Warum hält sich Öl trotz Konjunkturflaute auf hohem Niveau?


Warum hält sich Öl trotz Konjunkturflaute auf hohem Niveau?



Warum hält sich Öl trotz Konjunkturflaute auf hohem Niveau?
von Jochen Steffens

Im Rahmen der konjunkturellen Schwächephase, in der wir uns seit einiger Zeit offenkundig befinden, haben viele zyklische Rohstoffe, wie die Industriemetalle Kupfer, Nickel und Aluminium, deutlich korrigiert. Kupfer liegt etwa 25 % unter seinem Jahreshoch und hatte zeitweise gar um 33 % nachgegeben. Nickel notiert rund 40 % und Aluminium etwa 25 % unter dem jeweiligen Jahreshöchststand.

Warum notiert Öl auf derart hohem Niveau?

Neben den Industriemetallen gehören auch die beiden Ölsorten Brent und dessen US-Pendant West Texas Intermediate (WTI) zu den zyklische Rohstoffen. Demnach hätte auch Öl auf die konjunkturellen Veränderungen empfindlich reagieren müssen. Doch der Preis von Brent Crude Oil notiert nur 11 % unter seinen Jahreshöchstständen und die US-Sorte WTI notiert mit aktuell 13 % ebenfalls nur moderat unter dem Jahreshoch. Warum hält sich Öl auf derart hohem Niveau?

Opec betrachtet 100 US-Dollar als “sehr komfortabel“

Die Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) rechnet zwar wegen der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den Industrienationen in diesem Jahr nur mit einem minimalen Anstieg der Nachfrage nach Öl um 1%, womit die Opec ihre Bedarfsprognose bereits zum vierten Mal in Folge reduzierte, doch werde das Weltwirtschaftswachstum im nächsten Jahr stabil bleiben.

Weltwirtschaftswachstum soll stabil bleiben

Laut dem jüngsten Report des Öl-Kartells vom November soll das Wachstum der Weltwirtschaft bei 3,6 % im Jahr 2011 liegen und die Wirtschaft mit ebenfalls 3,6 % im kommenden Jahr wachsen. Im Oktober lautete die Prognose für 2012 noch auf 3,7 %, womit die Erwartung mit den aktuellen Zahlen nur sehr leicht nach unten revidiert wurde. Begründet wird dies mit dem weiterhin hohen Wachstum in den Entwicklungsländern. Hier wurden die Wachstumsraten nicht nach unten hin angepasst. Das Wachstum soll sich also in die Entwicklungsländern verlagern, wie es in dem Bericht der Opec heißt.

Geringes Angebot verantwortlich?

Neben den stabilen Wachstumserwartungen könnte ein weiterer Grund die Entwicklung der Lagerbestände sein. Die OECD-Öllagerbestände sind um 25 Millionen Barrels unter den Fünfjahresdurchschnitt gefallen, so die jüngsten Statistiken der Internationalen Energieagentur IEA. Ein geringes Angebot lässt den Preis bekanntlich steigen.

Und laut der Opec ist damit zu rechnen, dass nach dem Sieg der libyschen Rebellen über Gaddafi erst in gut einem Jahr die normale Produktionsmenge Libyens von täglich rund 1,6 Millionen Barrel erreicht ist.

Trendbruch setzte Potential frei

Und auch charttechnisch gibt es Gründe für die hohen Ölpreise. So befand sich die US-Sorte WTI, die zuletzt vom hohen Rohölangebot auf dem US-Binnenmarkt belastet war, in einem stabilen Abwärtstrend. Dieser ließ den Preis zwischenzeitlich ähnlich stark wie die Industriemetalle fallen, auf im Tief Minus 32,5 % vom Jahreshoch. Doch dieser seit Mai diesen Jahres gültige Abwärtstrend wurde Mitte Oktober gebrochen, was entsprechendes Aufwärtspotential freisetzte.

Dabei hat sich ein neuer kurzfristiger Aufwärtstrend gebildet. Auch wenn sich der Kurs zurzeit an dessen unterer Begrenzung aufhält und damit weiteres Aufwärtspotential besteht, dürfte dieser Trend aufgrund seiner enge und dem steilen Winkel nicht lange Bestand haben.

Seitwärts leicht aufwärts

Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich zwischen Konjunkturabkühlung (spricht für fallende Preise) und niedrigem Angebot (spricht für steigende Preise) eine breite Seitwärtsrange ausbildet. Da das Weltwirtschaftswachstum, glaubt man den Prognosen, jedoch auf stabilem Niveau verbleibt und die USA mehr und mehr aus dem Dornröschen-Schlaf zu erwachen scheinen und als Öl-Konsument bald wieder bereit stehen dürften, ist insbesondere das Abwärtspotential begrenzt. Die Seitwärtsbewegung dürfte daher, wie bisher auch schon, sogar eine leicht aufwärts gerichtete Tendenz haben.

Viele Grüße

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