Politische Boersen und ihre kurzen Beine

Politische Börsen und ihre kurzen Beine

Ich hatte vor einiger Zeit in einem anderen Zusammenhang geschrieben, dass auch die politische Situation in den USA zumindest kurzfristige Auswirkungen auf die Börse haben wird.

Gestern scheint die Entscheidung zwischen Hillary Clinton und Barack Obama zu Gunsten von Obama gefallen zu sein. Nach Berechungen von CNN konnte Obama sich schon früh am Dienstagabend die Anzahl der Delegierten sichern, die für eine Nominierung als Präsidentschaftskandidat notwendig ist.

Die Börse bevorzugt Clinton

Der große Unterschied zwischen Clinton und Obama ist, Hillary Clinton wird allgemein die bessere Wirtschaftspolitik zugetraut. Obama gilt hingegen als unerfahren und damit als Unsicherheitsfaktor. Die Börsen mögen keine Unsicherheit und preisen diese über fallende Kurse ein.

Nun war das Bild gestern bereits von schlechten Nachrichten getrübt, so dass es wieder einmal schwer zu klären ist, ob nicht auch diese Entscheidung einen maßgeblichen Einfluss auf die Kurse hatte.

Wenn Sie die Entwicklung in den letzten Monaten verfolgt haben, konnte man jedoch feststellen, dass gute Nachrichten für Obama oft schlechte für den Markt waren. Und somit ist nicht auszuschließen, dass auch gestern die Kursverluste zu einem Teil auf die Entscheidung im Präsidentschaftswahlkampf zurückzuführen waren. Aber solche Kurskapriolen, im Zusammenhang mit politischen Themen, sind meistens nur von kurzer Dauer. Wie heißt es so schön: Politische Börsen haben kurze Beine.

Wallstreet spendet für Obama, ein Widerspruch?

Schaut man sich das Spendenvolumen der Wallstreet an, steht Obama an erster Stelle:

So soll Obama nach Angaben des Zentrums für Verantwortliche Politik (CRP) aus der Wertpapier- und Investment-Ecke satte 7,9 Mio. Dollar erhalten haben. Hillary Clinton liegt mit 7,1 Mio. Dollar knapp dahinter. Ist es also nur ein Gerücht, dass die Börse Clinton bevorzugt hat?

Nein, Ende 2007 sah das Bild noch ganz anders aus. Bis dahin lag Hillary Clinton deutlich vorne. Börsianer lieben es aber, nicht nur in der Politik, auf die Gewinner zu setzen.

Je deutlicher sich demnach ein Sieg Obamas abzeichnete, umso mehr Spendengelder flossen auf sein Konto. Gerade die Amis halten zu den Siegern, während wir hier in Deutschland oft genug ein Herz für die Verlierer haben - beides hat vor und Nachteile...

Keiner mag McCain?

John McCain notiert hingegen zurzeit weit abgeschlagen mit 4,1 Mio. Dollar Spendengeldern deutlich hinter den Demokraten. Will keiner McCain als Präsident sehen? Diese Zahl sollten Sie nicht überbewerten. Bisher hat sich der Wahlkampf im Lager der Demokraten abgespielt. McCain wollte sich als lachender Dritter und Sieger positionieren und ist dabei etwas in den Hintergrund gerutscht. Das Spendenbild kann sich jedoch schnell ändern, wenn McCain die große Keule auspackt und die Verbalakrobatik der beiden Präsidentschaftskandidaten zu neuen Glanzleistungen antreibt. Die Spiele sind eröffnet, möchte man fast rufen.

Die Börse bevorzugt in den meisten Fällen den republikanischen Kandidaten

Allgemein bevorzugt die Börse die Republikaner. Das hat einen logischen Hintergrund. Im Nominierungskampf zwischen Clinton und Obama neigten beide Kandidaten dazu, die protektionistische Karte zu spielen. Die Einschränkung des freien Handels gilt unter den Demokraten als Argument, das Wähler zieht. Wenn die Börse jedoch eins nicht mag, dann sind das protektionistische Anwandlungen seitens Politiker – obwohl jeder weiß, dass hier nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

Medienkrieg und -frust

Auf jeden Fall können wir uns nun wahrscheinlich auf viel schmutzige Wäsche, noch schmutzigere Kampagnen, Unterstellungen, düstere Vergangenheiten und üble Nachrede freuen. Ich frage mich immer, wann die US-Wähler die Schnauze voll von diesem Medienkrieg haben und nicht den wählen, der die lautesten Stammtischparolen rausklopft, sondern vernünftige Politik betreibt – aber ich fürchte das wird ein Traum bleiben.

Und damit sei noch ein kurzer Blick auf die Charts gegönnt:

Den Dax-Chart hatte ich Ihnen schon am Montag vorgestellt. Der Dax hängt immer noch zwischen der Widerstandszone bei 7020-7100 und dem alten noch offenen Gap (Kurslücke) bei 6850 Punkten fest. Da hat sich noch nicht viel getan.

Der Nasdaq100 hat wiederum Probleme mit seinem großen Gap bei 2020-2040 Punkten:


Zweimal nun ist der Nasdaq100 an diesem Gap (hier grün eingezeichnet) gescheitert. Noch allerdings hat der Aufwärtstrend (blau) gehalten. In diesem bildet sich im Moment eine Art bullisher Wimpel / Dreieck (schwarze Linien), das als Fortsetzungsformation gilt.

Im Moment steht es demnach nahezu untentschieden:

Bullish:           - Aufwärtstrend

                      - Wimpel / Dreieck

                      - noch kein tieferes Tief

 

Bearish:          - Gapschluss ohne Anschlusskäufe

                      - zweiter Anlauf an das Gap gescheitert

                      - viele große Gaps nach unten (grüne Rechtecke) sind noch offen

 

In solchen Situationen neige ich dazu zu schreiben, dass eine Entscheidung fallen muss.

Wenn zum Beispiel das Dreieck nach oben aufgelöst wird und das Gap bei 2040 nachhaltig überwunden ist, fallen zwei Aspekte auf der Bärenseite weg und zwei kommen auf der Bullenseite hinzu. Mit anderen Worten, dann wird das Bild erheblich bullisher...

Im anderen Fall, wenn der Wimpel nach unten gebrochen wird, sich ein neues tieferes Tief ausbildet (sprich die Kurse unter 1950 Punkte fallen) wird es bearisher.

Bis dahin herrscht quasi Gleichstand nach Punkten...


Viele Grüße


Ihr


Jochen Steffens



US-Wirtschaftsdaten

Der ISM-Dienstleistungsindex ist im Mail auf 51,7 Punkte von zuvor 52,0 Punkten zurückgefallen. Nach der alten Berechung stieg er jedoch von zuvor 50,9 auf nunmehr 53,6 Punkte an.

 


 
Diese letzte Zahl war es wohl, welche die US-Anleger begeisterte, weil sich auch hier nun, wie bereits im ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes ein Stabilisierung zeigt. Offenbar schrappt die US-Wirtschaft zumindest im ISM Bereich an der Rezession so gerade noch vorbei.

Weniger schön sind auch hier die bezahlten Preise, die hier auch ein Mehrjahreshoch erreichen. Und das wiederum ist ein klares Zeichen der Inflationsgefahr, da der große Teile des Dienstleistungssektor nicht so direkt abhängig von Rohstoffpreisen ist.

Wie ich gestern beschrieben hatte, zeigt auch diese Zahl: Die Zinsen können nicht mehr lange  niedrig bleiben.

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