EZB senkt Zinsen auf 0,75 Prozent
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EZB senkt Zinsen auf 0,75 Prozent
US-Konjunkturdaten
EZB senkt Zinsen auf 0,75 Prozent
von Jochen Steffens
Hinweis: Da Stockstreet morgen eine Serverumzug vornimmt, damit die Internetseite besser, schneller und nutzerfreundlicher werden kann, erscheint der nächste Steffens Daily am Montag, den 09.07.2012
Die EZB hat, wie allgemein erwartet, den Leitzins auf ein historisches Tief von 0,75 Prozent gesenkt. Der Spitzenrefinanzierungssatz wurde um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt. Und sogar der Einlagesatz wurde um 25 Basispunkte auf null reduziert. Sie begründet diesen Schritt mit der zunehmenden Sorge über die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone.
Hintergründe
Nach wie vor geht es darum, dass die Banken ihre Eigenkapitalquoten schnell erhöhen können und dass auch die Kreditvergabe wieder angetrieben wird. Letzteres ist nicht nur wichtig, um die Wirtschaft anzutreiben, sondern auch, um die deflationären Auswirkungen des kriselnden Kreditmarktes abzumildern.
Warum gibt es trotz Ausweitung der Geldmenge deflationäre Faktoren?
Dazu ein Rückgriff auf die Quantitätsgleichung, die genau diesen Umstand erklären kann.
Diese lautet P * Y= M* U(T)
P = Preisniveau (steigt dies = Inflation, sinkt dieses = Deflation)
Y = Output (Gesamtproduktion)
M = Geldmenge
U (T) = U ist die Umlaufgeschwindigkeit / (früher) T = Transaktionen
Hört sich sehr kompliziert an, ist es aber nicht.
Auf der linken Seite haben wir den Gesamtwert aller produzierten Güter, also Preise * Gesamtproduktion, auf der rechten Seite die entsprechenden Geldwerte, also die gesamt Geldmenge und die mit ihr getätigten Transaktionen. Eigentlich sagt diese Formel nichts anderes aus, als dass die Gesamtproduktion und Preise in einem Gleichgewicht zur Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit stehen. Dazu bräuchte man eigentlich keine Formel – trotzdem kann diese Formel viele Sachverhalte der Wirtschaft erklären.
Inflation entsteht, wenn…
Kommen wir zur Inflation. Wir lösen die Gleichung nach P, dem Preis, auf. Sie lautet dann:
P = M*U / Y
Wenn der Preis (P) ansteigen soll, muss also entweder auf der rechten Seite der Gleichung das Produkt aus Geldmenge (M) und Umlaufgeschwindigkeit (U) ansteigen, oder die Produktion sinken (Teiler).
Das ist der Grund, warum bei vielen Wirtschaftswissenschaftlern sofort eine Art pawlowscher Reflex entsteht, wenn sie etwas über Ausweitung der Geldmenge hören: Inflationspanik!!!!!
Aber es gibt eben noch zwei weitere Faktoren, welche die Inflation beeinflussen. Da ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Nun kann man belegen, dass die Umlaufgeschwindigkeit unter normalen Umständen eigentlich ziemlich konstant bleibt, deswegen wird dieser Punkt gerne von den Wirtschaftswissenschaftlern vernachlässigt.
Geldumlaufgeschwindigkeit und Kreditmarktklemme
Nun ist die Geldumlaufgeschwindigkeit bzw. die Menge der Transaktionen in der Praxis nicht so gut bestimmbar. Es ist aber nur logisch, dass eine Kreditmarktklemme einen erheblichen Einfluss auf genau diesen Teil der „Geldseite“ hat. Denn die Anzahl der relevanten Transaktionen und damit die Geldumlaufgeschwindigkeit sinken in einer Kreditmarktklemme dramatisch. Und damit zur verrückten Seite dieser Gleichung.
Sie wissen, wenn man einen Wert mit einer Null multipliziert, kommt als Ergebnis immer Null heraus. Stellen wir uns dazu vor, die Geldmenge würde gigantisch ansteigen, die Zahl der Transaktionen aber gegen Null sinken – zum Beispiel, weil die Banken keine Kredite mehr vergeben und alle Verbraucher Geld horten. Dann würde das Ergebnis des Produkts Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit/Transaktion trotz der gigantischen Ausweitung der Geldmenge in Richtung Null fallen. Sofern die Produktion konstant bleibt, müssten die Preise in so einem Fall dramatisch sinken: Deflation.
Und genau das ist das Problem, weswegen diese ganze Inflationshysterie der vergangenen Jahre in die falsche Richtung gelaufen ist – die Ausweitung der Geldmenge führt nur dann zu einer Inflation, wenn die Geldumlaufgeschwindigkeit gleich bleibt oder steigt. Und daran scheiterte es - das ist alles.
Die Produktion
Aber es gibt noch einen weiteren für die Inflation wichtigen Punkt: Die Gesamtproduktion oder die Menge an Waren, die zum Kauf vorhanden sind. Durch sie wird die rechte Seite der Gleichung geteilt. Das heißt: Sinkt die Menge an Waren, dann sinkt der Wert durch den geteilt wird, mit der Folge, dass das Ergebnis, also der Preis ansteigt. Steigt die Menge, wird der Teiler immer größer, also sinkt das Ergebnis und damit der Preis.
Und das kennen wir unter dem Begriff: Angebot und Nachfrage. Je größer die Menge der Ware, desto stärker sinken die Preise und umgekehrt. Auch das finden Sie also in dieser Gleichung wieder.
Noch ist Deflation ein Thema
Wie ich hier seit Jahren immer wieder schreibe, die Zentralbanken und die Politik bemühen sich immer noch um die Bekämpfung der deflationär wirkenden Faktoren. Sie würden sich wahrscheinlich freuen, wenn wir mehr Inflation hätten. Schließlich ist eine Deflation deutlich schwieriger zu bekämpfen als eine Inflation. Aber erst wenn die Kreditmarktklemme beendet ist, wird die Ausweitung der Geldmenge zu einer Inflation führen. Wahrscheinlich werden die Notenbanken aber darauf sehr schnell reagieren.
Viel interessanter ist demnach immer noch, ob diese deflationär wirkenden Kräfte, und darunter fällt auch die hohe Arbeitslosigkeit, die bei einem erneut niedrigeren Wirtschaftswachstum auch weiter ansteigen kann, erfolgreich bekämpft werden können. Erst wenn das gelingt, sollte man sich Sorgen um Inflation machen. Und so ist die Maßnahme der EZB sicherlich nachvollziehbar, wenn auch zu bezweifeln ist, dass sie einen wirklich nachhaltigeren Effekt haben wird.
Viele Grüße
Jochen Steffens
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg um 14.000 auf 374.000. Analysten hatten mit 385.000 Erstanträgen gerechnet. Damit sank der Vier-Wochen-Schnitt um 1.500 auf 385.750.

Zwar besser als erwartet, aber die Zahl der Erstanträge muss schon in Richtung 300.000er Marke sinken, damit sich das Bild auf dem US-Arbeitsmarkt deutlicher aufhellt.
Aber die ADP-Daten lassen darauf hoffen, dass es vielleicht morgen bei den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft in den USA zu einer Überraschung kommen könnte. Die neu geschaffenen Stellen nach dem ADP-Bericht sind nämlich auf 176.000 gestiegen, Analysten hatten hingegen lediglich mit 105.000 gerechnet. Und das entspricht in etwas der Prognose der Analysten für morgen. Diese erwarten für den offiziellen Arbeitsmarktbericht 102.000 neu geschaffene Stellen.
