Wir wissen nichts oder das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten
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Wir wissen nichts oder das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten
Wir wissen nichts oder das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten
von Jochen Steffens
Wie geht es mit den Märkten weiter? Liegen die Bullen oder die Bären richtig? All die Spekulanten und Analysten, die Kommentatoren und Trader, die sich täglich mit der Börse beschäftigen, suchen fieberhaft nach Antworten auf diese Fragen.
Dabei ist der menschliche Verstand viel zu klein, und all unser Wissen reicht nicht, um die Zukunft vorherzusehen. Es gibt zu viele Eventualitäten, die in unseren Betrachtungen außen vor bleiben. Und damit sind nicht nur Ereignisse, wie zum Beispiel ein Terroranschlag oder andere unvorhersehbare Dinge gemeint. Tatsächlich gibt es nahezu unendlich viele Einflüsse, die den Gang der Börse beeinflussen: das Wetter, Ernten, politische Entscheidungen Einzelner etc.
Jede Prognose ist widerlegbar
Und selbst wenn unser Verstand eine vermeintlich sichere Prognose findet, so wird es doch an den Börsen lediglich eine von vielen sein, der jederzeit eine andere entgegensteht. Und so gibt es, obwohl alle über das Internet zumindest potenziell über die gleichen Informationen verfügen können, zu jeder Zeit Bullen und Bären. Es existiert somit quasi zu jeder Meinung eine Gegenmeinung. Oder wie es so schön heißt: Sechs Analysten, neun Meinungen.
Und es ist lediglich der menschlichen Arroganz geschuldet, dass sowohl die Bullen, als auch die Bären oft genug von sich behaupten, sie wüssten genau, was geschehen wird. Sie wissen es nicht, denn der Mensch ist nicht gut in Prognosen. Er hat einfach kein Gespür für die Zukunft.
Das liegt letzten Endes daran, dass der Verstand überhaupt nicht in der Lage ist, auch nur ansatzweise die unzähligen Einflüsse zu bewerten, welche die Kurse bewegen. Zudem verfügt er letztlich doch nur über einen rudimentären Einblick in einen Bruchteil dieser Faktoren. Die Anzahl der Parameter, welche sich auf den Kursverlauf auswirken können, strebt genau genommen gegen unendlich. Damit ist der Mensch auf jeden Fall mit dem Medium Börse maßlos überfordert.
Hilfreiche menschliche Eigenschaften
Aber der Mensch verfügt über gewisse Eigenschaften, die tatsächlich helfen, in diesem scheinbaren Chaos etwas Ordnung zu schaffen. Zum einen besitzt er die Fähigkeit, aus der Masse von Informationen die „wesentlichen“ herauszufiltern. Hätte er diese Begabung nicht, wäre er schon allein im Alltag ständig überfordert. Das kleine Problem ist nur, dass die Bewertung, was denn „wesentliche“ Informationen sind, bereits subjektiv ist. Ein typischer Bulle wird andere Informationen als wesentlich bewerten als ein Bär. Und hier fängt bereits die selektive Wahrnehmung an, die zu diesen gänzlich unterschiedlichen Bewertungen führt. Trotzdem ist diese Eigenschaft der Filterung enorm nützlich.
Das Lernen aus Erfahrungen
Darüber hinaus kann der Mensch auch noch aus Erfahrungen lernen. Und tatsächlich, ein Blick in die Historie der Börsenentwicklung verrät oft einiges über die aktuellen Situationen. Aber auch hier versteckt sich bereits ein weiteres Verwirrspiel. Erfahrungen sind eigentlich nur dann nützlich, wenn Dinge erneut genauso geschehen, wie sie schon immer geschehen sind. Und das ist an den Börsen natürlich leider nicht der Fall. Sonst wäre es ja einfach…
Die Fähigkeit zur Assoziation
Ein letzter Punkt ist, dass der Mensch in der Lage ist, zu assoziieren. Das bedeutet er kann gefilterte Informationen mit gewonnen Erfahrungen zu gänzlich neuen Strukturen verknüpfen. Somit entstehen neue, vollkommen andere Erkenntnisse. Aber ohne Frage, diese Eigenschaft, die vielleicht das eigentliche Wesen der Intelligenz ist, beinhaltet natürlich wiederum die Gefahr der subjektiven Interpretation.
Was am Ende des Tages übrig bliebt
Was bleibt also letzten Endes? Zunächst die Erkenntnis, dass all das, was Sie und ich denken, Bruchstücke bzw. Abstraktionen einer Wirklichkeit sind, die um ein Vielfaches komplexer ist, als wir es begreifen können. Und, dass alle daraus entstandenen Prognosen und Überzeugungen auch noch höchst subjektiv sind.
Kurz: Wir wissen nichts!
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse an den Börsen, denn sie zerstört den Nimbus des Verstandes. Dieser wird uns immer wieder suggerieren wollen, dass unsere Ansicht, unsere Überzeugung die einzig richtige ist. Solange ein Spekulant noch dieser Illusion verfallen ist, wird er kaum langfristig erfolgreich sein.
Wahrscheinlichkeiten, nichts als Wahrscheinlichkeiten
Jede Prognose ist somit lediglich eine zarte Annäherung, niemals jedoch eine Wahrheit oder eine Unweigerlichkeit. Und aus dieser Erkenntnis ergeben sich direkt weitere Schlussfolgerungen:
Wenn der Anleger aufgrund der Komplexität keinen Zugang zu einer klaren Richtung finden kann, bleiben nur „Wahrscheinlichkeiten“.
Das heißt, ich kann als Anleger oder Trader lediglich versuchen, die Eintrittswahrscheinlichkeit meiner Prognosen zu erhöhen. Und hier reicht es leider nicht, sich lediglich auf eine Herangehensweise zu stützen, also zum Beispiel nur auf die Fundamentalanalyse oder die Charttechnik.
Jedes dieser Prognosemittel alleine wird die Wahrscheinlichkeiten kaum über das Zufallsniveau heben und selbst das nur, wenn man viel Erfahrung und ein fundiertes Wissen im Bereich dieses Prognosemittels hat.
Doch selbst wenn man viele Jahre Erfahrung, fundamentale Aspekte, Charttechnik, Zyklen und anderes zu Bewertung zusammenführt, verändert sich die Chance, dass die Erkenntnisse daraus richtig sind, nur um wenige mickrige Prozentpunkte.
Doch diese „mickrigen“ Prozentpunkte reichen dann schlussendlich doch aus, langfristig erfolgreich zu sein. (Siehe das Kartenzählen beim Black Jack. Hier waren es 4 Prozentpunkte, die geholfen haben, ein Vermögen zu verdienen).
Erst mit Wissen, Übung und Erfahrung erzielen Sie den entscheidenden Vorsprung
Und so wird verständlich, dass es tatsächlich viel Zeit braucht, an den Börsen langfristig erfolgreich zu handeln. Schließlich muss man somit bei einer geeigneten Anzahl von Hilfsmittel nicht nur ein umfangreiches Basiswissen vorweisen können, sondern auch einige Erfahrung sammeln.
Doch genau das ist natürlich auch Ihre Chance! Denn nur die wenigsten Anleger unterziehen sich dieser „Ochsentour“. Zugegeben, es erfordert einige Arbeit. Doch wie sagte Thomas A. Edison: „Genie ist: ein Prozent Inspiration und 99% Transpiration.“
Viele Grüße
Jochen Steffens
Wie geht man mit der Krise um?
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