Nervosität vor dem EU-Gipfel
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Nervosität vor dem EU-Gipfel
von Jochen Steffens
Die Märkte zeigen sich vor dem morgen beginnenden EU-Gipfel nervös. Zunächst starteten sie optimistisch, im weiteren Verlauf sank jedoch dieser Optimismus. Als Grund dafür wurden Äußerungen diverser Politiker genannt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Anleger befürchten, die mittlerweile hohen Erwartungen an diesen Gipfel werden nicht erfüllt. Und dies ist nicht einmal unwahrscheinlich.
Auch die Hoffnung, dass die EZB morgen den Leitzins weiter senkt, kann somit nicht helfen. Weitere Zinssenkungen wären sowieso nur eine kosmetische Handlung der EZB. Es gibt eindeutig entscheidendere Sachverhalte zurzeit als die Höhe des Zinsniveaus.
Grund für Optimismus?
Die für uns relevante Frage ist, was geschieht, wenn der Gipfel vorbei ist? Wir sind mittlerweile im Jahresendgeschäft. In dieser Zeit wird von institutionellen Anlegern gerade bei marktengen Werten Kurskosmetik betrieben, um die Performance zum Jahresende hin aufzuhübschen, das sogenannte Window Dressing (engl. Schaufensterdekoration). Nicht klar ist, ob die meisten institutionellen Anleger das Jahr 2011 als Krisenjahr einfach bereits abgeschrieben haben oder aber alles tun werden, um die Performance wenigstens ein wenig zu verschönern. Wenn ich mich unter Kollegen umhöre, hat sich eine höchst resignative Stimmung im Börsengeschäft fest eingenistet. Das könnte dafür sprechen, dass viele dieses Jahr mittlerweile abschreiben.
13 Prozent Minus
Auf der anderen Seite liegt der DAX in diesem Jahr mit über 13 % hinten. Ähnlich schlecht dürfte die Performance vieler Fonds und Vermögensverwalter aussehen. Wenn diese nach einem sehr schlechten Jahr 2008 auch 2011 wieder ein sehr negatives Ergebnis ausweisen müssen, könnte das dazu führen, dass viele Anleger ihre Anteile abstoßen.
Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr eine Sondersituation haben. Weihnachten fällt auf ein Wochenende und so bleiben zwischen den Jahren viele Handelstage übrig, in denen das Window Dressing auf schwache Umsätze treffen könnte.
Was überwiegt?
Was überwiegt also? Die große Sorge vor Mittelabflüssen oder die Resignation? Das ist schwer zu beurteilen. Hier sollten Sie in den Tagen nach dem Gipfel und zum Weihnachtsfest hin einfach auf die Kurse achten. Zeichnet sich ab, dass die Kurse trotz schlechter Nachrichten plötzlich immer weiter munter steigen, sollten Sie bis zum Jahresende aufspringen. Ist keine zur Nachrichtenlage relative Stärke zu erkennen, sollten Sie vorsichtig bleiben.
Einstiegsignale finden sich natürlich auch im charttechnischen Überblick:
DAX vor wichtigen Signalen?
Der DAX ist in eine Konsolidierung übergegangen und zwar genau an der blauen Abwärtstrendlinie. Das ist zunächst einmal ein kritisches Zeichen, denn den Bullen ist es bisher nicht gelungen, diese Linie zu überwinden und damit ein positives Zeichen zu setzen.
Wenn es also noch zu einer kleinen Jahresendrally kommen soll, muss diese blaue Abwärtstrendlinie überwunden werden. Besser wäre noch ein Überwinden des jüngsten Zwischenhochs (blauer Pfeil). Deutlich bullisher wird es, wenn die 6.500er Marke nach oben überwunden wird. Hier liegt die nächste Rechteckkante, aber auch das vorherige große Bewegungshoch des DAX (grüner Pfeil).
Auf der Unterseite sollten die Kurse nicht mehr unter die 5.500er Marke fallen, bzw. nicht mehr unter die (dicke) grüne Trendlinie. Dies wäre das entscheidende bearishe Signal, das durch neue Tiefs, also ein Bruch der 5.000er Marke, nachhaltig bestätigt würde.
Schauen wir also, ob die europäischen Politiker auf dem neuerlichen Gipfel relevante Lösungsansätze finden.
Viele Grüße
Jochen Steffens
