Bullen im Sommerloch?
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Bullen im Sommerloch?
von Torsten Ewert
Verehrte Leserinnen und Leser,
nach dem großen Verfallstag und den vorangegangenen anhaltenden Verlusten an den Aktienmärkten sahen wir in der Vorwoche zunächst die erwartete Gegenreaktion auf diese Baisse. Diese hatte jedoch im Wochenverlauf keinen Bestand. Ein Grund dafür war einmal mehr das FOMC-Statement vom Mittwoch.
Die Fed düpiert die Märkte
Darin verkündete die US-Notenbank eine Rücknahme der Konjunkturprognose für die US-Wirtschaft auf nun 2,7 bis 2,9 %. Dies war bereits die zweite Abwärtskorrektur seit April. Für die sonst eher gemessen agierenden Notenbanker ist dies ein bemerkenswertes Tempo!
Damit liegt das optimistische Szenario der Fed (2,9 %) bereits einen vollen Prozentpunkt unter der Schätzung vom Jahresanfang. Das pessimistische Szenario (2,7 %) zeigt nun sogar eine beschleunigte Abwärtstendenz (nach 3,4 bzw. 3,1i%)...
Dies ist insofern überraschend, da wir bisher davon ausgingen, dass die Fed angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen (auch) an einer stabilen, positiven Entwicklung des Aktienmarkts interessiert ist. Eine solche Nachricht ist dafür jedoch eher kontraproduktiv.
Hilflose Erklärungen und klares Votum
Wirkliche Aufschlüsse über die Gründe für diese beinahe drastische Prognosekorrektur gab Bernanke auch in der nachfolgenden Pressekonferenz nicht. Es blieb bei stereotypen Erklärungen, der Konjunkturaufschwung setze sich langsamer fort als erwartet, der schwache Arbeitsmarkt sowie die anhaltend hohen Rohstoffpreise belasteten. Unverdrossen hält Bernanke dabei an der Überzeugung fest, dies alles seien jedoch vorrübergehende Erscheinungen.
Diese teilweise etwas hilflos wirkenden Erklärungsversuche wurden allerdings durch ein relativ klares Votum für die Beendigung der ultralockeren Geldpolitik gemildert. Bernanke erteilte vorerst neuen expansiven Maßnahmen („Gelddrucken“, QE3) eine relativ klare Absage.
Er verwies darauf, dass die früheren Beschlüsse unter anderen Voraussetzungen (z.B. zurückgehenden Inflationsmaßzahlen u.a.) zustande kamen, die so jetzt nicht mehr gegeben seien. Allerdings werde die Fed „in üblichem Maße“ weiterhin Staatsanleihen erwerben, auch wenn QE2 Ende Juni ausläuft. Und für den Fall, dass „die Bedingungen es verlangen“ ließ sich die Fed auch eine Hintertür für QE offen...
Schlechtes Omen für die Quartalssaison
Möglicherweise reichte dies jedoch den Börsianern angesichts der weiterhin rekordhohen Arbeitslosigkeit in den USA nicht, und die negative Kursreaktion auf die Fed-Sitzung war Ausdruck der Enttäuschung, dass aus QE3 vorerst nun wohl nichts wird.
Denn die reduzierten Erwartungen der Fed könnten auch ein Hinweis sein, dass die Ergebnisse der Anfang Juli beginnenden Quartalssaison schwächer ausfallen. Das dämpft natürlich die Investitionsbereitschaft der Anleger gerade vor der Sommerpause.
Hinzu kommt, dass in Amerika derzeit ein erbitterter Streit zwischen regierenden Demokraten und oppositionellen Republikanern über die weitere Schulden- und Haushaltspolitik tobt. Dieser wird nach aktuellem Stand noch bis Anfang August anhalten.
Verziehen sich die Bullen ins Sommerloch?
Für die Opposition ist das eine willkommene Gelegenheit, alle Bestrebungen des Präsidenten zu torpedieren, die Wirtschaft vor dem Wahljahr noch etwas zu stimulieren. Dies, der Pessimismus der Fed und das möglicherweise unergiebige Warten auf die Quartalsberichtssaison könnten dazu führen, dass sich die Bullen bereits jetzt ins Sommerloch verabschieden.
Und so nähern wir uns nun charttechnisch entscheidenden Marken. Denn fast alle großen Indizes stehen inzwischen an wichtigen Unterstützungen, in der Regel den unteren Begrenzungen der aktuellen Seitwärtsbewegungen. Brechen diese, dann wären weitere Kursverluste zu erwarten.
Fast lehrbuchhaft stellt sich jetzt die Lage im US-Leitindex, dem S&P 500, dar:

Quelle: MarketMaker
Wichtige Unterstützungen müssen nun halten
Nach dem fehlgeschlagenen Ausbruch im April / Mai scheiterte der Kurs zweimal in Folge an der oberen Begrenzung der aktuellen Seitwärtsbewegung (rote Pfeile). Die Gegenbewegung der vergangenen Woche endete zudem exakt an der Mittelline des Rechtecks.
Damit ist immer noch eine intakte Abwärtsbewegung in Gang, die den Kurs bis auf die untere Rechteckkante führen kann. Deren Bruch würde eine komplette Neubewertung der Lage erfordern!
Doch noch ist es nicht so weit. Das jüngste Tief (grüne Linie) wirkt ebenso als Bremse gegen fallende Kurse wie natürlich die Rechteckkante (März-Tief) selbst. Und dass die weiterhin sehr stark überverkaufte Lage tatsächlich neue Käufer auf den Plan ruft, sahen wir an der durchaus beeindruckenden Gegenreaktion der Vorwoche.
Ihre Trading-Strategie der kommenden Wochen
Für Ihre Trading-Strategie der nächsten Zeit bedeutet das: Die hohe Trefferquote bezüglich der Umkehrbewegungen im aktuellen Rechteck spricht momentan für eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung.
Antizyklische Einstiegspunkte ergeben sich daher bei knapp 1.260 bzw. 1.250 Punkten. Je nach persönlicher Risikoneigung können Sie „blinde“ Kauflimits im Umfeld dieser Marken legen oder eine Umkehrkerze im Zeitrahmen Ihrer Wahl abwarten.
Kommt es jedoch – insbesondere nach einer gescheiterten Umkehr nach oben! – doch noch zum einem Bruch des Rechtecks nach unten, dann heißt die Marschrichtung bis auf Weiteres wieder short...
Gute Trades wünscht Ihnen
Ihr Torsten Ewert
