Erdgas vor Beendigung der Abwärtsbewegung?
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Erdgas vor Beendigung der Abwärtsbewegung?
von Bernd Raschkowski
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Während das Rohöl in den vergangenen Jahren enorme Preisaufschläge verzeichnete, war eine ganz andere Bewegung beim Erdgas zu beobachten. Es ist wirklich seltsam: Entgegen der Tendenz, dass sich Energieträger im Allgemeinen deutlich verteuern, fiel der Preis für das Erdgas innerhalb der letzten Jahre kräftig. Was sind die Gründe für den Preisrückgang? Und wie wird sich Erdgas zukünftig entwickeln?
Wichtiger Rohstoff für die Energiewende
Fangen wir zunächst ganz vorne an. Das Erdgas (oft auch unter der Bezeichnung Natural Gas oder Henry Hub zu finden) ist nach dem Rohöl und der Kohle der wichtigste fossile Brennstoff auf der Erde. Das geruchs- und farblose Gas wird hauptsächlich zum Betrieb von Heizanlagen sowie als Reaktionspartner in der chemischen Industrie genutzt. Darüber hinaus findet Erdgas auch mehr und mehr Anwendung als Antriebsstoff von Transportmitteln. Gehandelt wird Erdgas an der weltgrößten Warenterminbörse New York Mercantile Exchange (NYMEX).
Das Erdgas gewinnt seit einiger Zeit immer mehr an Bedeutung. Im Zuge der Energiewende kommt dem Rohstoff nach Meinung von Experten eine entscheidende Schlüsselrolle zu. Hintergrund: Die Verbrennung von Erdgas verläuft deutlich sauberer für die Umwelt als bei den konventionellen Energieträgern Öl und Kohle. Erdgas stellt hier den einzig ernstzunehmenden Ersatzrohstoff dar.
Sinkende Kurse sorgen für Verwunderung
Unter Berücksichtigung der steigenden Bedeutung von Erdgas erscheint es schier unverständlich, dass sich der Preis in den vergangenen Jahren in Richtung Süden entwickelt hat. Zumal die Preise für andere Energieträger auch noch stark angestiegen sind. Genauer gesagt nahm die Abwärtsspirale bereits im Jahr 2009 ihren Lauf: Während zu Beginn des Jahres 2009 der Erdgas-Future noch bei rund 12 Dollar gehandelt wurde, werden aktuell nur noch rund 2,60 Dollar dafür bezahlt. Alleine innerhalb der vergangenen zwölf Monate halbierte sich der Rohstoff im Wert.
Die folgende Abbildung zeigt die Preisentwicklung des Erdgas-Futurs seit Mai 2011:

Quelle: finviz.com
In der Abbildung ist die kontinuierliche Abwärtsbewegung zu erkennen. Das bisherige Verlaufstief markierte Erdgas im Monat April knapp unterhalb der 2-Dollar-Marke. Nach einer Erholungsbewegung, die sich über knapp vier Wochen hin erstreckte und bis auf das Niveau von 2,70 Dollar führte, tendierte Erdgas in den letzten Tagen wieder abwärts. Allerdings verbuchte der Kurs am gestrigen Handelstag den stärksten Anstieg seit Langem – und nährt damit die Hoffnung auf eine Trendwende.
Steigende Gasreserven drücken den Preis
Der Grund für die sinkenden Preise der letzten Jahre liegt in den gestiegenen Gasreserven. Im Gegensatz zu den Ölreserven wurden die weltweiten Gasreserven zuletzt immer weiter nach oben revidiert. Experten gehen mittlerweile von 187 Billionen Kubikmetern Gas aus, die noch in der Erde schlummern. Auch die Lagerbestände der großen Förderunternehmen befinden sich auf Rekordniveau und belasten damit den Preis zusätzlich.
Trendwende in Sicht
Bislang ist die Erdgas-Fördermenge tatsächlich als sehr hoch zu bezeichnen. Allerdings haben die Betreiber die Zahl der Gasförderanlagen bereits deutlich reduziert. Im nächsten Jahr wird dann eine konstante oder eventuell sogar steigende Nachfrage auf ein verringertes Angebot treffen. Anziehende Preise könnten dann an die Tagesordnung kommen.
Als langjähriger Beobachter der Erdgas-Preise halte ich eine baldige Trendwende durchaus für möglich. Zwar kann der jüngste Preisanstieg seit April noch nicht als nachhaltig bezeichnet werden, doch die Chance für eine lange Aufwärtsbewegung ist vor dem Hintergrund der veränderten Fundamentaldaten durchaus vorhanden. Schließlich wird an der Börse nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft gehandelt. Sollte innerhalb der nächsten Wochen auch noch das Zwischenhoch bei rund 2,70 US-Dollar nach oben hin geknackt werden, dann gibt auch die Charttechnik grünes Licht für eine Aufwärtsbewegung im Erdgas.
Hochachtungsvoll
Ihr
Bernd Raschkowski
