Deutsche Staatsanleihen ohne Abnehmer


Deutsche Staatsanleihen ohne Abnehmer
US-Konjunkturdaten



Deutsche Staatsanleihen ohne Abnehmer
von Jochen Steffens

Ich erhielt eine Mail eines Lesers mit der Frage, ob es eigentlich überhaupt noch möglich sei, diese Krise zu lösen. Ja, diese Frage ist durchaus berechtigt, angesichts der immer neuen Hiobsbotschaften, die Tag für Tag über die Nachrichtenticker laufen. Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite entsteht häufig genau dieses Gefühl in der Nähe von entscheidenden Tiefs an den Aktienmärkten. Ich würde Ihnen jetzt gerne eine genaue Prognose liefern, aber ich kann nicht leugnen, dass ich ebenfalls zwischen diesen beiden Extremen schwanke. Die europäische Schuldenkrise ist einfach zu groß, zu verzweigt und zu komplex, als dass ein einzelnes menschliches Gehirn das ganze Ausmaß, die Gefahren und die möglichen Szenarien durchspielen könnte. Und so treffen auch immer wieder neue Nachrichten ein, mit denen man nicht gerechnet hat.

Aktuell ist zum Beispiel die belgisch-französische Dexia Bank wieder im Gespräch. Offenbar reicht das unlängst für diese Bank geschnürte Rettungspaket nun doch nicht aus. Auch die EU-Kommission hat sich erneut eingeschaltet. Im Hintergrund sollen die Regierungen von Frankreich, Belgien und Luxemburg an neuen Finanzhilfen arbeiten.

Fehlendes Kaufinteresse

Ebenfalls interessant ist, dass mittlerweile sogar deutsche Staatsanleihen nicht mehr nachgefragt werden. Medienberichten zufolge sei Deutschland bei einer aktuellen Auktion neuer Bundesanleihen auf einem Drittel der angebotenen Papiere sitzen geblieben. Einige Analysten zeigen sich besorgt. Doch auch hier muss man die Kirche im Dorf lassen.

Ein Zinssatz von 1,98 Prozent für eine zehnjährige Anleihe ist angesichts einer Inflation von mehr als 2 % faktisch ein negatives Geschäft. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass dies Inflation noch deutlich anziehen wird. Man könnte also neben all der Bestürzung auch einfach zu dem Schluss kommen, dass hier einfach langsam die Vernunft siegt.

Andere mögliche Gründe

Doch viel wahrscheinlicher sind andere Gründe: Hauptabnehmer deutscher Anleihen sind traditionell die Banken. Die in letzter Zeit zu erkennende Zurückhaltung bei der Zeichnung von Staatsanleihen könnte somit auch mit Bilanzproblemen der Banken zusammenhängen – zum Beispiel, weil sie angesichts neuer EU-Vorgaben die Eigenkapitalquote erhöhen müssen. Auch andere ähnliche Sekundäreffekte könnten zu dieser geringen Nachfrage geführt haben. Trotzdem bleibt angesichts der sowieso schon bekannten Probleme ein fader Beigeschmack.

Schauen wir uns dazu den Bund-Future an:

Wir sehen einen breiten Aufwärtstrend (rot) seit dem Jahr 2000 und eine Trendbeschleunigung seit der Finanzkrise 2008 (blau).  Selbst in dieser kam es zu einem Ausbruch nach oben – dies ist ein typisches Bild für eine Übertreibung / Blase. Allerdings wissen Sie, Blasen sind schwer zu prognostizieren. Nach dem Ausbruch nach oben aus dem blauen Trendkanal kam es regelgerecht zu einem anschließenden Retest dieser Ausbruchslinie von oben. Danach hätte es zu neuen dynamischen Hochs kommen müssen. Das wäre sehr bullish gewesen. Stattdessen scheiterte der Bund-Future an dem letzten Hoch mit einem Fehlsignal. Und genau das könnte das entscheidende bearishe Signal sein.

Auf der anderen Seite fragt man sich,  wo soll der Bund-Future noch hin? Wie weit können die Renditen noch sinken? Wenn man davon ausgeht, dass die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen sinkt, würden die Renditen steigen, und dann müsste der Bund-Future fallen. Aber noch ist es zu früh, daraus den sicheren Trade abzuleiten. Noch muss man abwarten, ob auch weitere Auktionen schlecht laufen. Das erst wäre es ein sicheres Indiz für einen fallenden Bund-Future.

Die Hochs sind nah

Zwar könnte ich mir noch einmal einen Anstieg über das letzte Hoch vorstellen, um die Trader zu verunsichern, aber grundsätzlich glaube ich, dass wir in nicht allzuferner Zukunft das entscheidende Hoch im Bund-Future sehen werden, wenn wir es nicht schon gerade gesehen haben.

Und dann könnte wirklich alles fallen: Aktien, Anleihen, Gold, Rohstoffe, etc. Wobei ich nach wie vor Aktien für eine gute Anlage im Falle einer Ausweitung der Krise halte – zumindest auf langfristige Sicht und wenn man die Möglichkeit hat, bei weiter fallenden Kursen nachzukaufen.

Viele Grüße

Jochen Steffens




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA auf 393.000 gestiegen. Analysten hatten mit ca. 395.000 neue Anträge gerechnet, nach zuvor 391.000 (revidiert von 388.000). Der weniger volatile Vier-Wochendurchschnitt fiel dagegen um 2.250 auf 394.250 Anträge.

Der Verbraucherstimmungsindex der Universität Michigan fiel im nach den Ergebnissen der zweiten Umfrage auf 64,1 Zähler. Analysten hatten  einen Stand von 64,8 erwartet. Nach der ersten Befragung hatte sich ein Stand von 64,2 ergeben, nach 60,9 Punkten im Vormonat. Hier hatte sich also nicht viel verändert, die Veröffentlichung war damit Marktneutral.




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