Ein bedenkliches Zeichen
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Schauen wir uns einfach den Chart an:

Doch wieder Short?
Rückblick und Topbildungen
Shortpositionen
Wann das Verhältnis zu Gunsten der Short-Positionen kippen würde
Lassen wir nichts außen vor
Das Problem mit der Masse
Viele Grüße
Objekt der Begierde: Continental AG
Die Continental AG, kurz „Conti“ genannt, zählte ja immer schon zu den Lieblingsobjekten möglicher Übernahmewilliger aus dem In- und Ausland. Grund hierfür war die geringe Börsenkapitalisierung, die es den Interessenten leicht machte, den Brocken zu finanzieren und zu schlucken.
Zudem war das recht zyklische, arbeits- und rohstoffintensive Reifengeschäft immer recht (konjunktur-) anfällig und damit gelegentlich auch ein vergleichsweise billiger Happen.
Erfolgreich auf dem Weg zur Unattraktivität
Der erste bedeutende Angriff ging bereits Anfang der 1990er Jahre über die Bühne. Damals versucht sich der italienische Konkurrent Pirelli an einer Übernahme des damals noch reinrassigen Reifenherstellers aus Hannover.
Danach war lange Zeit Ruhe. Interessenten – vor allem aus der Private-Equity-Branche – schauten aber immer wieder mal wieder in Hannover vorbei. Zuletzt wurde erst im vergangenen Jahr hinter den Kulissen ein Deal eingefädelt, der allerdings nicht zuletzt aufgrund ungeschickten Agierens aller Beteiligten platzte.
Conti-Vormann Manfred Wennemer wird damals tief durchgeschnauft haben. Ist doch damit der Krug zunächst noch einmal an ihm vorbeigegangen. Es wäre aber auch zu ärgerlich gewesen, hätte er kurz vor der Zielgeraden noch die Zügel aus der Hand geben müssen.
Hat er sich doch seit seiner Amtsübernahme im Jahre 2001 recht erfolgreich daran gemacht, den Konzern für potenzieller Übernahmeinteressenten unattraktiv zu machen.
Bestes Mittel gegen die eigene Übernahme: ein hoher Aktienkurs
Eigentlich klingt das etwas paradox: „einen Konzern unattraktiv zu machen“. Allerdings ist das durchaus auch im Sinne der Aktionäre, denn was vor allem gegen eine Übernahme hilft, ist ein Aktienkurs, der so hoch ist, dass ein Käufer einen viel zu hohen Preis zahlen müsste.
Doch genau das ist Manfred Wennemer letztlich gelungen. Conti gehörte zu den Highflyern im DAX seit 2003. Der Kurs verzehnfachte sich fast (siehe Chart unten). Bei der Wahl der Methoden war Wennemer nicht zimperlich: Übernahmen, Kosteneinsparungen, Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer wie Rumänien, Werksschließungen. Allerdings gelang es ihm dabei zunehmend, aus dem ehemaligen „Gummiwerk“ einen Automobilzulieferer mit Profil im Bereich Fahrwerk zu machen.
Ironie des Schicksal: VDO-Übernahme sollte Conti endgültig „abschotten“
Tatsächlich war der Sommer 2007, als namhafte Hedgefonds an einer neuen Übernahme von Conti bastelten, der letzte „Point“ für eine solche Aktion. Nicht nur, dass aufgrund der Finanzkrise Übernahmen langsam schwieriger für Finanzinvestoren wurden. Auch Conti-Boss Wennemer war dabei, den Konzern endgültig „wasserdicht“ zu machen – dachte er.
Willkommenes Mittel zum Zweck war die Übernahme des Geschäftsbereiches VDO von Siemens. Stolze 11 Milliarden Euro (nach Steuern!) ließ sich Conti dieses Geschäft kosten. Das ist mehr als der VDO-Jahresumsatz von etwa 10 Milliarden Euro – für den Automobilsektor ein ziemlich großzügiger Preis.
Aber damit nicht genug. Conti finanzierte diesen Deal auch noch fast ausschließlich auf Pump. Damit sollte jedem potenziellen Käufer eine Übernahme vergällt werden.
Ein hoher Preis für eine große Übernahme (VDO entsprach damals etwa zwei Drittel der Größe der „alten“ Conti), dazu auch noch mit Schulden finanziert und eine bevorstehende, vermutlich längerfristige Integration und Umstrukturierung.
Die üblichen Finanzinvestoren schreckt so etwas ab, die bevorzugen „fertige“ Unternehmen oder solche, die man leicht „filettieren“ kann.
Frecher Übernahmeversuch von INA Schaeffler
Sollte sich das (inzwischen von beiden Seiten bestätigte) Interesse der Schaeffler-Gruppe tatsächlich zu einem Übernahmeversuch ausweiten, dann wäre das schon ein mächtig raffinierter Schachzug des mittelfränkischen Familienunternehmens.
Zunächst einmal bringen die „Kugellager“-Spezialisten aus Herzogenaurach (richtig, die Stadt an der A3 Richtung Nürnberg beherbergt nicht nur Adidas und Puma, die alleine schon jede andere 23.000-Seelen-Gemeinde glücklich machen würden, sondern als Hauptarbeitgeber die Schaeffler KG) nur etwa ein Drittel an Umsatzgröße auf die Waage.
Trotzdem haben sie aber bereits 2002 mit der Übernahme des damaligen MDAX-Wertes FAG Kugelfischer bewiesen, dass sie nicht nur einen größeren Wettbewerber übernehmen und erfolgreich integrieren können, sondern dabei auch vor einer feindlichen Übernahme nicht zurückschrecken (FAG hat sich ein paar Monate mächtig gewehrt). Mit einem Angriff auf einen DAX-Konzern spielen die Franken nun in einer ganz anderen Liga.
Die größte Frechheit ist allerdings der vermutete Übernahmepreis. Von gerade einmal 10 Milliarden Euro ist dabei die Rede. Das wäre ja weniger als der von Conti für VDO gezahlte Preis! Das ursprüngliche Conti-Geschäft gäbe es sozusagen „umsonst“ mit drauf.
Perfekter antizyklischer Einstiegsversuch
Das Tolle dabei ist, das selbst dieses 10-Milliarden-Angebot (das ja noch gar nicht offiziell auf dem Tisch liegt!) einen satten Aufschlag von ca. 15 % auf den Conti-Schlusskurs vom Freitag bedeuten würde.

Gelobt seien Börsenkrise und Sommerloch! Damit kommen die Schaeffler-Leute zunächst günstig an den Verhandlungstisch und liefern uns ein Lehrstück in antizyklischer Denk- und Handlungsweise. Obwohl schon wieder auf Conti als Übernahmeobjekt spekuliert wurde, was sich auch in den Kurszielen der Analysten niederschlug, hatte die Franken keiner auf seiner List. Ein perfekter Schuss aus dem Hinterhalt!
Rätsel über die Hintergründe
Trotzdem ist diese ganze Aktion immer noch mit einer ordentlichen Portion Fragen behaftet. Warum wird das Schaeffler-Interesse bereits jetzt publik, wo doch angeblich noch gar keine offiziellen Verhandlungen laufen. Wieso kursieren dann aber schon konkrete Zahlen?
Will da etwa jemand den Franken die Suppe versalzen und den Preis in die Höhe treiben? Klar ist, Conti ist sicher mehr wert. Der konsolidiert Umsatz von Conti mit der VDO liegt bei knapp 27 Milliarden Euro. Übliche oder faire Vielfache für Automobil- oder Zulieferunternehmen könnten von 0,5 bis 0,8 des Jahresumsatzes reichen. Das entspräche 13,5 bis 21,6 Milliarden Euro.
Aufgrund des noch nicht verdauten VDO-Brockens und einiger Probleme im Reifengeschäft sollte man vorsichtigerweise die untere Grenze ins Auge fassen. Aber selbst das wäre ein nochmaliger Aufschlag von 25 % auf den heutigen Börsenkurs. Nicht schlecht für einen kleinen Trade (Ein solcher Trade auf eine „Übernahme-Arbitrage“ ist übrigens eine bevorzugte Spezialität eines anderen großen Antizykliker und Mega-Investors: Warren Buffett ...).
Was will INA Schaeffler mit Conti?
Die 64.000-Dollar-Frage ist aber natürlich, was die Schaeffler-Leute mit Conti wollen. Das sind reinrassige Wälzlager-Spezialisten. Zwar haben sie die FAG-Übernahme bravourös gemeistert, aber damals ging es nur um die Integration eines passenden Geschäfts von bekannter Art. Es war die gleiche Branche, gab aber wenig Überschneidungen, so dass FAG eine willkommene Ergänzung war.
Dadurch gab es auch keinen Stress mit der Gewerkschaft, denn es gab praktisch keinen Personalabbau und andere kritische Reibungspunkte. Conti wäre ein ganz anderes Kaliber. Nicht nur, dass Schaeffler wieder sehr tief in den Automobilsektor eintauchen würde (diese Abhängigkeit sollte mit FAG ausdrücklich verringert werden), sondern fast alle Conti-Bereiche sind völlig abseits von dem, was INA bisher macht – vom Reifengeschäft ganz zu schweigen.
Daher wird auch schon über eine Abspaltung der Reifensparte und anderer Bereiche spekuliert – etwas, das Conti bisher kategorisch ausschloss. Ergo würde es tatsächlich auch diesmal auf eine feindliche Übernahme hinauslaufen, bei der INA dann auch die Arbeitnehmervertreter gegen sich hätte. Diese haben sich nämlich vorsorglich auch schon gegen den Vorstoß aus Franken ausgesprochen.
Ich bin also wirklich gespannt, was aus dieser Geschichte wird. Na, jedenfalls scheint heuer das Sommerloch nicht gar so langweilig zu werden ...
