Denken Sie anders!


Denken Sie anders!
US-Konjunkturdaten

Denken Sie anders!
von Jochen Steffens

Es ist schon interessant, wie die Reaktionen auf die beiden letzten Texte dieser Woche ausgefallen sind. Es gab zahlreiche Mails. Die meisten zeigten sich doch sehr skeptisch und fanden, ich sei etwas zu optimistisch. In einer Mail wurde ich als chronischer Dauerbulle bezeichnet (was ich eindeutig nicht bin). In einigen Mails, die mit wirklich vernünftigen Argumenten versuchten, ihre Sichtweise zu verdeutlichen, entdeckte ich einen kleinen, aber entscheidenden Denkfehler.

Der ökonomische Fehler

Dort wurde die katastrophale wirtschaftliche Situation in den USA hervorgehoben. Ein Leser schickte mir dazu sogar einen Artikel, in dem eine Stadt in den USA beschrieben wird, die wirtschaftlich am Ende ist, Insolvenz angemeldet hat und sich nicht einmal mehr Polizei und Feuerwehr wirklich leisten kann. Solche Beispiele sind natürlich nicht geeignet, Vertrauen in eine mögliche Aktienrally an den US-Börsen zu schaffen.

Und so liegt die Frage nahe, wie sich die US-Wirtschaft angesichts der dramatischen Situation in den USA „schnell“ erholen soll. Ich bestreite auch gar nicht, dass die US-Wirtschaft in den nächsten Jahren in vielen Bereichen Probleme haben wird. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied: die Börsen und die Wirtschaft hängen zwar miteinander zusammen, man darf sie aber unter keinen Umständen gleichsetzen. Ein Fehler, den gerade Volkswirtschaftler immer wieder gerne machen.

Aus diesem Grund möchte ich, sozusagen als Ergänzung zu den beiden letzten Ausgaben des Steffens Daily, ein paar Punkte ausführen, die erläutern, warum es trotz der desolaten Situation der US-Wirtschaft zu einer Rally kommen kann.

Börse nimmt Entwicklungen vorweg

1. Die Börse läuft der Entwicklung der Wirtschaft vorweg. Das liegt daran, dass sie eben frühzeitig auf die entsprechenden Entwicklungen wettet. Das führt dazu, dass eine Rally bereits zu dem Zeitpunkt anfängt, an dem die Rezession ihren Hochpunkt erreicht hat. Das heißt für die Anleger, dass sie dann einkaufen müssen, wenn sowohl die Stimmung als auch die tatsächliche wirtschaftliche Situation negative Extreme erreichen.

Wenn die breite Masse den wirtschaftlichen Aufschwung erkennt, wird an den Börsen die Rally bereits den großen Teil ihrer Spanne zurückgelegt haben. Das ist übrigens einer der Gründe, warum so viele Kleinanleger selten größere Renditen erwirtschaften.

Fazit: Die Analyse der US-Konjunkturdaten, inklusive aller Sentimentdaten ermöglicht es ihnen, frühzeitig Entwicklungen abzusehen. Sie müssen dabei erkennen, wann sich ein Boden auszubilden scheint und entsprechend reagieren. Das ist das, was ich mit den beiden letzten Ausgaben des Steffens Daily getan habe.

Banken und Wirtschaft

2. Die Entwicklung der Wirtschaft wird von Geldströmen beeinflusst. Zurzeit steht in den USA aufgrund der niedrigen Zinsen billiges Geld zur Verfügung. Das führt dazu, dass die Unternehmen billig Geld aufnehmen können, um zu investieren. Normalerweise führen niedrige Zinsen also dazu, dass die Investitionen zunehmen und die Wirtschaft anspringt.

In den USA haben wir zurzeit allerdings das Problem, dass die Banken das billige Geld noch nicht an die Unternehmen weitergeben. Besonders der Mittelstand in den USA, also kleinere Unternehmen, haben Probleme, sich zu refinanzieren oder Kredite zu erhalten. Das ist immer noch eine Auswirkung der Kreditmarktklemme.

Hintergrund ist, dass die US-Banken immer noch versuchen, die vielen faulen Kredite in ihren Portfolios abzusichern. Das ist auch der Grund, warum sie kein größeres Interesse daran haben, weitere Kredite zu vergeben. Zumal angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage in den USA nicht sicher ist, ob diese Kredite nicht auch zu faulen Krediten mutieren.

Doch irgendwann wird es einen Punkt geben, an dem die Banken „satt“ sind. In diesem Moment wird diese Kreditmarktklemme wahrscheinlich sehr plötzlich zu Ende gehen. Wenn das passiert, wird das zu einem schnellen wirtschaftlichen Boom und natürlich zu einer ansteigenden Inflation führen. Die Börsen werden entsprechend frühzeitig anspringen. Nicht abzusehen ist jedoch, wann diese Klemme ein Ende findet. Aber wenn sie zu Ende geht, ist es aus Sicht der Börsen unerheblich, wie schlimm die aktuelle Situation der US-Wirtschaft ist. Sie wettet dann lediglich auf die Verbesserung.

Der Renditenotstand

3. Ein weiterer Punkt, der maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Börsenkurse hat, ist das Anlegerverhalten. Viele, besonders institutionelle, Anleger verteilen je nach Marktlage ihr Geld auf Anleihen und Aktien. Es geht darum, wie groß der Prozentsatz des Vermögens ist, der in Aktien oder in Anleihen investiert wird. Anleihen sind vergleichsweise sicher, bieten aber eine geringere Rendite. Aktien sind vergleichsweise unsicher, können aber eine höhere Rendite erzielen. Die Kunst ist es also, je nach Marktlage, den prozentualen Anteil von Anleihen und Aktien im Depot so zu verändern, dass die maximale Rendite bei möglichst niedrigem Risiko erzielen wird.

Wenn die Zinsen, wie zurzeit, sehr niedrig sind und sogar unter der Inflationsrate liegen, erleiden Investoren, die im Anleihemarkt investiert sind, einen reale Kaufkraftverlust. In solchen Phasen entsteht ein hoher Renditedruck, so dass das Geld quasi in den Aktienmarkt gedrängt wird. Allerdings erst dann, wenn die Zuversicht der Anleger ein gewisses Niveau erreicht!

In Krisenzeiten neigen die Anleger deswegen dazu, in den Immobilienmarkt zu investieren. Das war einer der Gründe für die Immobilienhausse nachdem Crash der Jahre 2000-2003. In der aktuellen Situation fällt aufgrund des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes diese Ausweichmöglichkeit in den USA weg.

Das Geld der US-Anleger leidet damit zurzeit unter einem hohen Renditenotstand. Sollte sich die Lage in den USA gefühlt (!) stabilisieren, können sich vorstellen was geschieht: Die US-Anleger werden aus dem Anleihemarkt in den Aktienmarkt fliehen. Diese Umschichtung würde eine heftige Rally auslösen. Und in diesem Fall wäre es vollkommen egal, in welcher Verfassung die US Wirtschaft tatsächlich ist. Und wir wissen: Die Anlegerstimmung ändert sich schneller als das Wetter. Hier bedarf es unter Umständen einer marginal veränderten Datenlage, zum Beispiel auf die US-Arbeitsmarkt oder dem US-Immobilienmarkt.

Zusammenfassung

Sie sehen, Sie können die aktuelle wirtschaftliche Situation in den USA nicht als Grundlage für Ihre Anlageentscheidungen nutzen. Aufgrund der enormen Geldmengenausweitung und der niedrigen Zinsen muss damit gerechnet werden, dass irgendwann der Knoten platzt und das Geld in die Wirtschaft oder in den Aktienmarkt fließt. Sobald das geschieht, wird das zu einer Initialzündung an den Aktienmärkten führen. Und je länger die aktuelle Situation anhält, desto weiter wird der Bogen gespannt! Wahrscheinlich reicht irgendwann ein kleiner Auslöser.

Wichtig ist es demnach, vor allen anderen Anlegern mögliche Faktoren auszumachen, die zu einer Initialzündung führen könnten. Und hier sind die Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt und dem US-Immobilienmarkt sicherlich von hoher Relevanz. Und um nicht erst mit der Masse viel zu spät aufzuspringen, müssen Sie eben ganz anders als diese Masse denken.

Viele Grüße
 

Jochen Steffens


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US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend um 31.000 auf 473.000 zurückgegangen. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 490.000 Anträge gerechnet. Der Vier-Wochen-Durchschnitt erhöhte sich die Zahl der Erstanträge um 3.250 auf 486.750.

Wahrscheinlich haben wir hier einen weiteren Hochpunkt gesehen und wir werden bis in den Dezember nun eine tendenziell sinkende Zahl von Erstanträgen sehen.

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