Tee und Kiwis

 
 
Tee und Kiwis
von Jochen Steffens
 
Fangen wir heute mit den positiven Nachrichten an: Der Multimilliardär Warren Buffett investiert über seine Berkshire-Hathaway-Holdinggesellschaft fünf Milliarden Dollar in die frühere Investmentbank Goldman Sachs. Vom Markt wird dieser Einstieg natürlich als ein Vertrauensbeweis in die US-Finanzwirtschaft aufgefasst. Die Frage ist, ob der Einstieg wirklich so gut gewählt ist. Wahrscheinlich ist Warren Buffett davon ausgegangen, dass der Rettungsplan der US-Regierung einfach so durch den Kongress durch gewunken wird.
 
Und damit sind wir direkt auch bei den schlechten Nachrichten: Der 700 Milliarden Dollar schwere Rettungsplan der US-Regierung ist jedoch auf scharfe Kritik im Bankenausschuss des Senats gestoßen und zwar nicht nur auf Seiten der Demokraten, auch republikanische Stimmen äußerten sich kritisch.
 
Angesichts der offenbar massiven Probleme des US-Finanzsektors frage ich mich aber, ob es sich bei diesen Äußerungen im Senat nicht lediglich um Wahlkampf handelt, mit der Folge, dass der Rettungsplan letztlich doch ohne Probleme beschlossen wird. Das muss abgewartet werden.
 
Schließlich liefern sich Barack Obama und McCain zurzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen im US-Präsidentschaftswahlkampf. In letzter Zeit konnte Barack Obama wieder deutlich zulegen und liegt nun wieder vor John McCain. Hier hat die aktuelle Krise den Demokraten genutzt.
 
Für die Märkte wird sich wahrscheinlich im Zusammenhang mit diesem Rettungsplan entscheiden, ob sich der aktuelle Bodenbildungsversuch bestätigt oder wir weiter fallende Kurse sehen.
 
Schlecht oder gut für den Dollar
 
Interessant wird auch sein, was der Dollar macht. Angesichts der drohenden, massiven Neuverschuldung der USA, sollte der Dollar eigentlich wieder Schwäche zeigen. Ich schätze, genau auf dieses Szenario werden viele Anleger traden. Das Problem ist, sollte dieser Rettungsplan durchkommen und sollte sich im Anschluss daran die Kreditmarktkrise beruhigen, könnte das der Fed Raum geben, die Leitzinsen wieder anzuheben.

Und ich fürchte, genau das wird sie tun. Ben Bernanke wird wissen, dass er sich nun nicht auch noch einen massiven Dollareinbruch erlauben kann. Irgendjemand muss schließlich der US-Regierung Geld leihen. Sollte der Dollar weiter massiv einbrechen, könnte es schwieriger werden, an das Geld der Welt heranzukommen. Zudem wird Ben Bernanke auch wissen, dass dieser Rettungsplan den Inflationsdruck wieder erhöhen wird. Auch darauf muss er mit Zinserhöhungen reagieren.
 
Ein möglicherweise gutes Ende?
 
Es kann natürlich auch gut sein, dass die US-Regierung theoretisch auch einen großen Gewinn mit diesen Krediten, die sie aufkaufen will, machen kann. Wenn der Kreditmarkt sich wieder beruhigt, der Immobilienmarkt in den USA sich fängt, wer weiß. Es kommt natürlich auf die genauen Modalitäten der Übernahmen an, und hier bin ich gespannt, was letztendlich beschlossen wird.
 
Vorsicht ist geboten
 
Trotzdem, insgesamt ist weiterhin große Vorsicht angebracht. Es stimmt wahrscheinlich, wir standen in den letzten Jahrzehnten selten so nahe an einer größeren Weltwirtschaftskrise, wie jetzt. Ich bin auch deswegen sehr gespannt, ob der Markt die aktuellen Chancen auf eine Bodenbildung tatsächlich nutzt, bzw. nutzen kann.
 
Tee und Kiwis
 
Ich werde mich aber erst einmal wieder meinem Tee und den Kiwis zuwenden, um endlich meinen grippalen Infekt loszuwerden. Es nervt schon ziemlich, wenn man sich schlapp und müde fühlt, während derart entscheidende umwälzende Ereignisse passieren. Aber vielleicht hat es ja zurzeit auch etwas Gutes, wenn der Verstand etwas umnebelt ist und alles nur leicht gefiltert zu einem dringt.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens
 
P.S. Übrigens Kiwis sind neben Zink meiner Erfahrung nach tatsächlich die beste Waffe gegen Erkältungen.
 

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