Interview mit einem Trader
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Interview mit einem Trader
von Stockstreet.de
Heute lesen Sie ein Interview mit einem der wenigen waschechten Trader, die seit vielen Jahren vom Trading leben: „Bernd Raschkowski“, der den Lesern des Steffens-Daily bereits durch einige Urlaubs-Vertretungen bekannt ist.
Stockstreet: Herr Raschkowski, wie sind Sie zur Börse gekommen, und wie lange handeln Sie schon an der Börse?
B. Raschkowski: Im Jahr 1996, also mit 16 Jahren, habe ich in einem Urlaub angefangen, den Wirtschaftsteil einer Zeitung zu lesen und erstaunlicherweise fand ich es so interessant, dass ich am Ende des Urlaubs alle Werte vom DAX im Schlaf aufzählen konnte. Kurz danach habe ich die ersten Gewinne mit Siemens und Deutsche Telekom erzielt. Das war aus heutiger Sicht jedoch mehr Glück als Können. Aber der Anfang war gemacht, die Börse hat mich nicht mehr losgelassen. Ich bin also seit 14 Jahren dabei.
Stockstreet: Da sind Sie ja genau in die Boom-Jahre bis zum Jahr 2000 geraten. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
B. Raschkowski: Die Boom-Jahre waren natürlich das Paradies auf Erden. Man konnte nicht viel falsch machen. In dieser Zeit habe ich als Schüler und dann als Student für meine damaligen Verhältnisse viel Geld durchs Traden verdient. Leider wurde ich dadurch schnell übermütig, so dass ich mehr getradet als studiert habe. Aber es war auf jeden Fall eine unglaubliche und euphorische Zeit des leichten Geldes.
Die Quittung kam dann wenige Monate später, als der Markt in sich zusammenbrach. Es war eine harte Zeit. Aber im Nachhinein betrachtet, habe ich wirklich professionelles Traden erst in diesen Jahren gelernt. Gleichzeitig habe ich mich wieder mehr auf das Studium besonnen und so meinen Abschluss als Diplom-Kaufmann machen können.
Stockstreet: Seit wann können Sie von der Arbeit an den Börsen leben?
B. Raschkowski: Ich konnte zwar von den Gewinnen aus den Boomjahren mein Studium finanzieren, allerdings würde ich das im Nachhinein nicht als wirkliches Trading bezeichnen. Erst seit dem Jahr 2002 habe ich mir mit viel Fleiß, Disziplin und Engagement die wirklich funktionalen Strategien und Trading-Methoden erarbeitet. Seit 2003 lebe ich als hauptberuflicher Trader von der Börse.
Stockstreet: Welche Ausrüstung braucht man, um erfolgreich traden zu können?
B. Raschkowski: Angefangen habe ich während meines Studiums mit den kostenlosen Kursen nur eines Brokers. Diese waren damals sogar zeitverzögert. Je professioneller das Traden wurde, desto professioneller wurde auch die Ausrüstung. Realtime-Nachrichtenticker, Realtime-Push-Kurse, professionelle Chart-Software, vier Monitore und natürlich mehrere zuverlässige Broker sind heute für mich unverzichtbar.
Stockstreet: Auf welchen Märkten sind Sie hauptsächlich aktiv?
B. Raschkowski: Grundsätzlich handele ich alles, was einen Chart hat. Von deutschen Blue-Chips über Nebenwerte bis hin zu internationalen Aktien. Hin und wieder auch Devisen und ausgewählte Rohstoffe. Ich suche mir aus allen Märkten die vielversprechendsten Formationen aus.
Stockstreet: Nach welchen Kriterien suchen Sie Werte aus und welche Techniken nutzen Sie?
B. Raschkowski: Es ist ja so, dass es viele erfolgsversprechende Setups gibt. Ich selbst handele hauptsächlich News-Trades und charttechnische Formationen. Da muss jeder seinen eigenen Stil finden.
Stockstreet: Nutzen Sie Indikatoren und wenn ja, welche?
B. Raschkowski: Indikatoren nutze ich in geringen Maßen. Meine selbstentwickelte Strategie basiert auf einer Mischung aus Charttechnik, Umsätzen, gleitenden Durchschnitten, RSI und MACD. Alles weitere verwirrt mich nur.
Stockstreet: Was glauben Sie, muss ein guter Trader an Voraussetzungen mitbringen?
B. Raschkowski: Mit der Antwort auf die Frage kann man ganze Seiten füllen. Aber ich mache es kurz: Disziplin, Disziplin und Disziplin - vor allem beim Risiko- und Money-Management.
Stockstreet: Das ist natürlich eine sehr kurze Antwort. Fallen Ihnen noch ein paar weitere Voraussetzungen ein?
B. Raschkowski: Psychische Belastbarkeit, ein gewisses Maß an Bodenhaftung aber auch Risikofreude, Fleiß, die Entschlossenheit in schwierigen Phasen Trades gegen den Markt umzusetzen und eine extrem schnelle Auffassungsgabe.
Stockstreet: Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
B. Raschkowski: 6.50 Uhr: Weiterschlafen… Nein, im Ernst: Bereits vor Börseneröffnung bereite ich mich intensiv auf den Tag vor. Nachrichten lesen, die Entwicklung der asiatischen Börsen analysieren, US-Futures durchgehen und vor allem Unternehmensnachrichten studieren.
Grundsätzlich verlaufen die Arbeitstage sehr unterschiedlich. Wenn viel los ist, sitze ich den ganzen Tag vor dem Computer - das kann auch schon mal bis zu 16 Stunden gehen. Wenn wenig los ist, mache ich auch mal längere Pausen, die ich für Sport oder andere Freizeitaktivitäten nutze.
Gewöhnlich liegen zwischen 9.00 und 11.00 Uhr und zwischen 15.00 bis 18.00 Uhr meine Haupthandelsaktivitäten.
Stockstreet: Welche Setups handeln Sie am liebsten?
B. Raschkowski: Meine Spezialität sind Rebound-Trades: Also Werte, die innerhalb eines langen und starken Abwärtstrends eine dynamische Gegenreaktion vollziehen. Hier muss man ein optimales Timing beweisen und starke Nerven haben. Als Belohnung kann man oft innerhalb relativ kurzer Zeit gute Gewinne erzielen.
Stockstreet: Gibt es auch mal schlechte Phasen? Wie gehen Sie mit solchen Zeiten um?
B. Raschkowski: Klar gibt es auch schlechte Phasen. Als aktuelles Beispiel kann ich den Sommer dieses Jahres anführen. Die ganze negative Stimmung nach der Krise und Themen wie Finanzmarktregulierung, Transaktionssteuer sowie das Sommerloch führten zu niedrigen Umsätzen und geringen Marktbewegungen. Am besten nutzt man solche Phasen, um Urlaub zu machen und sich auf bessere Zeiten vorzubereiten. Ansonsten kann man nur versuchen, mit viel Arbeit und Disziplin den ein oder anderen guten Trade über die Bühne zu bringen.
Stockstreet: Wie gehen Sie mit Verlusten um?
B. Raschkowski: Verluste gehören zur Börse dazu. Es ist zwar ein abgedroschener Standardspruch, aber dennoch eine der wichtigsten Regeln: Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen. Das ist eigentlich alles.
Stockstreet: Kann man an den Börsen schnell reich werden?
B. Raschkowski: Um es mit Kostolany zu sagen: „An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil“. Es gibt solche Fälle, aber das hat meistens mehr mit Glück, als mit Verstand zu tun. Bei schnellen, großen Gewinnen ist auch immer das Risiko dementsprechend hoch. Ein zu hohes Risiko einzugehen, entspricht nicht meiner Art zu traden. Schließlich kann man an den Börsen auch sehr schnell arm werden.
Stockstreet: Wie kamen Sie zu Stockstreet?
B. Raschkowski: Jochen Steffens habe ich vor einigen Jahren auf einer Börsenmesse kennengelernt. Da wir nicht weit voneinander entfernt wohnen, haben wir mittlerweile regelmäßigen Kontakt und tauschen uns gerne zu aktuellen Börsenthemen und Trading-Ideen aus.
Stockstreet: Was können Sie zum Abschluss unseren Lesern mit auf den Weg geben.
B. Raschkowski: Jeder Anfang ist schwer, gerade an der Börse. Aber bleiben Sie dabei, es lohnt sich!
Stockstreet: Vielen Dank für das Interview
