach unten gebrochen wurde, folgten starke Kursverluste. Aktuell sogar etwas dynamischer als im Jahr 2000.
 
Einbruch um ca. 4.000 Punkten
Interessant ist, dass im Jahr 2000 das Hoch der Seitwärtsbewegung bei 7.500 Punkten lag. Das erste große Tief im September 2001 wurde bei 3.500 Punkten, also 4.000 Punkte tiefer ausgebildet.
 
Die obere Linie der Seitwärtsbewegung 2007 lag bei 8.150 Punkten, das Tief lag am Freitag bei 4.300 Punkten, also auch knapp 4.000 Punkte tiefer (!). Eventuell fallen die Kurse sogar noch in den Bereich der 4.150-Punkte-Marke, dann würde es genau stimmen. So gesehen ist eigentlich zurzeit nicht viel anderes passiert, als im Jahr 2001. Wobei der Einbruch im September 2001 natürlich durch den Terroranschlag am 11. September beschleunigt wurde. Damals wie heute entstand durch „äußere“ Ereignisse die Sorge, dass die Weltwirtschaft massiv beeinträchtig wird.
 
Gegenbewegung wird äußerst wichtig werden

Wichtiger als die Spanne des Abverkaufs wird für uns jetzt eine mögliche Gegenbewegung werden. Im Jahr 2001/02 schaffte es die Gegenbewegung lediglich bis zu den letzten Tiefs vor dem Einbruch. Das war aus charttechnischer Sicht ein deutliches Zeichen der Schwäche!
 
Auf die heutige Situation übertragen bedeutet das: Wenn der Dax in einer Gegenbewegung nicht die Tiefs vor dem Einbruch bei ca. 6.015 Punkten überwinden kann, müssen wir mit weiter fallenden Kursen rechen. Das wäre unter Umständen das entscheidende Signal für einen langfristigen Bärenmarkt. In diesem Fall müsste man auch die Idee einer großen Seitwärtsbewegung hinterfragen.
 
Ich glaube aber, wie ich schon bei der ersten Vorstellung dieses Vergleiches geschrieben habe, dass dieser Gleichlauf zwischen der Kursbewegung 2000-2003 und der aktuellen nicht lange Bestand haben wird.  
 
Ein Zeichen der Stärke wäre es, wenn der Dax die letzten Hochs bei 6.650 Punkten überwinden könnte. Damit wäre dann der Vergleich mit der Entwicklung im Jahr 2000 endgültig hinfällig.
 
Wenn es also über der 4.000er Marke zu einer entsprechend großen Gegenbewegung kommt wird, erhalten wir durch diese vergleichsweise klare Signale über den weitern Verlauf der Börsen. Ein Hinweis auf diese mögliche Gegenbewegung liefert uns der Nasdaq100:
 
W-Formation
 
Ich hatte gestern geschrieben, dass noch ein paar W-Formationen möglich sind. Hier das entsprechende Beispiel dazu: Der Nasdaq100-Future:
 
 
Wenn man sich genau mit dem Chart auseinandersetzt, erkennt man eine unglaubliche Symmetrie der Abwärts- und Aufwärtsbewegungen. Das ist ein typisches Kennzeichen für eine W-Formation. Wenn es zu einer W-Formation kommen sollte, dann müssten die Kurse nun unter weiteren Schwankungen an die 1.500-Punkte-Marke laufen. Erst wenn diese Marke dann auch überwunden wird, wäre die W-Formation als Bodenformation abgeschlossen. Dann sind auch Kurse um 1.700 und höher denkbar.
 
Gefährlich wird diese mögliche W-Formation im Bereich der 1.380er Marke. Bis dahin können die Kurse noch jederzeit wegbrechen. Erst bei einem nachhaltigen Bruch dieser Marke wird es dann etwas bullisher. Sollten die Kurse daraufhin jedoch an der 1.500er-Marke scheitern, muss man zunächst mit einer volatilen Seitwärtsbewegung zwischen 1.180 und 1.500 rechnen.
 
Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 
P.S. Hinweis: Heute ist die 2. Ausgabe des Abgeltungssteuer-Spezials von Stockstreet erschienen.

 
US-Wirtschaftsdaten
 von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Wohnbaubeginne ist im September um 6,3 % auf  817.000 zurückgegangen. Erwartet wurden 870.000 bis 880.000 nach noch 872.000 im Vormonat.  Auch die Zahl der US-amerikanischen Wohnbaugenehmigungen liegt im September bei 786.000, das ist ein Minus von 8,3 % zum Vormonat. Analysten hatten 840.000 bis 845.000 erwartet.
 
Das ist immerhin der niedrigsten Stand seit November 1981. Also auch hier sehen wir dramatische Einbrüche. Kein Wunder, angesichts der Krise auf dem Kreditmarkt in den USA. Leider wäre aber gerade eine Beruhigung des US-Immobilienmarktes ein sehr bullishes Signal an die Märkte. Darauf können wir aber zurzeit sicherlich nicht setzen.
 
Angesichts der dramatischen Ereignisse, verwundert es auch nicht, dass der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan im Oktober auf 57,5 Punkte geradezu einbricht. Erwartet wurde er im Bereich 65 bis 68, nach 70,3 Punkten zuvor!  
 
Deutlich sieht man den Einbruch, nachdem er sich zuletzt doch deutlich erholt hatte. Noch sind aber die Jahrestiefs nicht wieder erreicht worden.

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