22 Cent und die antizyklische Buffett-Chance




22 Cent und die antizyklische Buffett-Chance
von Torsten Ewert

Verehrte Leserinnen und Leser,

um läppische 0,22 Punkte bzw. 22 Cent schrammte der S&P 500 in der vergangenen Woche an der siebten Verlustwoche in Folge vorbei. Allerdings bedeutet dies auch, dass er zuvor sechs Wochen nacheinander nur Verluste zustande gebracht hat.

Die seltene 6-Wochen-Baisse

Selbst dies ist ein vergleichsweise seltenes Ereignis (siehe Chart): Nur 14 Mal seit 1950 kam es zu derart anhaltenden Baissen in den USA.

S&P 500

Quelle: MarketMaker

Beim ersten Blick auf den Chart bekommt man den Eindruck, als treten diese Serien insbesondere in der Nähe von Hochpunkten einer Rally auf. Eine genauere statistische Auswertung scheint dies in gewisser Weise zu bestätigen:

            Tabelle

Quelle: MarketMaker

So kommt es während der sechs Monate, die einer solchen 6-Wochen-Baisse folgen, häufiger zu Ausschlägen nach unten als nach oben (fette Zahlen in der rechten Spalte). Das deutet tatsächlich darauf hin, dass Abwärtstrends mit einer solchen Verlustserie eingeleitet werden.

Das sind Ihre Gewinnaussichten für die kommenden Wochen!

Allerdings sind die Ausschläge selbst nach oben in dieser Zeit deutlich größer (2. Spalte von rechts), was dafür spricht, dass sich an solche längeren Kursrückgänge wenigstens eine kräftige Gegenbewegung anschließt. Gelegentlich bilden derartig langen Baisse-Phasen auch den Wendepunkt einer längeren Abwärtsbewegung. Das war beispielsweise 1970, 1982 und 2002 der Fall, wobei es jedoch 1970 sogar zu einer achtwöchigen Baisse kam (kursive Zahlen weisen auf Baissen länger als 6 Wochen hin).

In jedem Fall sind die Märkte nach einer mindestens sechswöchigen Talfahrt in der Regel überverkauft, so dass in den folgenden Wochen und Monaten eher eine Stabilisierung einsetzt. Dafür sprechen im Übrigen auch die Zwischenergebnisse nach einem, drei oder sechs Monaten (Performance-Spalten):

Hier sind die roten (Minus-)Zahlen klar in der Minderheit und weisen – abgesehen von den Crash-Perioden 2001 und 2008 – eher moderate Größenordnungen auf. Daraus ergibt sich erstaunlicherweise rein statistisch in jedem dieser drei Zeiträume ein positives Chance-Risiko-Verhältnis mit durchschnittlichen Gewinnaussichten von 4,2 %, 6,6 % bzw. 12,3 %.

Zwischenfazit für Swing-Trader: Das aktuell erreichte Kursniveau bietet auf Sicht einiger Wochen überproportionale Erfolgschancen auf der Long-Seite!

Langfristig sind die Aussichten sogar noch besser

Aber wie gesagt, die aktuell deutlich überkaufte Lage an den Aktienmärkten erkennt man auch ohne größere statistische Erhebungen. Interessant ist daher vor allem aus langfristiger Sicht ein anderer Aspekt, der sich aus dem vorgestellten Vergleich ergibt.

So fällt auf, dass der aktuelle Verlust nach sechs Wochen Baisse (2. Spalte), der kleinste in der gesamten Aufstellung nach 1977 ist. Die müde Gegenreaktion der vergangenen Woche (3. Spalte) ist ebenfalls ein Duplikat der Baisse von 1977 (grüne Felder). Beim Blick auf den Chart oben fallen noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen beiden Zeiträumen auf:

In beiden Fällen kam es zuvor zu einer längeren Seitwärtsbewegung nach einer phantastischen Rally. Die Struktur dieser Seitwärtsbewegungen ist überdies erstaunlich ähnlich. Einem ersten Hochpunkt (1) und einem deutlichen niedrigeren Zwischentief (2) bezüglich des vorangegangenen Anstiegs folgte ein nur unwesentlich höheres Hoch (3), gefolgt von einem Tief (4), das unter Tief (2) markiert wurde. Am Punkt (5), einem Zwischenhoch ereignete sich jeweils die beschriebene 6-Wochen-Baisse (gelber bzw. roter Kreis im Chart).

Erneute Bestätigung unseres Jahrzehntausblicks

Leser unseres Jahrzehntausblicks (erschienen im Januar 2010) erinnern sich bestimmt an unser Szenario einer großen Seitwärtsbewegung, das wir anhand diverser fundamentaler und charttechnischer Faktoren herausarbeiteten. Das aktuelle Phänomen einer 6-Wochen-Baisse bestätigt diesen übergeordneten Ablauf erneut auf eindrucksvolle Weise.

Obwohl uns also laut Statistik mittelfristig allenfalls ein moderater Rückfall droht (1977 waren es maximal -4,7 % innerhalb von sechs Monaten), zeigt die Charthistorie, dass es im weiteren Verlauf doch noch deutlich tiefer abwärts gehen kann (das Tief vor dem Chart der Jahrhundert-Rally der 1980er / 1990er Jahre bildete sich 1978, dreizehn Monate nach der 6-Wochen-Baisse von 1997, 14 % niedriger).

Das bedeutet aber nichts anderes, als dass wir im Laufe des nächsten oder übernächsten Jahres die Talsohle der jüngsten Krisen endgültig durchschritten haben. Sicherlich lassen sich diese Zahlen nicht Eins zu Eins übertragen. Und wer weiß schon, was die aktuellen Schulden- und Währungskrisen noch für Überraschungen bringen? Wenn Sie also Ihrem Timing in dieser Frage nicht über den Weg trauen, dann greifen Sie doch ganz tief in die Trickkiste erfolgreicher Investoren.

Mit angestaubten Methoden zum Vermögen

Darin steckt nämlich ein ganz altmodisches Ding, verstaubter als die Bullenhörner und unbeliebter als die Steuererklärung: der gute alte Sparplan! Denn wenn Sie in den kommenden ein bis fünf Jahren regelmäßig und beherzt in Aktien investieren, dann sind Sie für den Start einer neuen Super-Rally bestens vorbereitet.

Und das Schöne daran ist, dass Sie dabei von den zu erwartenden zwischenzeitlichen Kursrückgängen profitieren. Denn während der gesamten Zeit sind Sie auf der Käuferseite und damit sind für Sie niedrigere Kurse zunächst sogar wünschenswert. Und das immer noch bestens funktionierende Cost Averaging, das durch den Sparplan automatisch realisiert wird, peppt zudem noch Ihre Gesamtperformance ordentlich auf!

Zugegeben, das klingt zunächst wenig sexy und sogar ziemlich langweilig. Aber mit einem ähnlich langweiligen Konzept hat es Warren Buffett immerhin zu einem der reichsten Männer der Welt geschafft. Auf gewisse Art handeln Sie damit ebenso antizyklisch wie der Meister aus Omaha – denn wer will jetzt schon Sparpläne...

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert




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