Der Wunsch der Märkte in der Euro-Krise
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Der Wunsch der Märkte in der Euro-Krise
von Torsten Ewert
Sehr verehrte Leserinnen und Leser,
seit Anfang Oktober zeigen die Märkte nach Crash und Unsicherheit erstmals wieder eine gewisse Stärke. Dafür könnte es mehrere Gründe geben, unter anderem dass sich die Konjunkturängste etwas abgeschwächt haben.
Der aufmerksame Beobachter dürfte jedoch bemerkt haben, dass zuvor ein öffentliches Umdenken in der Frage der Lösung der Euro-Krise stattfand. Es scheint daher, die Märkte wittern Morgenluft, dass das europäische Schuldenproblem in ihrem Sinne gelöst wird.
Der wahre Grund für die jüngste Stärke der Märkte
Mit Beginn des vierten Quartals rückt schließlich auch die Weihnachtszeit unaufhaltsam näher. Die Börsianer hatten ihren Wunschzettel aber schon längst geschrieben. Er ist kurz und präzise: Die Märkte wünschen sich erneute massive Kapitalspritzen für die Banken.
Und speziell die jüngste Stärke der europäischen Märkte kam genau dann auf, als Berichte publik wurden, nach denen nun auch Europolitiker diese schon länger, z.B. vom IWF, erhobene Forderung unterstützen. Aus diesem Grund führte auch die Nachricht über den bevorstehenden oder Quasi-Kollaps der belgisch-französischen Dexia-Bank Anfang Oktober nicht zu Kursverlusten, sondern zu einem Kursanstieg:
Die Anleger hoffen offenbar, dass dieses Ereignis die Ängste der Politiker vor einem erneuten gravierenden Bankenproblem veranlasst, die Geldschleusen wie nach der Lehman-Pleite erneut vorbehaltlos zu öffnen. Nur die EZB ließ bei Ihrer Sitzung in der ersten Oktoberwoche entsprechende Signale vermissen, was dann auch prompt zu einem zwischenzeitlichen Rückschlag führte.
Ein Hebel soll alle Schleusen öffnen
Inzwischen erhielt dieser Optimismus neue Nahrung durch die Diskussion zur „Hebelung“ des Euro- Rettungsfonds. Das ließ die Märkte weiterhin im Bullenmodus verharren. Erst im Vorfeld des neuen Euro-Krisengipfels in dieser Woche zeigten sich die Anleger abwartend, da es vor allem von deutscher Seite weiterhin erhebliche Vorbehalte gegen eine solche „Lösung“ gibt.
Noch ist der Leidensdruck nicht hoch genug, so dass die Bereitschaft für solch drakonische Maßnahmen weiterhin fehlt. Doch die Front der „Bewahrer-Fraktion“ unter den Politikern bröckelt.
In der Perspektive (und dabei eher mittel- als langfristig) werden sich die Märkte jedoch durchsetzen. Das Zeitfenster, das die Politik mit ihren Spar- und Rettungspaketen zur Lösung der Schuldenkrise be-nötigt, ist im Vergleich zu den Erwartungen der Investoren (und der Geduld der betroffenen Bürger) einfach zu groß.
Als Anleger müssen Sie spätestens jetzt handeln!
Auf diesen Umschwung müssen Sie sich vorbereiten. In der Stockstreet Investment Strategie tun wir dies bereits durch einige Umschichtungen der jüngsten Zeit. Natürlich werden wir das nun weiterführen und intensivieren.
Das Problem besteht darin, dass für diese Situation kein Politiker oder Ökonom auch nur den Hauch eines Plans hat. Wir sind Teil eines gigantischen Experiments, und es ist zu erwarten, dass die Versuchsreihe nur über weitere Irrtümer zu einem Ergebnis führen wird (die bisherigen Rettungsmaßnahmen stehen jedenfalls – selbst gemessen an den offiziellen Äußerungen – zu etwa 80 % zur Disposition…).
Und es ist anzunehmen, dass auch der Wunsch der Märkte, eine nochmalige bedingungslose Bankenrettung, nicht die optimale Lösung darstellt – zumal die Mittel dafür gar nicht mehr regulär aufzubringen wären.
Damit sind wie bereits 2008/09 zwei völlig gegensätzliche Szenarien denkbar, die entsprechend gegensätzliche Anlagestrategien erfordern. Damit Sie darauf möglichst optimal vorbereitet sind, bereiten wir eine Sonderausgabe zu diesem Thema vor, die in den kommenden Tagen verfügbar sein wird. Wenn es so weit ist, werden wir Sie natürlich an dieser Stelle informieren.
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
