Langfristige Analyse des DAX


Langfristige Analyse des DAX



Langfristige Analyse des DAX
von Jochen Steffens

Heute zeigt sich der DAX uneinheitlich. Nach anfänglicher Schwäche kam es im weiteren Verlauf aufgrund der positiven Entwicklung der US-Futures im frühen US-Handel zu einer kleinen Intraday-Rally. Angesichts neun (!) Verlusttagen in Folge ist das bisher allerdings noch nicht mehr als ein moderates Auflehnen der Bullen. Wichtig ist, wie sich heute am Black Friday die amerikanischen Indizes im weiteren Verlauf entwickeln, denn hier werden schon die ersten Nachrichten zum Verlauf des Shopping-Verhaltens der Amerikaner die Kurse beeinflussen.

Der DAX im Langfristchart

Nach dem gestrigen Steffens Daily gab es Anfragen bezüglich der kurz erwähnten „abc“-Konsolidierung und auch Fragen zur langfristigen Entwicklung. Also werfen wir einmal einen Blick auf den Langfristchart des DAX:

 

Der DAX bewegt sich seit dem Jahr 2000 mehr oder weniger seitwärts, zumindest was die obere Begrenzung (schwarze Linie) anbetrifft. Auf der Unterseite erkennen wir eine auf aufwärtsgerichtete Linie (rote Linie), sodass ein sogenanntes „aufwärtsgerichtetes Dreieck“ entsteht. Diese Formation verspricht mit einer akzeptablen Wahrscheinlichkeit eine bullishe Entwicklung. Das entscheidende Signal dafür ist der Ausbruch über die obere Begrenzungslinie, die bei 8.136 Punkten liegt.

Test der unteren Linie?

Im Moment besteht aber eher die Gefahr, dass der DAX noch einmal diese untere Trendlinie testen will. Das aktuelle Kursniveau dieser Linie am heutigen Tag liegt bei 4.444 Punkten. Wie Sie aber sehen, steigt diese Linie steil an und erreicht bald die 5.000er Marke.

Ein Test sollte also in den kommenden Tagen und Wochen also irgendwo um Bereich zwischen 4.444 und 5.000 Punkten stattfinden. Und dann fragt es sich, ob diese Linie hält oder gebrochen wird.

Höhere Tiefs

Wenn Sie all die Probleme, die zurzeit die Politik beherrschen weglassen und nur auf den Chart schauen, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der DAX spätestens (!) an dieser unteren Trendlinie nach oben abprallt und er anschließend doch noch die obere Begrenzung bei 8.136 Punkten überwindet.

Grund für diese höhere Wahrscheinlichkeit ist, dass in einem aufsteigenden Dreieck die Tiefs ansteigen. Wie wir sagen: Es bilden sich immer höhere Hochs. Und das wiederum ist ein Hinweis darauf, dass Anleger auch in den Krisen, die schließlich Ursache der Kurseinbrüche sind, bereit sind, zu immer höheren Kursen massiv einzusteigen. Und es ist eben auch diese Beobachtung, die vermuten lässt, dass die Anleger dies auch weiter tun werden.

Und das ist eigentlich sogar logisch, denn die DAX-Unternehmen sind in den vergangenen 13 Jahren weiter gewachsen und die Inflation muss auch noch eingerechnet werden.

Bearishe Variante

Aber es gibt natürlich die etwas weniger wahrscheinliche bearishe Variante: Sollte diese untere Trendlinie sowohl im log. Chart (siehe oben) als auch im linearen Chart nach unten aufgelöst werden, ist wiederum alles möglich: eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung in einer deutlich größeren Spanne oder sogar die Initiierung eines neuen, nachhaltigen Abwärtstrends. Auf diese Gefahr muss natürlich hingewiesen werden.

Fazit:

Auf langfristige Sicht wird sich nach dem Scheitern an den Hochs jetzt an dieser unteren, aufwärtsgerichteten Linie entscheiden, wie es weiter geht. Die Bullen müssen diese Linie unbedingt verteidigen, ansonsten wird es düster. Die Entscheidung wird wahrscheinlich in den kommenden Wochen fallen. Zoomen wir etwas in den Chart hinein:

Die abc-Konsolidierung

Gestern hatte ich im DAX auf die hohe Wahrscheinlichkeit hingewiesen, dass der DAX bei 5.000 Punkten zumindest erst einmal drehen wird. Allerdings wäre auch eine abc-Konsolidierung möglich, diese sähe wie folgt aus:

 

Der erste Einbruch des DAX kann als erste Abwärtswelle „a“ angesehen werden (oberes rotes Rechteck). Dieser folgt eine Aufwärtsbewegung „b“ als technische Gegenreaktion (grünes Rechteck), der eine weitere Abwärtsbewegung „c“ folgt, die gewöhnlicherweise die gleiche Spanne hat, wie die erste Abwärtsbewegung (unteres rotes Rechteck). Die Konsolidierung „b“ liegt damit genau in der Mitte.

Große Widerstände

Das Problem ist, dass die zweite Abwärtsbewegung, also die „c“ wichtige Unterstützungen (Widerstände) durchschlagen muss. Hier ist die besagte psychologisch relevante 5.000-Punkte-Marke zu nennen und eben die aufwärtsgerichtete Trendgerade aus dem langfristigen Dreieck (s.o.).

Derart bedeutende Unterstützungen im Bereich der „c“ bremsen oft die Abwärtsbewegung aus, so dass das eigentliche Kursziel nicht mehr erreicht wird. Es könnte demnach sein, dass wir eine sehr kurze „c“ sehen.

Ein stimmiges Bild

Und so ergäbe sich dann ein stimmiges Bild: Wie ich gestern schon geschrieben hatte, gehe ich davon aus, dass wenn der DAX die 5.000-Punkte-Marke testet, diese nicht halten wird und es zu einem Fehlsignal nach unten kommt. Da an dieser Marke sicherlich viele Stopp-Kurse liegen, könnte es sein, dass der Bruch zu einem Kursrutsch führt. Wenn dieser dann an der aufwärtsgerichteten Trendlinie aufgehalten wird und die Kurse anschließend wieder nach oben drehen, wäre das ein solches Fehlsignal.

 

Wir dürfen gespannt sein…

 

Viele Grüße

Jochen Steffens




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