3 goldene Regeln für erfolgreiche Anleger
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Jochen Steffens befindet sich zur Zeit im Urlaub. Bis zum 22. Juni 2010 schreibt an dieser Stelle für Sie Bernd Raschkowski, unabhängiger Wertpapierhändler und Anlagecoach.
3 goldene Regeln für erfolgreiche Anleger
von Bernd Raschkowski
Die Börse macht es einem nicht leicht: Mal extreme Kurssprünge, mal panikartige Verkäufe – und alles oft zu einem Zeitpunkt an dem man es überhaupt nicht gebrauchen kann. Besonders in den vergangenen Monaten konnten die Schwankungen an den Wertpapierbörsen sehr zermürbend sein. Für kurzfristig agierende Anleger ist das Umfeld nicht gerade leichter geworden und von Langfriststrategien möchte ich erst gar nicht anfangen (selbst vor 10 Jahren stand der Dax höher als heute!). Dennoch bieten verschiedene Handelsstrategien immer noch sehr gute Rendite- und Anlagemöglichkeiten, sei es für einen effektiven Aufbau der eigenen Rentenvorsorge oder einfach nur für die Aufbesserung des monatlichen Gehalts.
Um diese Chancen nachhaltig nutzen zu können, bedarf es allerdings zahlreicher Regeln und Prinzipien. Drei davon möchte ich Ihnen heute vorstellen. Meiner Meinung nach zählen ein konsequentes Risiko- und Moneymanagement sowie eine bodenständige Erwartungshaltung zu den wichtigsten Aspekten an der Börse, wenn nicht sogar zu den Vorraussetzungen eines erfolgreichen Anlegers. Auf jeden Fall ist Erfolg an der Börse alles andere als Zufall. Dahinter steckt vielmehr eine große Portion Fleiß kombiniert mit einer konsequenten Einhaltung der Handelsstrategie. Die Prinzipien im Detail:
Moneymanagement
Setzen Sie niemals alles auf eine Karte! Der Begriff Moneymanagement meint grundsätzlich Strategien zur Senkung des Risikos innerhalb eines Wertpapierdepots. Das Depot sollte mittels verschiedener Einzelwerte gestreut werden, um es unabhängiger von bestimmten äußeren Einflüssen zu machen (beispielsweise von negativen Nachrichten eines einzelnen Unternehmens). Eine breite Streuung (Diversifikation) innerhalb des Portfolios wird zwar schon seit vielen Jahren von allen Vermögensverwaltern und Experten gepredigt, aber leider nicht immer von den Privatanlegern umgesetzt. Zu oft „verlieben“ sich Anleger in einen bestimmten Wert mit den vermeintlich besten Aussichten.
Moneymanagement meint darüber hinaus aber auch die sorgsame Wahl der Positionsgröße für jeden Einzelwert – also das Geld welches ich in ein Wertpapier investieren möchte. Die Festlegung der Positionsgrößen sollte abhängig von dem Risiko des Einzelwerts und seiner Schwankungsbreite erfolgen. Für riskante Wertpapiere wird dementsprechend eine niedrigere Summe gewählt als für weniger riskante Anlagen. Konkret: Auch wenn die Aussichten noch so toll sind, würde ich selbst nur einen relativ geringen Teil des Depotvolumens in kleine Nebenwerte investieren. Dagegen könnten Aktien aus dem Dax gut und gerne mit bis zu 10 Prozent des Wertpapierdepots gewichtet werden.
Keine Gier
Zahlreiche Anlagefehler entstehen durch Selbstüberschätzung und Gier. Ich bin immer wieder erschrocken, was für spekulative Werte mit fadenscheinigen Begründungen ins Depot gekauft werden. Sätze wie „Der Wert XY kann nur steigen“ oder „Die Kaufchance des Jahres schlechthin“ machen mich immer stutzig. Oft werden dabei nur die Chancen gesehen und die Risiken ausgeblendet, dabei steht beides immer in einem proportionalen Verhältnis zueinander. Die menschliche Gier nach schnellen Gewinnen wird leider auch von zahlreichen unseriösen Börsenbriefen ausgenutzt. Deshalb eine Bitte: Wenn Sie mal wieder Werbung im Briefkasten nach dem Motto „Gewinne ohne Risiko“ finden, befeuern Sie damit höchstens den Kamin. Wenn Ihnen „1000 Prozent in kurzer Zeit“ versprochen werden, schmeißen Sie den Müll weg!
Risikomanagement
Während das Moneymanagement die Verringerung des Risikos über die Streuung auf mehrere Werte sowie angemessene Positionsgrößen bedeutet, zielt das Risikomanagement auf die Verringerung des Verlustrisikos je Position ab. Klingt vielleicht verwirrend, ist aber eigentlich ganz einfach. Jede Position im Depot wird von Anfang an mit einem Kurs versehen, zu dem man im schlechtesten Fall der Fälle verkaufen möchte. Nämlich dann, wenn sich das Investment nicht so entwickelt wie erhofft. Der so genannte Stop-Loss-Kurs dient als Notbremse, falls es in die falsche Richtung läuft.
Ich selbst richte die Stop-Loss-Kurse jeweils an charttechnisch wichtigen Marken aus und mache damit immer wieder sehr gute Erfahrungen. Bei einer mittelfristigen Anlage sichere ich die Position zum Beispiel meistens irgendwo zwischen 5 und 15 Prozent unter dem Kaufkurs ab (5 Prozent bei konservativen Werten, 15 Prozent bei kleinen, risikoreicheren Werten). Das heißt, dass ich pro Trade jeweils höchstens 15 Prozent Verlust machen kann. Ärgerlich, aber auch nicht weiter schlimm. Bei steigenden Kursen wird der Stop-Kurs selbstverständlich stets weiter nach oben gezogen. Das Erfolgsmotto heißt immer noch „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“ (und dafür zahle ich auch gerne 5 Euro ins Phrasenschwein).
Fazit: Grundsätzlich muss jeder Anleger seine eigenen Erfahrungen machen und Strategien finden, die zu seinem Anlagestil passen. Die oben genannten Regeln sind aber nicht nur für Börsenneulinge enorm wichtig, sondern bilden auch bei langjährigen Profis die Basis für ein nachhaltiges Investieren. Leider haben viele Anleger vor allem mit dem dritten Punkt ihre Probleme. Lieber werden die Positionen mit immer größer werdendem Buchverlust gehalten, statt mit kleinem Minus zu verkaufen. Es fällt eben schwer, sich selbst Fehleinschätzungen einzugestehen. Zur Umsetzung und Einhaltung der Regeln bedarf es deshalb notwendiger Charakterzüge wie Disziplin, eine objektive Selbsteinschätzung sowie eine konsequente Handlungsweise. Aber sonst wäre Börse ja auch zu einfach.
Beste Grüße
Bernd Raschkowski
