Der Dollar verzerrt das Bild

16.07.2008
Der Dollar verzerrt das Bild
US-Wirtschaftsdaten

Der Dollar verzerrt das Bild

von Jochen Steffens
 
Hinweis in eigener Sache: Unter dem folgenden Link finden Sie meine neue Trader-Kolumne auf Börse-Online: Titel: Durch Schmerz zum Erfolg.

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Ich hatte gestern davon geschrieben, dass die aktuelle Bankenkrise vielleicht noch zu dem 2000er Crash gehört. Frei nach dem Motto: Jeder große Aktiencrash wird mit einer Bankenkrise beendet. Dazu hatte ich den S&P500 Chart gezeigt. Die Frage war, ob es angesichts der Rallye der letzten Jahre sinnvoll ist, die aktuelle Bankenkrise noch dem Aktien-Crash zuzuordnen. Wie gestern beschrieben, besteht zumindest eine fundamentale Verbindung: Die niedrigen US-Leitzinsen im Zusammenhang mit dem Crash führten zu einer aggressiven Kreditvergabe im Bereich des US-Immobilienmarktes, dessen Zusammenbruch nach dem Boom schlussendlich die aktuelle Bankenkrise mit verursacht hat.

Der S&P500 in Euro

Hierzu noch eine Ergänzung: Was wäre, wenn man aus dem S&P500 die Dollarschwäche herausrechnen würde?

 

Also habe ich mir den S&P500 einmal in Euro angesehen. Tatsächlich ergibt sich so auch charttechnisch ein vollkommen anderes Bild. In diesem Chart ist die Rallye der Jahre 2003-2007 nichts anderes als eine eher schwächliche Erholung nach dem Crash. Hier würde demnach jeder Chartanalyst noch einen Zusammenhang zwischen aktueller Bankenkrise und dem Aktien-Crash 2000-2003 erkennen. In Euro hat sich der S&P500 nach dem Crash schließlich kaum erholt.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich der Idee abgewinnen, dass eigentlich erst die aktuelle Bankenkrise den 2000er Crash beenden wird.

Natürlich hilft diese Erkenntnis allein uns zunächst nicht, die Dauer dieser Krise zu bestimmen, oder die Frage zu beantworten, wo die Märkte einen Boden finden. Aber wenn diese Bankenkrise vorbei ist, würde sich demnach ein sehr guter langfristiger Einstiegszeitpunkt ergeben.

Abgeltungssteuer und ETF

Für uns ist das interessant, da ab 2009 die Abgeltungssteuer eingeführt wird. Wenn man also sein Geld langfristig auf Sicht von mind. 20 Jahren anlegen will, sollte man bereits jetzt anfangen, nach und nach erste Positionen aufzubauen.

Ich empfehle hier einen passiv gemanagten ETF (Exchange Traded Fund (an der Börse gehandelte Fonds) auf den Dax oder den Euro-Stoxx. Dieser bildet lediglich den Dax (oder den Euro Stoxx) 1 zu 1 ab. So können Sie das Einzelaktienrisiko ausschalten und mit niedrigen Gebühren bei einer relativ sicheren Anlageform  perfekt langfristig anlegen. Wenn Sie diese ETFs über die Börse kaufen, sparen Sie sich auch noch den Ausgabeaufschlag.

Dax unter der 6000 Punkte Marke

Na, es hätte mich aber auch gewundert, wenn der Dax einen Boden gefunden hätte, ohne dass er die 6000 Punkte Marke kurz nach unten verletzt. Und genau das hat er heute gemacht. Das Tief lag bei 5999,3 Punkten! Mit diesem leichten Bruch ist es durchaus möglich, dass der Dax jetzt zu einem stärkeren Reversal ansetzt. Denn genau das wäre mehr als typisch: Erst noch einmal schocken und dann geht es zur Sache.

Dabei hatte gestern Ben Bernanke vor den Mitgliedern des Bankenausschusses des US-Senats vor einem weiteren Abschwung der amerikanischen Wirtschaft gewarnt. Die US-Wirtschaft sehe sich gegenwärtig mit zahlreichen  Problemen konfrontiert. Zu diesen Problemen zählen die hohe Inflation, die steigenden Energiepreise, härtere Kreditkonditionen und ein sich immer weiter fortsetzender Abschwung am US-Immobilienmarkt.

Trotzdem stabilisieren sich aktuell die Märkte. Das liegt jedoch hauptsächlich am Ölpreis, der deutlich unter die Räder kommt. Und das wiederum hängt wohl damit zusammen, dass bei einer signifikanten Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA auch das Weltwirtschaftswachstum schrumpfen würde. Eine schrumpfende Weltwirtschaft wird sich auf den Verbrauch von Öl auswirken, so dass die Nachfrage zurückgehen könnte. Ich frage mich derweil, ob es das nun beim Öl schon war...


Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

P.S. Heute um 20.00 Uhr wird das Sitzungsprotokoll der letzten Fed-Zinssitzung veröffentlicht. Darauf könnte der Markt in der aktuellen Situation entsprechend heftig reagieren.


US-Wirtschaftsdaten

Die Verbraucherpreise sind im Juni um 1,1 % gestiegen. Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,7 bis 0,8 % gerechnet, nach zuvor 0,6 %. Auf das Jahr gesehen stiegen die US-Verbraucherpreise um 5,0 % an. 

Ben Bernanke hatte es angekündigt: Er rechnet damit, dass die Inflationsraten noch bis zum Jahresende weiter ansteigen. Ich denke es wird von der weiteren Entwicklung des Ölpreises abhängen.

Aber auch hier ist die Kernrate "nur" um 0,3 % gestiegen. Die Erwartungen hatten hier bei unverändert +0,2 % gelegen. Im Jahresvergleich stieg die Rate um +2,4 % an.

Die Industrieproduktion ist im Juni um 0,5 % gestiegen.
Erwartet wurde ein Anstieg im Bereich 0,0 bis 0,2 %, nach 0,2 % zuvor.

Die Kapazitätsauslastung lag im Juni bei 79,9 %. Erwartet worden waren 79,4 %, nach zuvor 79,6 %.

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